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Aufbruch in der arabischen Welt – Vortrag von Peter Scholl-Latour in Homburg

8. April 2011

vortrag-peter-scholl-latur-009Der Journalist und Publizist Prof. Dr. Peter Scholl-Latour, bekannt als scharfsinniger Beobachter des Zeitgeschehens erläuterte am vergangenen Mittwoch auf Einladung der Siebenpfeiffer-Stiftung vor über 700 Gästen im vollbesetzten Homburger Saalbau, die aktuellen Entwicklungen in den nordafrikanischen Staaten. Scholl-Latour stellte  deutlich einen stattfindenden Wechsel bei den Führungsnationen der arabischen Welt in den Vordergrund seiner Betrachtungen und rückte dabei die Staaten Arabien, Ägypten, Tunesien und China in den Fokus seiner Betrachtungen einer neuen weltpolitischen Lage.

Peter Scholl-Latour scheute sich hierbei auch nicht vor deutlicher Kritik gegenüber den Regierungen im Nahen Osten, die oft die Leitidee der politischen, sozialen, religiösen und kulturellen Verflechtungen zwischen Europa in Geschichte und Gegenwart verkannt haben:   “In Israel erinnert z.B. der Umgang mit der Presse zuweilen an “dunkle Regime”: Objektive Berichterstattung aus den besetzten Gebieten wird schnell in Vaterlandsverrat umgedeutet, aus Angst vor dem Volkszorn blenden die meisten israelischen Medien das Thema Besatzung lieber aus. Nicht selten wird Reportern aus Israel der Zugang zu den Palästinenser-Gebieten schlicht verweigert. Ebenso  hat sich die politische und militärische Lage in Libyen unter dem selbsternannter Revolutionsführer und ehemaliger Generalsekretär Gaddafi  mehr als verschärft. Warum Gaddafi allerding im Laufe der Zeit zu einem „Paranoiker“ geworden ist, kann ich nicht beantworten. Früher war er in seinem Land sogar sehr beliebt, weil er mit seiner Machtübernahme die Fremdherrschaft der Europäer abgeschüttelt hat. Dass sich Gaddafi in dieser angespannten Lage  jetzt bis zum Äußersten wehrt, kommt für mich nicht überraschend. Wenn er allerdings vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gestellt wird, droht ihm lebenslange Haft “, so der Nahost-Experte in seinen Erläuterungen.

Doch der Islam und der Nahe Osten sind nur ein Aspekt der journalistischen Arbeit von Scholl-Latour. Zu vielen Themen und Weltregionen erschienen Bücher von ihm (zum Beispiel zu Nordkorea und der Volksrepublik China). Ein besonderes Faible entwickelte Scholl-Latour für Indochina, wovon sein Buch “Der Tod im Reisfeld” handelt. Als weiteren Hauptschwerpunkt seiner Arbeit kann man Afrika und die vielfältigen Probleme dieses Kontinents nach der Entkolonialisierung nennen.

vortrag-peter-scholl-latur-015Peter Scholl-Latour, inzwischen 87 Jahre alt, bereist seit Jahrzehnten den Nahen Osten.Schon nach seinem Studium und Promotion 1947 war er als französischer Fallschirmspringer in Indochina, ehe er 1948 zunächst als Volontär, dann als Redakteur bei der Saarbrücker Zeitung arbeitete. 1954/55 war er Regierungssprecher der saarländischen Landesregierung unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann. Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Auslands-Journalist tritt Scholl-Latour seit 1988  vor allem als freier Autor auf; gelegentlich produziert er jedoch noch Reportagen für das ZDF oder tritt als Interviewpartner auf. Von 1985 bis 2007 war Peter Scholl-Latour Mitglied des Beirates der Deutsch-Arabischen Gesellschaft.

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Quelle und Fotos:

Dieter J. Maier

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