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" Ich schreibe meine Krimis nicht aus der Phantasie heraus."

Interview mit Krimiautor Jacques Berndorf

24. März 2011
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Seit fast dreißig Jahren ist der Schriftsteller Jacques Berndorf alias Michael Preute der erfolgreichste Krimiautor Deutschlands. Berndorf ließ sich in den achtziger Jahren in der Eifel nieder und begann 1989  mit seinem ersten Krimi ” Eifel- Blues” seinen kometenhaften Aufstieg in der deutschen Krimiszene.

In seinen Kriminalromanen setzt er sich mit dem großen Verbrechen einerseits und mit dem allzu Menschlichen andererseits auseinander. Seine Krimis genießen mittlerweile Kultstatus und haben inzwischen eine Gesamtauflage von drei Millionen erreicht, mehr als sieben Millionen Bücher wurden davon verkauft. In einem exklusiven Interview äußerte sich Jacques Berndorf gegenüber Saar Report u.a. über  seine schwierigen Anfänge in der Eifel und über die kriminalistischen Recherchen für seine Romane.

Dieter J. Maier:

Herr Berndorf, Sie haben Ihre journalistische Tätigkeit vor vielen Jahren beendet. Wie sind heute Ihre Bezugspunkte vom Journalisten zum Krimiautor?

J. Berndorf:

Seit ich Krimis gewissermaßen hauptberuflich schreibe, kann ich als Journalist überhaupt nicht mehr arbeiten. Entweder man arbeitet an einer Sache richtig oder man macht beides schlecht. Ich kann heute bei dieser hochkonzentrierten Arbeit an Krimis, die eine sehr gute Vorbereitung erfordern, keine zusätzliche journalistische Tätigkeit mehr ausüben. Außerdem werde ich im kommenden Oktober schon 81 Jahre und bin somit offiziell sozusagen schon “in Rente”.

Dieter J. Maier:

Gibt es bei Ihren Kriminalromanen Bezugspunkte zu wahren Begebenheiten oder nehmen Sie Ihre Themen aus der Phantasie?

J. Berndorf:

Also, die Themen und Begebenheiten meiner Krimis nehme ich niemals aus der Phantasie, weil ich einfach neben meinem im Laufe der Jahre erworbenen Fachwissen ein so hohe Lebenserfahrung habe, die keine Phantasie in meinen Krimis mehr zulassen kann. Ich nehme immer Morde, die tatsächlich passiert sind. Die Hintergrundinformationen entnehme ich Fachblättern und habe außerdem die Möglichkeit mit Kriminalisten zu sprechen z.B. mit Leitern von der Mordkommissionen, die mir auch ganz gerne Auskünfte erteilen. Es ist also alles nicht irgendwie geheim.

Dieter J. Maier:

Sie leben in der Eifel und lassen den Großteil Ihrer Krimis in der Eifel spielen. Wie kam es dazu?

J. Berndorf:

Ich kam vor vielen Jahren aus einer verrückten Ehescheidung, meine Familie war sozusagen ” zerdeppert” und ich wusste nach 23 Ehejahren nicht mehr, was ich in München überhaupt noch tun sollte. Ich hatte dann die Möglichkeit von Stern- und Spiegelaufträgen her in die Nähe von Bonn zu ziehen. Dort saß ich dann wochenlang in einem Hotel in Bad Breisig, was mir bald unheimlich auf den Geist ging. Ein Bekannter machte mich dann darauf aufmerksam, dass in der von dort nicht allzu weit entfernten Eifel ein altes Bauernhaus zu verkaufen wäre.

Ich zog also kurz entschlossen in die Eifel, bezog dieses völlig leer geräumte Bauernhaus zu Anfang nur mit einer Matratze und ein paar Zahnbürsten und fing ein neues Leben an. Aber mir war von Anfang an nicht klar was ich eigentlich machen sollte. Ich habe mich damals also selbst in Frage gestellt. Aber dass Schreiben meine große Leidenschaft ist, wusste ich schon sehr früh. Schon als Jugendlicher schrieb ich Kurzgeschichten, meine späteren journalistische Aufträge hatte ich in Bonn und Brüssel und da lag die Eifel genau in “der Mitte”.

