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"Unsere Gäste suchen das vollkommene Ensemble"

Interview mit Dr. Karl Graf von und zu Eltz

6. August 2011
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Foto: Dieter J. Maier (klicken zum Vergrößern)

Die Burg Eltz bei Wierschen in Rheinland-Pfalz gilt als eine der schönsten Burgen Deutschlands. Gemeinsam mit dem Schloss Bürrenheim ist die Burg Eltz die einzige Anlage in der Eifel, die niemals erobert oder verwüstet wurde und auch die gesellschaftlichen Umbrüche der französischen Revolution unversehrt überstehen konnte. Seit nunmehr 800 Jahren befindet sich die Burg im Besitz der Familie Eltz. Der jetzige Eigentümer, Dr. Karl Graf von und zu Eltz, hat die Aufgabe übernommen, Burg Eltz für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ihre Substanz zu sichern und an die 34. Generation weiterzugeben. In einem exklusiven Interview sprach Dr. Graf von und zu Eltz mit Saar Report u.a. über die Geschichte und die wirtschaftlichen Herausforderungen seines traditionsreichen Familienbesitzes.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Graf zu Eltz, inwiefern bilden für Sie Geschichte, Kultur und Wirtschaftlichkeit in Ihrer Familie eine Einheit?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Familiengeschichte und Wirtschaftlichkeit sind für mich eine Einheit. Burg Eltz war und ist immer eine wirtschaftliche Herausforderung gewesen, da Ausbau und Sicherung dieses Schutz- und Repräsentationsbaus die normalen Einkünfte des Eltzer Gutes durchwegs stark strapazierten. Die Mittel mussten also von außen kommen. Daher wurden Söhne zwar ausgezeichnet ausgebildet, dann aber in die Fremde geschickt, auf dass diese dort ihr Glück machen konnten. Als familiäre Gegenleistung wurde dann erwartet, dass diese zur Erhaltung der Burg nach ihren Möglichkeiten beitrugen. Das galt übrigens auch, wenn diese in der Kirche Karriere machten, was sehr oft geschah. Natürlich betätigten sich die Eltzer auch als Mäzene der Kunst, das war Standespflicht, das tat man, insbesondere im Rahmen der Kirche, und das war dann den Karrieren auch durchaus förderlich. Dieser Dreiklang aus Kultur, Familie und Wirtschaftlichkeit bilden somit für uns eine im Laufe unserer Geschichte durchaus erfolgreiche Kombination.

Dieter J. Maier:

Burg Eltz gilt als eine der schönsten Tourismussziele in Deutschland. Werden Teile der Burg heute noch privat genutzt?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Während die Platt-Eltz und die Kempenicher Häuser auf Burg Eltz durch die Kastellanei oder von der Familie privat genutzt werden, sind große Teile des Rübenacher Hauses und der Rodendorfer Häuser heute der Öffentlichkeit zugänglich. Man kann sie auf geführten Rundgängen kennen lernen und vielfältige Einblicke in das Leben auf Burg Eltz gewinnen. So erhält man einen unvergesslichen Eindruck von der ritterlichen Lebensart und Wohnkultur. Alle Möbel und Kunstwerke in den Innenräumen der Burg stammen aus dem Besitz meiner Familie, und manches ist schon über 800 Jahre in unserem Besitz. Bei der Führung besichtigt man die Wohnräume, sieht Eltzer Mobiliar, Teppiche, Gemälde und auch Waffen. Viele andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs, wie Tischdekorationen, Porzellan, Schmuck, Tischuhren, Besteck, Münzen oder Kerzenleuchter, aber auch Jagdwaffen und Erinnerungsstücke aus dem Privateigentum der großen Eltzer Kurfürsten werden in der Rüst- und Schatzkammer vier Stockwerke tief im Rübenacher Keller ausgestellt

Dieter J. Maier:

Ihre Familie hat auf Burg Eltz im Laufe von hunderten von Jahren auch eine sehr wertvolle und seltene Kunstsammlung zusammengetragen. Wurden diese Kunstgegenstände von Ihren Familienmitgliedern angekauft oder beinhaltet diese Sammlung auch Gastgeschenke von anderen Adelshäusern?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Der große Teil der auf Burg Eltz verbliebenen Einrichtung wurden durch die Familie erworben oder kam durch die Mitgifte der Frauen in unseren Besitz. Es ist durchaus möglich, aber nicht nachweisbar, dass sich noch Gastgeschenke anderer Adelshäusern in der Burg befinden.

