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Bundespräsident Christian Wulff zu Besuch in Mainz

19. April 2011

wulff-antrittsbesuch-009Es mag am jungenhaften Charme des neuen Bundespräsidenten liegen, dass  Christian Wulff zum Auftakt seiner Visite in Mainz, gut über eine Stunde lang in entspannt lockerer Atmosphäre  rund 1300 kleinen Zuhörern in der Kinder-Uni erklärte, was gerade in unserer heutigen Zeit Demokratie bedeutet.

Der 51-Jährige beantwortete mit Geduld und Einfühlungsvermögen die vielen Fragen der Kinder, wie lange z.B. eine Wahl dauert.  “Hier müssem alle sich an dieselben Regeln halten. Wählen dürften auch Kinder. So dürft ihr euren Klassensprecher, Schulsprecher, sowie im Verein wählen. Zur Demokratie gehört auch die Meinungsfreiheit. Das bedeute, dass man verschiedener Meinung ist und dass man versucht, sich zu verständigen”, so Wulff. Ebenso schien es nicht verwunderlich, dass einige Kinder auch von der Eier-Attacke gehört hatten. “Ich glaube, man muss es wirklich als etwas Positives sehen, dass jeder seine Meinung hat», sagt Wulff, der im korrekten Buisness-Anzug vor seinen bunt-angezogenen Gästen stand. “Und es wäre doch irgendwie auch traurig, wenn alle dieselbe Meinung hätten.”

Am Nachmittag ließ sich Bundespräsident Wulff dann in Begleitung des Mainzer Bischofs, Kardinal Karl Lehmann, die Chagall-Fenster in der Kirche St. Stephan erklären. „Jeder Sonnenstrahl, der nach Mainz kommt, fällt durch eines der 21 großen Fenster in den Kirchenraum”, so beschrieb schon der frühere Pfarrer von St. Stephan, Monsignore Klaus Mayer, die Transparenz des Kircheninneren. Klaus Mayer war es auch, der 1973 den Kontakt zu dem Künstler Marc Chagall (1887-1985) suchte, um ihn für die Neugestaltung der Fenster des Ostchores zu gewinnen. Chagall setzte schließlich in neun von ihm gestalteten Glasfenstern Motive der Bibel um, wobei das erste Chagall-Fenster am 23. September 1978 eingeweiht wurde.  Am Ende des Besuchs von St. Stephan überreichte der langjährige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Kardinal Lehmann die vier Bildbände zu den Mainzer Chagall-Fenstern, deren Texte Klaus Mayer geschrieben hat. ” Marc Chagall hat sie alle gelesen, bevor sie veröffentlicht wurden“, versichert  Lehmann anschließend dem Bundespräsidenten .

Zum Abschluss seiner Visite in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, empfing Wulff am Abend gemeinsam mit Ministerpräsident Kurt Beck zu einem Benefizkonzert in der Mainzer Rheingoldhalle, dass im Zeichen der Leseförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe stand. Ministerpräsident  Beck lobte die Arbeit der Stiftung Lesen und dankte vor Konzertbeginn  allen Sponsoren und Konzertbesuchern: „Sie haben mit Ihrem Sponsoring oder mit dem Kauf einer Konzertkarte das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Sie können heute Abend ein besonderes Konzert mit russisch-spanischen Klängen erleben und unterstützen zugleich die Arbeit der Stiftung Lesen.“ Auch Christian Wulff  betonte die Bedeutung des Lesens für die Gesellschaft: “Ohne Lesen, ohne leidenschaftliches Lesen geht unserem Land kulturelle Kraft verloren”. Auch gelte sein Dank allen, die zur Verwirklichung dieses Abends  beigetragen haben. Auf den anschließenden Empfang nutzten viele Konzertbesucher die Chance zum Gespräch mit dem Bundespräsidenten, der an dem Abend von seiner Ehefrau Bettina Wulff begleitet wurde.

Quelle und Fotoaufnahmen: Dieter J. Maier

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