Home > Politik, Saarland > Geisterfahrer-Problematik: Saarland will Sicherheit weiter erhöhen

Geisterfahrer-Problematik: Saarland will Sicherheit weiter erhöhen

26. April 2013

File:Gefahrenzeichen 14a.svg

Foto: Gefahrenzeichen für Falschfahrer

Saarbrücken/Dillingen. Das Saarland will die Sicherheit an den Autobahnanschlussstellen im Land weiter erhöhen und damit die Gefahr durch „Geisterfahrer“ senken. Die Maßnahmen hierzu stellte Verkehrsminister Maas bei einer Pressekonferenz an der Anschlussstelle der A8 Höhe Dillingen-Mitte vor.

Mit 73 Anschlussstellen an 240 Kilometern Autobahn hat das Saarland mit die höchste Anschlussstellendichte aller Flächenländer. Obwohl Falschfahrten nur einen geringen Anteil aller Verkehrsunfälle ausmachen, zeigen warnende Beispiele aus anderen Bundesländern, dass es gerade durch Geisterfahrer schnell zu katastrophalen Unfällen kommen kann. In den letzten 10 Jahren waren auch im Saarland 6 Tote zu beklagen. Im Jahr 2012 gingen bei Rundfunk und Polizei 71 Meldungen zu Falschfahrten ein. 18 Fahrer konnten tatsächlich ermittelt werden. Dabei gab es drei Unfälle mit drei leichtverletzten Personen. Beim saarländischen Verkehrsminister steht die Geisterfahrer-Problematik vor diesem Hintergrund auf der Agenda weit oben.

Maas: „Jeder Geisterfahrer ist einer zu viel. Häufig passieren Geisterfahrten aus Unachtsamkeit oder weil eine Verkehrssituation unübersichtlich oder überfordernd ist. Hier wollen wir ansetzen, die Autofahrer möglichst frühzeitig warnen und vor einer Geisterfahrt bewahren. Die Verkehrssicherheit muss höchste Priorität haben.“

Zum einen begleiten daher saarländische Experten die aktuellen Beratungen in den Gremien der Verkehrsministerkonferenz und bringen sich in Arbeitsgruppen zur Verbesserung der Sicherheit ein. Eine Arbeitsgruppe „Fahrzeug“ beschäftigt sich mit dessen technischen Möglichkeiten, eine zweite „Fahrer/Mensch“ untersucht psychologische Aspekte beim Fahrzeugführer.

Die dritte Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Verkehrsinfrastruktur“ untersucht die Optionen, Straßen und deren Ausstattung zu optimieren. Hier werden bundesweit einheitliche Prüfkriterien entwickelt, die einer Sicherheitskontrolle aller Autobahnanschlussstellen deutscher Autobahnen zu Grunde gelegt werden sollen. „Wir wollten nicht auf Ergebnisse dieser Beratungen warten“, erläutert Maas. „Der aktuelle Rechtsrahmen gibt uns hinreichend Spielraum, schneller tätig zu werden.“ Als bundesweit erstes Land habe der saarländische Landesbetrieb für Straßenbau auf Initiative von Heiko Maas in den letzten Wochen parallel zu seiner turnusmäßigen Nachtverkehrsschau des gesamten Autobahnnetzes gezielt auch alle Autobahnanschlussstellen auf ihre Sicherheit und Übersichtlichkeit überprüft. Dabei habe man die Kriterien der aktuellen Straßenverkehrsordnung und der geplanten neuen Richtlinien für die Markierung von Straßen (RMS) zugrunde gelegt. Im Fokus der Betrachtung standen Markierungen und Beschilderungen.

Als vorläufiges Ergebnis der Kontrollen kann festgehalten werden, dass Optimierungsmöglichkeiten bei teilweise abgefahrenen Markierungen sowie bei schwach reflektierenden oder ungünstig eingedrehten Verkehrszeichen gesehen wurden. In diesen Fällen werden kleinere Korrekturen des Winkels von Schildern und neue Markierungen ausreichen.

In Einzelfällen wollen Maas und seine Straßenbauverwaltung zur Verbesserung von Sicherheit aber weiter gehen. Als vorbeugende Maßnahmen gegen das falsche Einbiegen an unübersichtlichen Anschlussstellen bieten sich bisher nicht übliche Markierungsvarianten an. Hierzu zählen das Vorziehen von Wartelinien für Linksabbieger zur Autobahn und die Wiederholung des Linksabbiegepfeils ebenso wie zusätzliche Pfeile in der Einbiegespur, Fahrlinien anzeigende Hilfsmarkierungen und durchgezogene Linien mit Sperrwirkung an der Ausfahrt.

Die „ultima Ratio“ stellen Richtungspfeile auf der Fahrbahn der Ausfahrt und Schildertafeln dar, die dem bereits falsch eingefahrenen Verkehrsteilnehmer seinen Fehler noch einmal anzeigen. Die Wirksamkeit der schwarz-gelben Hand, die in Österreich und in anderen europäischen Ländern Verwendung findet, wird derzeit in einem Modellversuch in Bayern untersucht. Schon jetzt einsatzfähig ist die zusätzliche Wiederholung der Verkehrszeichen VZ 267 (Verbot der Einfahrt) auf großen, stark reflektierenden Schildertafeln auf den Ausfahrten.

„Wir wissen, dass wir Geisterfahrten mit alledem nicht völlig verhindern können, vor allem nicht alkohol- oder rauschmittelbedingte Falschfahrten. Auch auf Mutproben oder Suizidversuche werden Markierung und Beschilderung keine Wirkung haben“, resümierte Maas. „Wir werden aber alle möglichen Mittel nutzen, zumindest Orientierungsschwierigkeiten zu minimieren und echten Irrtümern entgegenzuwirken.“


Quelle:
Thorsten Bischoff

Details



Druckansicht
Categories: Politik, Saarland
Kommentare sind geschlossen