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"Schauspielerei beinhaltet für mich eine intensive Auseinandersetzung mit der darzustellenden Figur"

Interview mit Weltstar Jürgen Prochnow

26. Januar 2012

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Seit über drei Jahrzehnten ist Jürgen Prochnow einer der wenigen deutschen Schauspieler, die in den USA  richtig Fuß fassen konnten, auch wenn seine Rollen häufig auf  die des verschlagenen Bösewichts beschränkt sind. 1981 gelang ihm mit dem Kino-Erfolg ” Das Boot”  der internationale Durchbruch, auch, oder gerade weil ihm Regisseur Wolfgang Petersen die Rolle des strengen, aber menschlichen U-Boot-Kapitäns auf den Leib schrieb. „Ich hatte großes Glück, die Hauptrolle in einem Film zu spielen, der unglaubliches Aufsehen in Amerika erregte“, bekannte Prochnow später zu Recht, denn seit dem Welterfolg des Films ist er auch in Hollywood einer der gefragtesten Charakterdarsteller. In einem exklusiven Interview sprach Jürgen Prochnow mit Saar Report u.a. über seine beruflichen Anfänge und den Grund, warum es ihn heute wieder auf deutsche Theaterbühnen zurückzieht:

Dieter J. Maier.

Herr Prochnow, Sie haben es als einer der wenigen  deutschen Schauspielern  zu einer konstanten Karriere in Hollywood gebracht. Fühlen sie sich mittlerweiler eher als Amerikaner, oder als Deutscher?

Jürgen Prochnow:

Ich habe neben meiner deutschen Staatszugehörigkeit, seit  2003 auch amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen, trotzdem bin ich mit dem Herzen immer Deutscher geblieben. Ich habe weit über die Häfte meines Lebens in Deutschland verbracht und bin bis heute mit vielen Freunden hier immer noch in sehr engem Kontakt. Aber ich lebe auch sehr gerne in Amerika. Gerade wenn man wie ich seit vielen Jahren mit Filmen zu tun hat, bietet sich das natürlich an und ich muss auch zugeben, dass ich  erst durch Hollywood zum reinen Filmschauspieler geworden bin.  Ich habe mich von Anfang an den neuen  beruflichen Herausforderung mit großem Ehrgeiz gestellt und meine ersten beiden Filme in Amerika mit großartigen Regisseuren wie Michael Mann und David Lynch gedreht. Dies war natürlich eine Chance, auf die andere ihr ganzes Leben lang warten. Für mich war dieser Anfang ein ungeheueres Glück, für dass ich sehr dankbar bin und  daran hat sich bis heute nichts geändert.

Dieter J. Maier:

Sie sind mit der Theaterproduktion “Der Seefahrer” , nach der Vorlage des irische Autors und Regisseurs Conor McPherson, zur Zeit auf deutschen Bühnen zu sehen. Was reizt Sie persönlich an dieser Geschichte, die zumindest vom Namen her an Ihren Welterfolg “Das Boot” erinnert…

Jürgen Prochnow:

Das Publikum vermutet natürlich bei diesem Titel, dass ich als Kapitän in Uniform auf die Bühne  komme. “Der Seefahrer” ist allerdings eine Metapher und hat im eigentlichen Sinne nichts mit der  Seefahrt zu tun. Es ist eher die dunklere Geschichte eines Mannes, der um sein Leben und seine  Erinnerung ringt:

In einem heruntergekommenen Haus an der irischen Küste versammelt sich eine  seltsame Männergruppe zum Pokerspiel. Zu dieser feuchtfröhlichen Runde gehören Sharky, er früher als Fischer und Fahrer gearbeitet hat, Ivan, ein alter Freund des Hauses, und Nicky, mit dem  Sharky noch eine Rechnung offen hat. Diesem Sharky, den ich in diesem Stück spiele,  wird seine Seele vom Teufel eingefordert , dem er sie vor 25 Jahren versprochen hat, um aus dem Gefängnis rauszukommen. Ich bin von dieser Figur sehr fasziniert, weil sie mich wegen ihres menschlichen Scheiterns unheimlich  interessiert hat. Sharky versucht aus seiner selbstgewählten Situation auszubrechen, aber er schafft es einfach nicht und wird so im Laufe des Stücks immer mehr zum Verlierer seines eigenen Schicksals.

