“Der Vater” von August Strindberg im Saalbau Homburg
Stille Nacht, heilige Nacht. Kaum eine Zeit im Jahr ist symbolisch so aufgeladen wie Weihnachten. Die Gesellschaft inszeniert sich als heile Welt voller Glück und Geschenke.
Seit dem 19. Jahrhundert ist es zudem das Fest der bürgerlichen Familie, die sich am Vorbild der Heiligen Familie wärmt und bestätigt. Und an Weihnachten läßt August Strindberg (1849–1912) sein Stück „Der Vater“ spielen, um mitten in die Harmonie das Skalpell zu rammen, die Gesellschaft und ihre Keimzelle, die Familie, zu sezieren.
Heiligabend im Hause des Rittmeisters Adolf. Er streitet mit seiner Frau Laura um die Zukunft der Tochter. Der Rittmeister ist ein kluger, kultivierter Mann, ein Mineraloge, er hat die Welt im Spektroskop durchschaut, seine Rollen als Vater, Clanchef, Militär:
unangreifbar. Alles scheint rational und perfekt, bis auf den leidigen Ehekrieg mit Laura. Plötzlich erschüttert ein Verdacht das feste Weltbild und in einer Kettenreaktion beginnt alles zu bröckeln. Der Verdacht ist der berühmte genetische Verdacht. Er wird eine furchtbare Waffe in Lauras Hand. Ist Adolf der Vater seiner Tochter? Welche Rechte hat er? Wer ist er, wenn er nicht der Vater ist? Er beginnt sich in eine Spirale hineinzusteigern, in der ihm alle Wirklichkeit entgleitet. Längst geht es nicht mehr um die Tochter. Sondern um Adolf und Laura, Mann und Frau. Wer wird in diesem Kriege untergehen?
Die Inszenierung von Thomas Peter Goergen am Theater an der Ruhr erforscht die aktuellen Themen dieses mächtigen und zeitlosen Stücks: Gentest, Männerrolle, Vaterbild, vaterlose Kinder, Amok, Emanzipation – August Strindberg, der „Shakespeare des Nordens“, Zeit seines Lebens im Verhältnis zu Frauen zerrissen zwischen Zorn und Liebe, wirft ein grelles Licht auf unsere Moderne und zeigt die patriarchale Gesellschaft in ihrer Angst und Aggressivität, ihrer zerbrechlichen Realität in einer immer unüberschaubareren Zeit.
Thomas Peter Goergen, Jahrgang 1974, absolvierte sein Studium in Jura, Kunstgeschichte und Germanistik, bevor er 2002 ans Theater ging; zunächst zum Schauspiel Köln, der Landesbühne Neuwied sowie freien Theatern in Köln und Bonn. Seit Ende 2004 ist er Regiemitarbeiter von Roberto Ciulli. 2007 führte er Regie bei Eugène Ionescos „La Leçon - Die Unterrichtsstunde”, im April 2008 wird seine Inszenierung von August Strindbergs “Vater” Premiere haben.
Die Tochter Berta und einen jungen Soldaten werden von Mitgliedern des Jungen Theater an der Ruhr gespielt. Sie stehen zum ersten Mal auf einer großen Bühne, können aber Ihre Nervosität mit ihrer Doppelbesetzung teilen. Die Jugendlichen genießen die Proben und die Erfahrung mit den erwachsenen Profis, für die Sie aber gleichberechtigte und herausfordernde Partner sind.
Tobias Fritzsche
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
THEATER AN DER RUHR
Akazienallee 61
45478 Mülheim an der Ruhr
Tel: 0208 - 599 01 20
Premiere
04. April 2008, 19.30 Uhr (ausverkauft)
05. April 2008, 19.30 Uhr
Regie Thomas Peter Goergen
Dramaturgie Helmut Schäfer
Bühne Gralf-Edzard Habben
Kostüme Heinke Stork
Mit:
Petra von der Beek, Albert Bork, Rosmarie Brücher,
Denise Dufeu/ Lisa Schöller, Robin Kaiser/Julian Reuter,
Fabio Menéndez, Steffen Reuber
Weitere Termine:
12. April 2008, 19.30 Uhr
02.Mai 2008, 19.30 Uhr
09.Mai 2008, 20.30 Uhr
24.Mai 2008, 19.30 Uhr
Quelle:
Kulturzentrum Salbau Homburg
Druckansicht
