"Demokratie ist die der menschlichen Natur am meisten entsprechende Regierungsform"

Interview mit Prof. Dr. Bernhard Vogel

20. Dezember 2012

bernhrd-vogel-80-geburtstag-032Er regierte zwei Bundesländer in Ost und West ein Vierteljahrhundert. Er führte die Adenauer-Stiftung, saß zweifach dem Bundesrat vor und hat die Geschichte der Bundesrepublik von Anfang an miterlebt, sowohl als Zeitzeuge als auch als poltitischer Akteur. Anlässlich seines 80. Geburtstages war Prof. Dr. Bernhard Vogel nach einer Feierstunde in der Mainzer Staatskanzlei gerne bereit, sich in einem exklusiven Interview den Fragen von Saar Report zu stellen:

Dieter J. Maier:

Herr Prof. Dr. Vogel, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 80. Geburtstag und vielen Dank dass sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben. Der frühere englische Premierminister Winston Churchill sagte einmal in einer Parlamentssitzung: “Die Demokratie ist eine schlechte Regierungsform, aber es gibt keine bessere”. Wie sehen Sie heute aus Ihrer persönlichen Sicht diese Haltung?

Prof. Bernhard Vogel:

Ich muss an dieses Zitat von Winston Churchill oft denken, denn Churchill hatte Recht. Mit meinen Worten gesagt, ist die Demokratie die schwierigste und die zerbrechlichste Regierungsform, die man sich denken kann. Eine Diktatur ist einfacher zu handhaben, als ein Land zu regieren, in dem Millionen von selbstständigen und entscheidenden Bürgern leben. Aber die Demokratie ist die der menschlichen Natur am meisten entsprechende Regierungsform, sie wahrt die Würde jeder einzelnen Person und das kann nur die Demokratie.

Dieter J. Maier:

Sie haben als maßgebender Politiker nicht nur die Ära Adenauer noch selbst  miterlebt, sondern auch noch persönlich  mit Konrad Adenauer zusammengearbeitet. Adenauer hat sich in der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken vor 54 Jahren für die Wiedereingliederung des Saarlandes trotz persönlicher Bedenken ausgesprochen. Wie haben Sie damals diese historische Entscheidung von Konrad Adenauer wahrgenommen?

Prof. Bernhard Vogel:

Für die damalige Zeit war das Saarland für Konrad Adenauer, wenn Sie so wollen der eigentliche Anfang Europas und deswegen wollte er die Selbstständigkeit des Saarlandes erreichen. Die Saarländer hatte das damals nicht überzeugt und übrigens die Rheinland-Pfälzer auch nicht, der Wahlkampf ist ganz anders als erwartet ausgegangen. Im nachhinein ist es beachtlich, dass die französischen Nachbarn die adenauersche Meinung doch noch gewürdigt und sich der Volksmeinung gebeugt haben. Und insofern hat Adenauer einen wichtigen Beitrag geleistet, indem er nicht zB. deutschen Nationalismus auf sich zog, sondern indem die Franzosen akzeptieren mussten, dass die Bevölkerung des Saarlandes anders wollte.

Dieter J. Maier:

Sie hatten auch zu Helmut Kohl, der bis heute als der “politische Enkel” Konrad Adenauers bezeichnet wird, ein sehr herzliches und freundschaftliches Verhältnis. Wie würde Deutschland heute aussehen, hätte es die Ära Kohl nicht gegeben?

Prof. Bernhard Vogel:

Wahrscheinlich gäbe es auch heute noch kein wiedervereinigtes Deutschland und wir wären möglicherweise  immer noch am Anfang eines sehr langwierigen Prozesses. Was aber auch ebenso bedeutsam ist, ist die Tatsache, dass der mittlere Osten Europas ohne Kohl nicht zu einem Teil der europäischen Union geworden wäre. Kohls Verdienste für Deutschland stehen für mich außer Frage, aber seine Verdienste um die Einigung Europas sind diesen Verdiensten ebenbürtig.

Dieter J.Maier:

Welches Resüme ziehen Sie aus Ihrer langjährigen politschen Karriere?

Prof. Bernhard Vogel:

Wenn ich mich kurz fassen soll trotz der Länge des Weges, dann heißt meine Zusammenfassung: Es war mitunter schwierig und mühsam. Nach Thüringen als damals neuer Ministerpräsident zu gehen war für mich ein großes Abenteuer, aber alles in allem – es hat sich gelohnt. Ich möchte mit diesen Worten vor allem jungen Leuten Mut machen sich zu engagieren, schon um zu zeigen, dass sie es besser machen können, als diejenigen die sie kritisieren.

Dieter J. Maier:

Wie sehen Sie die Zukunft Deutschland, gerade im Hinblick auf die aktuelle Euro-und Europakrise?

Prof. Bernhard Vogel:

Also, wir haben gegenwärtig eine ganze Menge Schwierigkeiten und Probleme, besonders in der Glaubwürdigkeit der Wirtschaft und in der Glaubwürdigkeit der Parteien. Aber gerade wenn ich zurückblicke und sehe was alles in der Vergangenheit an Schwierigkeiten auf unserem Weg lag, gibt es für mich keinen Zweifel, dass Deutschland als ein wesentliches Mitglied der europäischen Union und als eine starke Wirtschaftsmacht eine gute Zukunft haben wird. Vor allem aber bei allen Problemen spricht vieles dafür, dass auch die heutige junge Generation in Frieden ihr Leben leben kann.

Dieter J. Maier:

Herr Prof. Vogel, vielen Dank für das Gespräch.

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