Dieter J. Maier:

Aus welchem Grund zieht es Sie heute von den großen Filmsets in Hollywoods wieder auf deutsche Theaterbühnen zurück?

Jürgen Prochnow:

Ich hatte immer wieder das Bedürfnis, von Zeit zu Zeit Theater zu spielen, vor allem auch, weil ich in den letzten dreißig Jahren hauptsächlich Filme gedreht habe. Meine künstlerischen Wurzeln beginnen beim Theater, gerade  weil ich bereits während meiner Schulzeit in Laienspielgruppen mitspielte. Auf Wunsch meiner Eltern begann ich  zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Nebenbei betätigte ich mich als Statist am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Nach Abschluss meiner Lehre absolvierte ich drei Jahre lange ein Schauspielstudium an der Folkwanghochschule, nachdem ich als einer der wenigen von ca. 500 Bewerber nach der Aufnahmeprüfung angenommen wurde. Nach meinem Studium  erhielt mein erstes Engagement an den Städtischen Bühnen Osnabrück. Weitere Engagements führten mich ans Theater Aachen und an das Theater der Stadt Heidelberg. In den folgenden Jahren arbeitete ich als freischaffender Künstler  und nahm auch Gastengagements an verschiedenen Bühnen, unter anderem am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Düsseldorfer Schauspielhaus, wahr.

Ich bin, wenn ich heute an diese Zeit zurückdenke, noch sehr stolz darauf, mich durch eigene Leistung durchgesetzt zu haben, aber ich glaube, wenn ich die Aufnahmeprüfung an der Folkwanghochschule damals nicht bestanden hätte, wäre der Beruf des Schauspielers für mich nicht mehr in Frage gekommen.

Dieter J. Maier:

Ihr internationaler Durchbruch gelag Ihnen 1981 unter der Regie von Wolfgang Petersen mit der Verfilmung ” Das Boot”, nach der Romanvorlage von Lothar-Günter Buchheim, der hier seine persönlichen Erlebnisse als Kriegsberichterstatter auf verschiedenen U-Booten literarisch verarbeitete. In wie weit hat der generations- übergreifende Erfolg dieses Films und dessen Geschichte die deutsche und auch internationale Filmlandschaft  bis heute nachhaltig geprägt und beeinflusst?

Jürgen Prochnow:

Der Film spielt im zweiten Weltkrieg, genauer gesagt im Jahr 1941, als deutsche U-Boote die Aufgabe übernahmen,  im Atlantik sogenannte feindliche Handelsschiffe zu vesenken, die England damals mit kriegswichtigen Gütern versorgten. Dieser Kampf wurde aber immer härter, weil diese Schiffe effektiv von Zerstörern geschützt werden mussten. Soweit die Geschichte.

Was nun den großen Erfolg  von ” Das Boot” betrifft,  so hat selten zuvor ein deutscher Film für soviel internationale Beachtung gesorgt, obwohl die anfänglichen Schwierigkeiten nicht unerheblich waren. Die Dreharbeiten begannen, nachdem bereits zwei Anläufe von amerikanischen Produktionsfirmen vorgenommen wurden, bei denen u.a. Paul Newmann  und später auch Robert Redford die Hauptrolle des Kapitäns übernehmen sollten. Mit beiden Produktionsvorschlägen war Lothar- Günter Buchheim inhaltlich allerdings überhaupt nicht einverstanden, weil seiner Meinung nach aus seiner Romanvorlage hier ein typischer amerikanischer Kriegs-und Actionfilm entstehen sollte. Ebenso gingen die Produktionskosten mit mehreren Millionen D-Mark weit über das ursprünglich eingeplanten Buget hinaus, obwohl zu diesem Zeitpunkt immer noch kein Film vorhanden war, um diese Kosten wieder einzuspielen.

