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Aufsehen im Vatikan – Papst Benedikt XVI. tritt von seinem Amt zurück

11. Februar 2013

Benedikt XV war ein Mann der Kirche, an dem sich die Geister schieden. Seit seinem Amtsantritt im April 2005 war das Wir-sind-Papst-Gefühl, u.a. wegen den aufgedeckten Missbrauchsskandalen in deutschen Bistümern schon lange verschwunden. Doch letztendlich war es wohl die angegriffene Gesundheit, die den 85-jährigen Papst zum Rücktritt trieb.

In seinem Heimatland Bayern nahm man seinen Amtsverzicht  mit Respekt und Wertschätzung auf. In einer Presseerklärung bedauerte Ministerpräsident Horst Seehofer die Entscheidung von Papst Benedikt XVI, die nach seiner Einschätzung größte Anerkennung verdiene: ” Ich denke, dass ich das auch im Namen aller Bayern sagen darf. Mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl der Kirche hat der Papst aus Bayern die Menschen in aller Welt begeistert. Durch seine tief gegründete Theologie hat er die katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten maßgeblich geprägt. Deutschland und Bayern haben ihm unendlich viel zu verdanken.“

Auch der Speyerer Bischof Wiesemann zeigte sich anteilnehmend am angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt: „Die Nachricht aus dem Vatikan berührt mich menschlich sehr, nicht zuletzt weil ich den Papst aus meiner Studienzeit in Rom persönlich kenne und ihn als großen Theologen schätzen gelernt habe.“

Der Bischof betonte, die Entscheidung des Papstes zeuge von Größe, da sich Benedikt angesichts abnehmender körperlicher Kräfte zu diesem Schritt entschlossen habe und sein Amt in die Hände Gottes lege: ” Ich würdige den heiligen Vater als einen „Mann des Wortes“, der stets die Auseinandersetzung mit den geistigen Strömungen unserer Zeit suchte. Insbesondere hat er in seinem Pontifikat einen großen Beitrag zur Versöhnung von Glaube und Vernunft geleistet. Als geistlichem Menschen ging es ihm stets um die Vertiefung des Glaubens, die auch Anliegen im „Jahr des Glaubens“ ist, das er selbst noch von Oktober 2012 bis November 2013 ausgerufen hat.”

Benedikts Amtsrücktritt passt somit zu Joseph Ratzinger, dessen schöngeistig polarisierende Weltanschauung oft mit den harten Realitäten profaner Machtstrukturen nicht zurecht kam. Obwohl er sich in der Welt der Intrige und der harten Interessensgegensätze immer wieder durchsetzen konnte, fehlte ihm am Ende dafür die Kraft. Gestern gab Benedikt XVI. während eines Konsistorums in lateinischer Sprache bekannt, zum 28. Februar des selben Jahres um 20.00 Uhr auf das Amt zu verzichten. Als Grund nannte er, dass seine „Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. Somit wird Benedikt XVI. der erste Papst seit dem Amtsverzicht seines Vorgängers Coelestins im Jahre 1294 sein, der freiwillig auf sein Amt verzichtet, und der erste seit Papst Gregor 1415, der zu seinen Lebzeiten aus dem Amt scheidet.

Quelle:
Dieter J. Maier

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