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Interview mit dem Saudiarabischer Botschafter Dr. Ossama bin Abdul Majed Shobokshi

8. April 2011

vortrag-peter-scholl-latur-017Während seines Aufenthalts in Baden-Baden trug sich der Saudiarabische Botschafter Professor Dr. Ossama bin Abdul Majed Shobokshi gestern ins Goldene Buch der Stadt ein. Anlass seines Besuchs in der Kurstadt war ein Vortrag, den er auf Einladung des Wirtschaftsrates der CDU am selben Abend im Kulturhaus LA8 zum Thema „Saudi-Arabien als treibende Kraft des mittleren Ostens – eine Chance für deutsche Unternehmen?“ hielt.

Beim Empfang im Rathaus brachte der Botschafter des Königreiches seine Freude zum Ausdruck, hier zu sein und schwärmte von den „vielen freundlichen Menschen“, die ihm bei seinem Aufenthalt begegnet seien. OB Gerstner nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch und gab dem Gast auch einen kurzen Einblick in die Geschichte und Entwicklung Baden-Badens. Begleitet wurde der Botschafter von Hossam Maarouf, Vizepräsident der Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft (DAFG) sowie Bernhard Feßler, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrats der CDU Baden-Württemberg. In einem anschließenden Interview äusserte sich seine Exzellenz  gegenüber Saar Report u.a. über die bilateralen Beziehungenzwischen Saudi Arabien und Deutschland, sowie die wirtschaftlichen und politischen Stärken seines Landes:

Exzellenz, worin sehen Sie persönlich die wirtschaftlichen und politischen Stärken Ihres Landes?

Die Stärke meines Landes besteht darin, dass wir eine gute wirtschaftliche und gleichzeitig auch eine damit verbundene politische, sowie religiöse Stabilität besitzen. Arabien ist die ” Wiege des Islam”, somit ist unser Glaube mit rund 1,2 bis 1,57 Milliarden Anhängern nach dem Christentum und vor dem Hinduismus die zweitgrößte Weltreligion. Ausserdem besitzen wir, neben den weltweit größten Erdöreserven noch wichtige Bodenschätze, wie Erdgas, Gold, Salz, Eisenerz und Phosphor.

Wie sehen Sie hierin die wirtschaftlichen und bilateralen Beziehungen zwischen deutschen Unternehmen und Ihrem Land?

Deutschland genießt in Arabien einen sehr guten Ruf als Handelspartner. Auch die  bilateralen Beziehungen zwischen unseren Ländern sind freundschaftlich und spannungsfrei . Etwa 25 % der Beschäftigten im Königreich Saudi-Arabien sind im Industriesektor tätig. Der bedeutendste Industriezweig ist die Erdölraffinerie, gefolgt von der Erdgasraffinerie. Rund 900 Milliarden US-Dollar werden in den nächsten 10 Jahren für die wirtschaftliche Weiterentwicklung in Saudi Arabien ausgegeben. Somit sehe ich für die kommenden Jahre gerade für deutsche Unternehmen gute Möglichkeiten, sich in Saudi Arabien wirtschaftlich anzusiedeln.

Sie sind seit mehreren Jahren Botschafter für das Königreich Saudi-Arabien in Deutschland. Was bedeutet Ihnen diese Aufgabe?

Meine Tätigkeit als Botschafter in Deutschland sehe ich als  notwendige Herausforderung, die Beziehungen zwischen beiden befreundeten Ländern auf den verschiedensten Ebenen und in allen Fachbereichen zu vertiefen, zu intensivieren und zu verbreiten, um somit auch auf wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene den notwendigen Utilitarismus zu erreichen.

Saudi-Arabien investiert  sehr viel in den weiteren Ausbau seiner Infrastruktur. Welche Projekte sehen Sie hierbei als besonders vordringlich und wichtig an?

Für die Modernisierung der Infrastruktur werden neue  Straßen gebaut, Eisenbahnnetze mit insgesamt 3.650 km von Ost nach West erweitert, sowohl von Norden von den Industriestädten Saudi-Arabiens nach Süden, als auch nach Osten und Westen zu den Häfen. Gleichzeitig werden Phosphat- Aluminium- und Eisenerzminen errichtet. Wir hoffen, damit Millionen neuer Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig eine Dezentralisierung zu erzielen.

vortrag-peter-scholl-latur-018Das Auswärtige Amt riet vor kurzem nach den Unruhen in Ägypten auch von allen nicht notwendigen Reisen nach Bahrain ab. In wie weit ist Ihr Land auch von diesen Unruhen betroffen?

Unser Land  ist zum Glück von diesen Unruhen nicht betroffen, aber wir sind imbolviert und versuchen nach Kräften, die anderen Nachbarländer zu besänftigen, zu motivieren und zu unterstützen. Wir hoffen natürlich, dass wir mit unseren Bemühungen wieder Stabilität auch in die anderen Länder bringen, obwohl oder gerade weil wir nicht von den Nachbarstaaten beeinflusst werden können.

Exzellenz, vielen Dank für diese ausführliche Gespräch

Quelle und Fotos: Dieter J. Maier, in Zusammenarbeit mit der Pressestelle/ Stadt Baden-Baden

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