Die Bavaria-Filmstudios kamen dann allerdings auf die Idee, diesen Stoff mit Wolfgang Petersen zu verfilmen, was auch von Buchheim akzeptiert wurde. Petersen hielt sich bei den Dreharbeiten auch minutiös an die Romanvorlage, die für mich persönlich grandios die Absurdität dieses sinnlosen Krieges darstellt und auch den Menschen, die mit für diesen Wahnsinn gestorben sind, ein zeitloses Denkmal setzt.

Dieter J. Maier:

Wie haben Sie die Dreharbeiten damals persönlich erlebt?

Jürgen Prochnow:

Als ich das Angebot bekam, die Hauptrolle in “Das Boot” zu spielen, hatten sich die Produktionbedingungen in den Bavaria-Filmstudios kurzfristig verändert.
Es kamen neuen Produzenten,  die mich für die Rolle des Kapitäns  völlig ungeeignet hielten. Als mich  Wolfgang Petersen anrief und mir sagte, dass diese Rolle für mich nun doch nicht in Frage käme, war das schon ein harter Schlag für mich, obwohl er mir versicherte, dass ich für ihn von Anfang an die richtige Besetzung gewesen bin. Allerdings  konnte er sich zu diesem Zeitpunkt leider nicht gegen die übrigen Produzenten durchsetzen.

Nach einem Jahr meldete sich Petersen völlig überraschend wieder bei mir und fragte mich, ob ich mir  vorstellen könnte, die Rolle doch noch übernehmen. Allerdings mussten wir vorher , um auch die letzten Zweifler zu überzeugen, noch Probeaufnahmen in den Studios machen.  Wolfgang Petersen konnte hier in seiner Regiearbeit zeigen, was er – mit  großem Aufwand – auf  die Kinoleinwand zaubern konnte. Das Ergebnis wirkte auch so authentisch und bedrohlich dicht, wie man es sich im Inneren eines U-Boots vorstellen vermag.  Zwar gab es im Endeffekt, trotz Oskar-Nominierungen keine Auszeichnung, aber das spielte danach weder für  Petersen, noch für mich eine entscheidende Rolle.

“Das Boot” öffnete Wolfgang und mir die Tür  nach Hollywood, denn in dem Moment, als der Film in den USA anlief, haben wir sofort Anrufe namhafter Filmagenturen bekommen, die uns  sehr interessante Filmangebote unterbreiteten. Ich bin mit Wolfgang Petersen zu diesem Zeitpunkt auch von der Ost- bis zur Westküste quer durchs Land gereist, wobei wir immer auf eine unglaubliche Begeisterung bei den Journalisten, mit denen wir geredet hatten, gestoßen sind.

Dieter J. Maier:

Sie haben danach mit Weltstars wie Marlon Brando, Madonna, Sylvester Stallone und Harrison Ford gedreht. Hat sich durch diese Zusammenarbeit auch Ihre eigene schauspielerische Sichtweise  nachhaltig verändert?

Jürgen Prochnow:

Man hat bei solchen Produktionen immer schauspielerische Vorlagen und Figuren, die man nach Drehbuch zu spielen hat. Da ich aber schon viele Jahre  in Deutschland vor allem als Theaterschauspieler tätig gewesen bin und später auch Filme gedreht habe, hat mich diese Zusammenarbeit künstlerisch überhaupt nicht beeinflusst. Schauspielerei beinhaltet für mich bis heute eine intensive Auseinandersetzung mit der darzustellenden Figur, was ein fundiertes Verständnis des gesamten Handlungszusammenhangs vorausetzt. Allerdings habe ich mich sehr darüber gefreut, u.a. mit Marlon Brando  vor der Kamera zu stehen. Brando war das Idol meiner Jugend und gilt bis heute zurecht als einer der bedeutendsten Charakterdarsteller der Filmgeschichte  des 20. Jahrhunderts.

Dieter J. Maier:

Vielen Dank für das Gespäch und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Theatertournee.

Quelle:
Dieter J. Maier

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