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"Ich habe immer versucht, mich von dem jeweiligen Trend abzuheben"

Interview mit Howard Carpendale

25. November 2011

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Seine „Spuren im Sand“ sind lang und ziehen sich schon über 40 Jahren, seit seinem musikalischen Durchbruch 1967, durch seine gesamte Karriere.  In Deutschland wurde Howard Carpendale mit dem Image des smarten Sonnyboys und seinem unverwechselbaren südafrikanischen Akzent, den er auch nach Jahrzehnten in der Bundesrepublik nicht ablegte, zum Frauenschwarm. In einem exklusiven Interview mit Saar Report sprach der Schlagerstar u.a. über sein Leben abseits der Bühne und gab einen Einblick auf die Höhepunkte der neuen Show, mit der er auch am 26. November 2011 in der Saarbrücker Saarlandhalle seine Fans begeistern wird.

Dieter J. Maier:

Welche Erinnerungen begleiten Sie bis heute, wenn Sie auf Ihre lange Karriere zurückblicken?

Howard Carpendale:

Da gibt es unendlich viele Erinnerungen, die bis heute mein Leben begleiten. Besonders prägend war für mich, dass ich mich nie auf eine musikalische Richtung festgelegen ließ und mich ständig weiter entwickeln wollte. Ich habe immer versucht, mich von dem jeweiligen Trend abzuheben, auch in den Zeiten, wo die Schlager der 70er Jahre nicht mehr so gefragt waren. Als z.B. die ” Neue Deutsche Welle” aufkam, hatte man mit ernsthaften deutschen Lied kaum eine Chance, in den Hitparaden aufzusteigen. Ich habe es mir persönlich wirklich nicht leicht gemacht, mich immer wieder gegen den jeweiligen musikalischen Strom durchzusetzen, aber  ich hatte  zum Glück von meiner Familie hier sehr viel Verständnis und Hilfe erfahren. Auch meine Eltern haben mich immer sehr unterstützt und mir am Anfang meiner Karriere viele  Freiheiten gegeben.

Dieter J. Maier:

Sie wurden kürzlich in der RTL-Chart-Show auf Platz vier der Künstler mit den meisten Hits gewählt, zwischen Madonna und Peter Alexander. Gab es in Ihrem Leben , trotz aller Erfolge, auch Zeiten, wo Sie Ihrer Karriere in Frage stellten?

Howard Carpende:

Im Leben gehen sicher gewisse Erfahrungen nicht spurlos an einem vorbei und jeder Erfolg hat auch seinen Preis. Aber ich habe immer aus meiner inneren Einstellung heraus viel Kraft geschöpft, da ich ein Mensch bin, der sehr in sich ruht. Ich wurde oft genug in meinem Leben geprüft, trotzdem habe ich mir immer Zeit genommen, Schwierigkeiten anzugehen und nicht gleich in Panik zu verfallen. Man darf die Dinge nicht immer zu ernst nehmen und  muss sie mit einer gewissen Lässigkeit angehen. Ich erinnere mich hier sehr gut an das Jahr 1974. Ich belegte zu dieser Zeit in der Hitparade nicht gerade die ersten Plätze und war auf der Suche nach einem neuen Hit. Ich flog also kurzerhand nach London zu einem mir bekannten Musikproduzenten, ohne zu ahnen, dass bald eine entscheidende Wende in meinem Leben eintreten sollte. Als wir uns einige Titel angehört hatten, sagte er zu mir: ” Ich glaube, sie gefallen dir nicht, aber ich habe hier schon einige Zeit einen Song in der Schublade, den ich dir gerne noch vorspielen würde”.  Schon nach den ersten Takten war ich von diesem Titel so begeistert, dass ich ihn sofort nach meiner Rückkehr mit einem deutschen Text von Fred Jay aufgenommen habe. Und dass war der Anfang von  ” Deine Spuren im Sand”.

Dieter J. Maier:

Welche Gestaltungsmöglichkeiten sehen Sie heute für junge Musiker, gerade im Hinblick auf die permanenten Veränderungen im deutschen Musikgeschäft ?