Zwei Geschenke Dritter sind belegt und zieren heute die Schatzkammer: Das Uhrenpektorale, das Papst Sixtus V in der Mitte des 16. Jahrhunderts unserem Trierer Kurfürsten Johann Jakob zu Eltz schenkte  und die große Silberstatue des Heiligen Johannes von Nepumuk, die der letzte Freiherr Faust von Stromberg seinem Schwiegersohn Anselm Casimir zu Eltz gegen 1750 vermachte. Außerdem brachte er meinen Vorfahren dazu, seinen Namen anzunehmen, so dass seit wir seit jenem Zeitpunkt auf den recht komplizierten Namen „Graf/Gräfin und Edle(r) Herr/Herrin von und zu Eltz genannt Faust/Faustin von Stromberg“ hören. Im Paß lautet dies zum Glück kurz und bündig Graf und Gräfin zu Eltz

Die Madonna mit der Weintraube von Lucas Cranach d. Ä. wurde vermutlich bereits gegen 1540 vom Künstler selber erworben, die Ahnenbilder hängen ihrem Entstehen in der Burg. Andere Bilder und Tapisserien wurden insbesondere im 18. Jahrhundert, der großen Sammlerzeit der Familie, erworben.

Die Schatzkammer enthält neben einigen frühen und seltenen Kriegswaffen Objekte des gehobenen täglichen Gebrauchs der Familienmitglieder. Hierzu gehören die prunkvollen Jagdwaffen und private Gebrauchsgegenstände des Mainzer Kurfürsten Philipp Carl zu Eltz aus dem frühen 18. Jahrhundert, weiterhin Porzellan der Höchster Porzellanmanufaktur, mit der die Familie Eltz eng verbunden war.

Ein Raum zeigt nur die Erinnerungsstücke an unsere Zeit und unseren großen Besitz in Vukovar, Kroatien, die unteren zwei Stockwerke Gold- und Silberschmiede­arbeiten aus acht Jahrhunderten. Sie wurden für festliche Anlässe gebraucht und blieben mit sehr viel Glück in der Familie blieben. Vieles kam in die Familie, vieles ging auch wieder weg, durch Kriege und insbesondere an die jüngeren Kinder und deren Ausstattung.

Dieter J. Maier:

Die Familie Eltz stammt von der Mosel, ihre wichtigsten Vertreter waren Kurfürsten, Bischöfe und Äbte in den Kurfürstentümern Trier und Mainz. Dennoch haben Ihre Vorfahren über 200 Jahre ganz oder teilweise in Kroatien gelebt. Wie kam das?

Dr. Karl Graf zu Eltz:

Unser Maizer Kurfürst Phillip Karl, der gleichzeitig Reichserzkanzler, also der erste Würdenträger des Reiches nach dem Kaiser war, setzte durch, dass Maria Theresia nach dem Tode ihres Vater Kaiser Karl VI die habsburgischen Erblande auch als Frau erben durfte, was nach dem damals sogenannten salischen Recht nicht vorgesehen war. Dafür erwies sich ihr Vater, der Kaiser, als dankbar und gab uns die Möglichkeit, einen riesigen Besitz von über 60.000 ha Land in und um Vukovar in Kroatien mit damals 33.000 Leibeigenen für einen äußerst moderaten Preis zu erwerben.