Dieter J. Maier:

Wann haben Sie begonnen, Ihren ersten Kriminalroman zu schreiben?

J. Berndorf:

Sechs Jahren nach meinem Umzug in die Eifel schrieb ich meinen ersten Eifel- Krimi mit dem Titel ” Eifel- Blues”, was ehrlich gesagt ein reiner Zufall war. Irgendwann “schleppte” mein Nachbar, ein befreundeter Kinderarzt, das Manuskript zu einem Verleger nach Köln, der es prompt drucken wollte. Nach meiner Zustimmung gingen dann bald darauf die ersten Kriminalromane von mir über die Ladentische und das war dann der Anfang jener zahlreichen Krimiserie, die ich seither geschrieben habe. Und da meine Krimis auch in der Eifel spielen bin ich dort sicher so etwas wie ein ” Eifler Nationalheld”  geworden.

Dieter J. Maier:

Sie greifen in Ihren Kriminalromanen aber nicht nur lokale Mordfälle in der Eifel auf , sondern beschäftigen sich auch öfter , wie z.B. in Ihrem Roman ” Bruderdienst” , mit besonders heikelen Themen wie dem  Bundes Nachrichten Dienst (BND). Woher hatten Sie hier die Hintergrundinformationen?

J. Berndorf:

Man kommt, wenn man so etwas schreiben will, zunächst nicht weiter, wenn man keine Möglichkeit hat, jemanden direkt beim BND zu fragen. Seit einigen Jahren ist man aber hier richtig ” scharf” darauf, Informationen an ausgesuchte Leute herauszugeben. Bisher war der Bundes Nachrichten Dienst ein abgeschotteter Verein und kein Mensch wusste, was da eigentlich läuft. Ich hatte damals, als ich den Roman 2006 schrieb, nun die Möglichkeit hinter die Fassade  zu blicken und mir direkt “vor Ort” die Informationen für meinen neuesten Krimiroman zu beschaffen.

Dieter J. Maier:

Die meisten Menschen kennen Geheimdienste nur aus Spionagefilmen, Schnüfflerromanen oder Comic-Heften und kommen im realen Leben wissentlich nur äußerst selten mit dem BND in Kontakt. Wie schätzen Sie persönlich die Ermittlungen des BND  ein?

J. Berndorf:

Die Sache mit dem BND ist spannend und verrückt zugleich. Und die Erklärung, die mir dort kluge Leute gegeben haben, ist wirklich ganz einfach: da bilden sich innerhalb so genannte “Gruppen” im Rahmen eines Geheimdienstes. Da ein Geheimdienst auch vor sich selbst immer einiges geheim hält, was ja völlig abartig und irgendwie krankhaft ist, können diese “Gruppen” manchmal jahrelang arbeiten und kein Mensch weiß, was die eigentlich machen.

Dieter J. Maier:

In ihren Krimis geht es immer wieder auch um aktuelle Themen. Derzeit sitzen Sie an einem Krimi mit dem Arbeitstitel “Eifel-Herbst”. Um was geht es in Ihrem neuesten Kriminalroman?

J. Berndorf:

Es geht um Todesfälle in einem Altenheim. 60 bis 80 Seiten habe ich davon schon geschrieben, aber das Schreiben ist in meinem Alter mühselig geworden. Ich weiß nicht, wann ich fertig werde und ob ich das schaffe. Krimischreiben ist eine wirkliche harte Arbeit, die oft unterschätzt wird.

Dieter J. Maier:

Herr Berndorf, vielen Dank, dass Sie sich für dieses Gespräch Zeit genommen haben.

Quelle:
Dieter J. Maier

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