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Irreführend: Stipendiaten der StudienStiftungSaar kritisieren sogenannte „BioFolien“

12. Juli 2013


Stipendienpreis für Daniel Blank und Marco Tassone – Verbraucherministerin Rehlinger: Hersteller müssen ihre Versprechen einhalten

Im Rahmen eines Förderprojekts der StudienStiftungSaar haben Daniel Blank und Marco Tassone von der Hochschule für Technik und Wirtschaft herausgefunden, dass als solche beworbene BioFolien unter Bedingungen eines heimischen Komposts gar nicht biologisch abbaubar sind. „Unsere selbst entwickelten Labortests haben gezeigt, dass als biologisch abbaubar deklarierte Plastikverpackungen sich nicht unter Standartbedingungen wieder abbauen“, so Daniel Blank. Die beiden angehenden Prozesstechniker haben zur Verpackung eingesetzte BioFolien von vier verschiedenen Herstellern untersucht.

Die beim Verbraucher durch die Formulierung „biologisch abbaubar“ geweckte Erwartung, dass sich die Folien wieder natürlich abbauen, muss laut entsprechender EU-Norm gar nicht eingelöst werden. Marco Tassone: „Laut der EU-Norm reicht es für die Anerkennung als biologisch abbaubarer Werkstoff aus, wenn von dem Stoff nach drei Monaten in einer Industriekompostierungsanlage nur noch zehn Prozent übrig sind.“ In einer Industriekompostanlage herrschen spezifische Bedingungen, die sich stark vom Hauskompost unterscheiden, z. B. eine Temperatur von mindestens 70°C und ein Wasseranteil in der Luft von 60 % – 80 %.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die BioFolien im heimischen Kompost nicht abgebaut, sondern von Kompost-Tieren wie Asseln oder Würmern in sehr kleine Mikro-Teile zerlegt werden. Sie sind dann für das Auge nicht mehr sichtbar, aber de facto immer noch vorhanden“, so Daniel Blank. Der Plastik-Müll werde also, so Marco Tassone und Daniel Blank, im Endeffekt meist in Industriekompostanlagen verbrannt, nicht biologisch abgebaut. Dennoch sparen die Unternehmen die Abgaben für das Recycling, die eigentlich bei der Verwendung von Plastikverpackungen anfallen. Daniel Blank: „Um Verbraucher nicht in die Irre zu führen, sollte die Norm verbessert werden.“

Die Ministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, Anke Rehlinger, gratulierte den Studierenden zu ihren interessanten Forschungsergebnissen und dem Stipendienpreis: „Es ist gut, dass gerade bei Gegenständen des täglichen Bedarfs kritisch überprüft wird, ob Versprechen, die die Hersteller geben, auch eingehalten werden. Dieses Forschungsprojekt deckt einen Fall von Verbrauchertäuschung auf. Verbraucherinnen und Verbraucher, die die „BioFolien“ kaufen, tun dies in dem Bewusstsein, mit dem Kauf auch etwas Gutes für die Umwelt zu tun.“

Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen sollten auch die Folien selbst weiter entwickelt werden, erklärt Marco Tassone: „Wir haben bereits mit Folien auf Kartoffelstärkebasis zu experimentieren begonnen, um herauszufinden, wie Folien hergestellt werden können, die wirklich biologisch abbaubar sind.“ Dies sei aber nicht nur eine prozesstechnische Herausforderung, sondern bringe auch ethische Fragen mit sich, führt Daniel Blank aus: „Wenn auf der Erde Menschen verhungern und wir stellen aus potentiellen Nahrungsmitteln Verpackungen her – wie geht das zusammen? Und wie hoch wäre der schädliche CO2-Ausstoß beim Transport der natürlichen Ressourcen zur Plastikherstellung rund um den Globus?“

Für ihre Forschungsergebnisse haben Daniel Blank und Marco Tassone einen Stipendienpreis der StudienStiftungSaar in Höhe von 1.000 Euro erhalten. „Wir freuen uns, ein so spannendes Projekt gemeinsam mit der HTW angestoßen zu haben“, so Christian Thomaser, Geschäftsführer der StudienStiftungSaar. „Hier forschen junge Talente zu einem wichtigen ökologischen Thema – dieses Engagement würdigen wir mit unserem Stipendienpreis.“

Die StudienStiftungSaar hat das Förderprojekt zusammen mit Prof. Dr. Matthias Brunner entwickelt. Er lehrt Bio- und Umweltverfahrenstechnik an der HTW. “Ich freue mich, dass das Engagement unserer Studierenden mit einem Stipendienpreis belohnt wurde”, so Prof. Brunner. “Die eigene Tätigkeit im Bereich der angewandten Wissenschaft, wie hier an unserem Deutsch-Französischen Institut für Umwelttechnik, ist entscheidend, um die Studierenden zu qualifizieren und auch zu motivieren.”

Quelle:
Meike Stein

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