Home > Interviews, Celebrity-Reports & Film-Specials, Landespolitik & Filmreports, Politik, Regionen, Saarland > Klaus Wowereit – Wahlkampfunterstützung für Charlotte Britz in Saarbrücken

"Die SPD ist nicht auf Ratschläge von Außen angewiesen"

Klaus Wowereit – Wahlkampfunterstützung für Charlotte Britz in Saarbrücken

12. Oktober 2011

landespolitik-024Kurz vor Beginn der Koalitionsverhandlungen mit der CDU ist Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nach Saarbrücken gereist, um Oberbürgermeisterin Charlotte Britz im Wahlkampf zu unterstützen. Der in der breiten Öffentlichkeit als lockeren Repräsentanten der weltoffenen Bundeshauptstadt bekannte SPD-Politiker, wurde gerade in letzter Zeit oft als zu lustlos,uninspiriert und herablassend in seinen Amtsgeschäften kritisiert. In einem Interview stellte sich Klaus Wowereit nach seiner Wahlkampfrede für  Charlotte Britz, den Fragen von Saar Report.

Dieter J. Maier:

Aus welchen Gründen engagieren Sie sich als einer der populärsten SPD-Politiker für Oberbürgermeisterin Charlotte Britz  und ihren Wahlkampf in Saarbrücken?

Klaus Wowereit:

Ich schätze Charlotte Britz  als eine fähige Politikerin und aus diesem Grund habe ich auch ihre Einladung zum Wahlkampf in Saarbrücken gerne angenommen. Ich fand es von ihr wunderbar, dass sie mich schon bei meinem letzten Besuch als “unser regierender Oberbürgermeister” begrüßte. Meiner Meinung nach ist das auch richtig, denn Berlin ist nicht nur die Hauptstadt der Berliner, sondern auch aller Bürgerinnen und Bürger des Saarlandes und der gesamten Bundesrepublik. Im Saarbrücken gibt es allerdings zur Zeit einen wichtigen Termin und das ist die anstehende Oberbürgermeisterwahl, bei der hoffentlich Charlotte Britz als zukunftsfähige Kanidatin wiedergewählt wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass gerade jetzt die Wählerinnen und Wähler die Möglichkeit haben, die Zukunft unseres Landes und ihrer Stadt zu entscheiden. Wer allerdings behauptet, dass alles bildlich gesprochen “eine Soße” ist, was man wählt, dem kann ich nur entschieden widersprechen. Man kann und soll sich vorher gewissenhaft über die einzelnen Parteien informieren und dann erst seine Stimme abgeben.

Dieter J. Maier:

Hat sich die Saar-SPD in der jüngsten Vergangenheit mit ihrem parteipolitischen Programm nicht auch selbst in Frage gestellt ?

Klaus Wowereit:

Die SPD im Saarland ist  sicher nicht auf Ratschläge von Außen angewiesen, sondern sie kämpft selbst darum, wieder die stärkste Kraft im Saarland  zu werden. Die SPD hat in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, dass sie für eine Politik der sozialen Gerechtigkeit steht und, um diese Grundsätze auch umsetzen zu können, ist es notwendig, dass die SPD  auch in Saarbrücken weiterhin eine deutlich starke politische Zustimmung erhält. Die rot-rote Regierung hat z.B. in Deutschland insgesamt in den vergangenen fünf Jahren 860 Millionen Euro mehr für Bildung ausgegeben und die Situation an den Schulen, auch die bauliche, hat sich deutlich verbessert. Aber es gibt natürlich immer noch Investitionsbedarf. Bildung wird auch in der nächsten Wahlperiode deshalb einer der roten Schwerpunkte bleiben.

Dieter J. Maier:

Hat aus Ihrer Sicht in Berlin die rot-rote Koalition in den vergangenen Jahren gut zusammengearbeitet?

Klaus Wowereit:

Koalitionen sind Bündnisse auf Zeit. Auch vor der vergangenen Wahl hatten wir uns offen gelassen, ob wir mit den Grünen koalieren oder wieder mit der Linkspartei. Wir haben tatsächlich gut mit der Linkspartei zusammen gearbeitet, deshalb kann ich mir eine Fortsetzung auch vorstellen. Aber selbstverständlich ist programmatisch auch Rot-Grün denkbar – immer unter der Voraussetzung, dass man sich bei wichtigen Fragen auch einig wird.

Dieter J. Maier:

Wie sehen Sie generell die unterschiedlichen  Wahlkampfprogramme der einzelnen Parteien in Deutschland und gibt es für Sie auf Grund der neuen Wahlprogramm-Inhalte Ihrer Partei  eine positive Trendwende für die nächsten Wahlen ?

Klaus Wowereit:

Ich glaube persönlich, dass es erhebliche Unterschiede in den einzelnen Wahlkampfprogrammen der aufgestellten Parteien gibt und man ist durchaus selbst mit verantwortlich, welche Landes- oder Bundesregierung am Ende unser Land regieren wird. Die politische Arbeit von Charlotte Britz steht für eine solidarische Regierungsform, in der keiner am Rande stehen bleibt. Das Thema soziale Gerechtigkeit ist kein sozialpolitisches Thema, sondern ein Maßstab, der sich wie ein roter Faden durch die Programmatik des SPD-Regierungsprogramms  zieht. Technologie und Toleranz sind wichtige Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Erneuerung im Saarland und in der gesamten Bundesrepublik. Dieses Thema geht uns alle an, denn Wahlkampf und Politik von heute wird nicht mehr so gehandhabt, wie vor der großen, internationalen Weltwirtschaftskrise. Ich glaube, dass die Auswirkungen, besonders der Staatsverschuldung in Griechenland, heute bei den meisten Menschen nicht wirklich angekommen sind, obwohl keiner  heute sagen kann, wie es schon in einem Jahr auch bei uns aussehen wird und ob wir es uns überhaupt leisten können, diese Krise als temporär abzustempeln. Ich bin diesbezüglich der festen Überzeugung, wenn diese Krise eine Chance für unsere Zukunft sein soll, dann müssen handfeste Veränderungen auch in unserem Land eintreten, die die Zukunft unseres Landes zu Folge haben wird.

Dieter J.Maier:

Herr Wowereit, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle, Film-und Fotoaufnahmen:

Dieter J. Maier

Foto zum Vergrößern anklicken

Film hier anklicken:

Klaus Wowereit-Wahlkampfunterstützung für Charlotte Britz in Saarbrücken

Druckansicht
Kommentare sind geschlossen