Howard Carpendale:

Im Vergleich zu früher gibt es heute nicht mehr so viele Möglichkeiten, seinen eigenen musikalischen Weg zu gehen, da das Musikgeschäft in den letzten 30 Jahren viel härter geworden ist. Ich kann mich hier sehr gut in junge Musiker hineinversetzen, die anfangen die Bühne zu erobern, denn auch für mich ist die Musik und die Bühne nach wie vor mein Leben und ich habe nie angefangen darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn meine Karriere einmal zu Ende sein würde. Ich bin über die Jahre sehr gereift und deshalb kann ich es auch nicht verstehen, dass ich jetzt mit fast 66 Jahren immer nur von Liebe singen muss. Von daher habe ich auch nie vor politischen Themen haltgemacht, gerade weil ich auch in Amerika lebe und weiß, wie wichtig es ist, glaubhaft zu sein und seine Meinung gegen Widerstände zu vertreten. Ich kann von mir sagen, dass ich in meinem Leben nichts bereue, denn ich hatte das großes Glück, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen, obwohl ich auch einen ganz anderen Weg hätte einschlagen können. Das Leben läuft immer anders, als man es erwartet, aber ich denke, dass ich mit meiner Musik etwas geschaffen habe, das bleiben wird.

Dieter J. Maier:

Sie haben sich 2003 mit einer großen Tournee von der Bühne verabschiedet. Gab es dafür besondere private oder berufliche Gründe?

Howard Carpendale:

Ich hatte damals einfach das Gefühl, dass ich viele Dinge schon gemacht hatte und  wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie ich in meinem Beruf weitermachen sollte, ohne mich ständig zu wiederholen. Ich hatte allerdings später gemerkt, dass ich viele musikalische Richtungen noch nicht wirklich ausprobierte  und wollte einfach wieder etwas Neues beginnen. Am meisten habe ich aber die Bühne und mein Publikum vermisst und möchte jetzt auf meiner neuen Tournee wieder mehr von meinen großen Erfolgen singen, weil ich merke, dass das Publikum doch eine starke Sehnsucht nach Nostalgie verspürt. Zur Authensität gehört die Wahrheit und deshalb gebe ich jeden Abend alles. Seltsamerweise denkt man immer, dass  ein Sänger nur auf Tournee geht, um seine Platten zu promoten. Dieser Gedanke ist vollkommen falsch, denn ein Künstler ist ein Live Performer, der Platten macht, um seine Tournee zu unterstützen.

Dieter J. Maier:

Wie sehen Sie die Zukunft der deutschen und internationalen Musikindustrie?

Howard Charpendale:

Die Musikindustrie befindet sich momentan in ganz großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, da viele Plattenfirmen, die  noch vor Jahren gut  im Geschäft waren, dem steigenden Druck nicht mehr gewachsen sind und in Konkurs gehen.  Sogar das bekannte Tonträgergeschäft von EMI wurde kürzlich  für 1,9 Milliarden Dollar an den französischen Vivendi-Konzern veräußert, dessen Musiksparte Universal bereits heute Weltmarktführer im seit Jahren kriselnden Plattengeschäft ist. Von daher bin ich selbst ratlos über den Verlauf dieser Entwicklung, weil niemand sagen kann, ob sich der Musikmarkt in den nächsten fünf Jahren wieder erholen wird. Die Plattenindustrie geht also spannenden Zeiten entgegen, die sicher nicht von positiven Ereignissen geprägt sein wird und ich bin persönlich sehr froh darüber, dass ich meine Karriere nicht mehr heute beginnen muss.

Dieter J. Maier:

Welche künstlerischen Projekte möchten Sie in nächster Zukunft auch außerhalb der großen Showbühnen noch verwirklichen?

Howard Charpendale:

Ich habe vor kurzem zusammen mit meinem Sohn Wayn unseren ersten gemeinsamen TV-Film „Lebe dein Leben“ gedreht, der am 24.Februar 2012 ausgestrahlt wird. Die Dreharbeiten haben mir großen Spass gemacht und das nicht nur, weil ich mit Wayn zusammengearbeitet habe.  Die Schauspielerei hat mich immer schon sehr fasziniert, gerade weil man von Schauspielern für gewöhnlich verlangt , dass sie sich möglichst nahtlos in ihrer Rolle einfügen und darin aufgehen. Handlungsweise, Motivation und innere Verfassung der Rollenfigur sollen glaubwürdig dargestellt werden, und somit die Illusion hervorbringen, die verkörperte Person sei tatsächlich anwesend. Die Schauspielerei ist daher oft mit hohen mentalen, intellektuellen und körperlichen Anforderungen verbunden. Daneben unterstütze ich noch einige Wohltätigkeitsprojekte und mache natürlich weiterhin meine Tourneen und Fernsehauftritte.

Dieter J. Maier:

Herr Carpendale, ich bedanke mich sehr für dieses Gespräch und wünsche Ihnen besonders für Ihr Konzert in Saarbrücken alles erdenklich Gute.

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