Der Besitz war zwar groß, aber zunächst wenig ertragreich, denn erstens gab es noch Über­griffe der Türken und anderer marodierender Truppen, insbesondere aber nahmen meine Vorfahren ihre Pflichten gegenüber den ihnen anvertrauten Menschen ernst. Außerdem fehlte es an Transportmöglichkeiten, um den Eltzer Weizen und Mais in die Ballungs­gebiete um Wien, Prag oder Budapest zu bringen. Das änderte sich erst nach Ende der Leib­eigen­schaft im Jahre 1848 und dem Bau der Eisenbahn um 1860. Danach erst wurde dieses Gut, das auf über 100 m mächtiger Schwarzerde saß, ertragreich, und erst dann zog mein Ururgroßvater aus Eltville und Burg Eltz dauerhaft an die Donau. Er, seine Familie und seine Nachkommen lebten bis zur Vertreibung 1944 in Slawonien, wie dieser Teil Kroatiens heißt. Auf Burg Eltz verbrachte man damals einmal im Jahr einen Monat im Sommer.

Dieter J. Maier:

Welche Rolle spielt für ihre Familie die verwandtschhaftliche Beziehung zu den Grafen von der Leyen aus Blieskastel?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Unsere Familie hat sich vom 12. bis ins 18. Jahrhundert mehrfach mit der zunächst freiherrlichen, dann gräflichen und zuletzt fürstlichen Familie von der Leyen familiär verbunden. Das lag nahe, denn erstens gehörten sie wie wir dem trierischen ritterbürtigen Adel an, außerdem befand sich ihr Stammsitz in Kobern-Gondorf , nur wenige Kilometer moselabwärts von der Burg Eltz. Man kannte sich praktisch vom Sandkasten her, war in gemeinsamen Gremien im engsten Umfeld der Kurfürsten von Trier und zog auch gemeinsam in den Krieg, wenn es denn sein mußte.

Mitte des 16. Jahrhunderts erwarb mein Haus das Amt Blieskastel, und es blieb für mehr als ein Jahrhundert Eltzisch. Es florierte bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts sehr, wie die Abrechnungen in unserem Archiv belegen. Im 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648 litt das Blieskasteler Land dann aber besonders stark unter den Plünderungen und Zerstörungen. Es lag völlig danieder, war praktisch ohne Bevölkerung und für uns allemal ohne Einkünfte. Daher sahen wir uns gezwungen, diese Herrschaft 1665 an das Haus von der Leyens zu verkaufen, die dank ihres Onkels, des bedeutenden Kurfürsten Karl Kaspar von Trier, auch über die notwendigen Mittel verfügten. Damit endete die unmittelbare Präsenz der Eltzer im heutigen Saarland.

Dieter J. Maier:

Wie sah die Heiratsstrategie des Adels aus?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Adelige Heiraten kamen auch schon im Mittelalter gelegentlich aus Zuneigung zustande, häufiger war es aber, dass Ehen arrangiert wurden. Dahinter standen dynastische, finanzielle und Sicherheitsüberlegungen. Man heiratete etwa in der frühen Zeit gerne “wohlbeburgte” Nachbarn, mit denen man sich dann sowohl familiär als auch politisch organisieren konnte. So waren die Familien, die sich uns im Jahre 1331 der sogenannten Eltzer Fehde gegen Kurfürst Balduin anschlossen, familiär eng verbunden. Nota bene: Es half nur leider nichts, denn Balduin, der größte aller Kurfürsten, Bruder Kaiser Heinrichs VII und König Johann von Böhmen war einfach ein zu mächtiger Gegner, selbst für die gut alliierten Eltzer.

Man mußte sich übrigens vom 11. bis 13. Jahrhundert schon genau überlegen, wen man heiratete, denn eine Heirat eines Hochadeligen mit einer Frau aus dem niederen Adels führte in der Regel dazu, dass deren Kinder dann dem niederen Adel zugerechnet wurden. Bis heute gibt es noch in einigen adeligen Familien Hausregeln, die vorschreiben, wen man heiraten darf und wen nicht, und die Fehlverhalten sanktionieren, und das sogar noch – unter dem Thema der Kontraktionsfreiheit des Erblassers – abgesegnet durch das Bundesverfassungsgericht. Die Eltzer haben so was nicht, und ob kodifizierte Regel in diesem Kontext noch zeitgemäß sind, darüber kann sich Jedermann gerne seinen eigenen Reim machen. Natürlich spricht nichts dagegen, dass auch weiterhin innerhalb des eigenen Standes geheiratet wird.

