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Podiumsdiskussion mit Bundesaußenminister a.D. Hans Dietrich Genscher

22. Juni 2011

genscher-007 Im vorletzten Jahrzehnt des zurückliegenden Jahrhunderts hatte sich die Welt radikal verändert und gab der Zeitgeschichte ein neues Gesicht. Diktaturen wurden von Demokratien ersetzt, der Eiserne Vorhang fiel und der Ost-West-Konflikt löste sich vollständig auf. Erreicht hatten dass die Deutschen in  der damaligen DDR, aber auch die Politiker, die zur rechten Zeit das Richtige veranlassten. Unter ihnen der “Architekt der Deutschen Einheit” – Hans-Dietrich Genscher.

Anlässlich einer Podiumsdiskussion im Festsaal der Mainzer Staatskanzlei würdigte Ministerpräsident Kurt Beck  die Leistungen Hans Dietrich Genschers und der ungarischen Politiker vor 22 Jahren. “Ihr Handeln bleibt in Deutschland unvergessen. Wir sind Ihnen, wir sind Ungarn zu großem Dank verpflichtet. Das möchten wir von ganzem Herzen ausdrücken”, sagte der Ministerpräsident zum Abschluss der Veranstaltungsreihe “Die Deutsche Einheit begann am Balaton – eine europäische Geschichte”. Zum Podiumsgespräch begrüßte Beck hierbei  den ehemaligen deutschen Bundesaußenminister  und den ehemaligen ungarische Ministerpräsidenten Miklós Németh, sowie als  Moderator den Historiker und Publizisten Prof. Dr. Guido Knopp.

genscher-004In beeindruckender Weise berichteten die beiden Zeitzeugen von den damaligen Ereignissen. Der frühere Außenminister äußerte mit Blick auf den Fall des “eisernen Vorhangs”: ” Der gemeinsame ‘Weg in die Zukunft gelang auf der Grundlage unseres Grundgesetzes durch die in freier Selbstbestimmung vollzogene Wiedervereinigung des Landes. Er soll auch weiterhin eine Zukunft aufzeigen, die geprägt ist von Achtung der unveräußerlichen Würde des Menschen. Diese Initialzündung hierzu ging vom ungarischen Ministerpräsidenten aus. Wir werden nie vergessen, was er für Deutschland getan hat.”

Németh berichtete unter anderem, dass er in dieser Zeit auch eine erhebliche persönliche Bedrohung empfunden und erlebt habe. So hätten sogar seine Frau und seine beiden Söhne nur unter Polizeischutz zum Einkaufen oder zu Schule gehen können. Übereinstimmend bewerteten die beiden ehemaligen Spitzenpolitiker die Ereignisse von 1989 als “europäische Freiheitsrevolution”.  ” Das Wissen um die Lebensbedingungen in jeder Hinsicht, in Ost und West, ermöglichte es, einander besser zu verstehen, respektvoll miteinander umzugehen und die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Das war eine ganz große Stunde der deutschen Geschichte. Im Grunde haben wir die Neugeburt Europas erlebt”, so Hans-Dietrich Genscher.

Richtungweisend für diese Entwicklung war die Offnung der Berliner Mauer am 9. November 1989, die den endgültigen Zerfall des politischen Systems der DDR bewirkte. Notwendige äußere Voraussetzung der deutschen Wiedervereinigung war das Einverständnis der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, die bis dahin völkerrechtlich  noch immer die Verantwortung für Deutschland als Ganzes innehatten beziehungsweise beanspruchten. Durch den “Zwei-Punkte Vertrag”  (Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland) wurde der Einheit der beiden deutschen Staaten zugestimmt und dem vereinten Deutschland die volle Souveränität  über seine inneren und äußeren Angelegenheiten zuerkannt.

Quelle,  Film-und Fotoaufnahmen: Dieter J. Maier

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