Dieter J. Maier:

Ihr Vater Jakob Graf von Eltz spielt in Ihrer Familiengeschichte ebenfalls eine wichtige Rolle….

Dr. Karl Graf von Eltz:

Mein Vater übernahm als Familienchef in der 32. Generation die Eltzer Güter de jure mit dem frühen Tod seines Vaters im Alter von nur sieben Monaten im Jahre 1922, de facto nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1947. Er war studierter Landwirt und engagierter „Weinmann“. Die edelsüßen Rieslinge unseres inzwischen aufgegebenen Eltviller Weinguts genießen bei Experten immer noch einen legendären Ruf. Von 1964 bis 1976 war er Präsident des Rheingauer Weinbau­verbandes und langjähriger Dozent für Weinrecht und Weinwirtschaft an der Mainzer Gutenberg Universität.

Er war Mitgründer des Malteser Hilfsdienstes, dem er Jahrzehnte als Landesdelegierter von Hessen verbunden blieb, und war er ein sehr aktiver Malteserritter und diente diesem Ritterorden sechs Jahre als Mitglied des souveränen Rates, also der Regierung des Malteserordens, in Rom und danach zwei Jahrzehnte dessen ständiger Gesandter im Botschafterrang bei der Bundesregierung in Bonn.

Mein Vater, der auf dem Eltzischen Hauptbesitz Vukovar/Kroatien aufwuchs, wurde 1991 vom kroatischen Präsidenten ehrenhalber zum Vertreter der Republik Kroatien mit Sitz in Bonn, danach war er von 1992 bis 2000 Abgeordneter des kroatischen Parlaments und zunächst delegiertes, dann bis zu seinem Tode Ehrenmitglied des Europarats. Dass sein Enkel Karl Theodor Guttenberg mit nur 37 Jahren zum Bundeswirtschaftsminister ernannt wurde, und dass er dabei eine so gute Figur abgibt, hätte diesen altösterreichischen politischen Grandseigneur sicher mit großem Stolz erfüllt.

Dieter J. Maier:

Was ist für Sie persönlich das Besondere an Burg Eltz?

Dr. Karl Graf von Eltz:

Burg Eltz gilt heute zu Recht als die schönste, am besten erhaltene mittelalterliche Burg in Deutschland, die nicht nur eine weitgehend authentische Einrichtung mit vielen bedeutenden Kunst- und kunsthandwerklichen Zeugnissen aus acht Jahrhunderten vorweisen kann, sondern auch eine Rüst- und Schatzkammer von zumindest europäischem Rang. Weiterhin hat sie das einzigartige Privileg, in einer nach wie vor völlig intakten Naturlandschaft zu liegen. Da gibt es nichts, das ablenkt, das die vollendete Schönheit des Ortes stört, keine Autos, keine Hochspannungsmaste, keine Fabriken und keine Windräder. Wir bieten dem Gast nicht nur die Burg und Mittelalter pur, sondern auch den Eltzer Wald mit seinem besonderen Arboretum und mit dem neu eröffneten Traumpfad „Eltzer Burgpanorama“, der die wildromantische Naturlandschaft des Elztal und die sanfte Schönheit und Tiefe der Kulturlandschaft Maifeld auf sportlichen 12 KM auf das Schönste verbindet.

Was unsere Gäste suchen und was man selber auf Burg Eltz spannend findet, ändert sich im Verlauf der Jahre: In den 60er bis in die 90er Jahren wurde unsere Burg fast als ausschließlich (bau-) geschichtliches Phänomen begriffen, zwar als „Burg schlechthin (Dehio) geliebt und bewundert, aber doch isoliert als Bauwerk wahrgenommen. Heute suchen unsere Gäste das vollkommene Ensemble aus der Schönheit des Bauwerks und der sie umgebenden Natur und viele begreifen, dass sie das so vielleicht nur auf Burg Eltz finden können.

Nähere Informationen zu Burg Eltz finden Sie unter www.burgeltz.de

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text entspricht dem Wortlaut des Interviews.

Quelle:
Dieter J. Maier

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