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Ehrendoktorwürde für Nobelpreisträger Prof. Dr. Dr. h.c. Erwin Neher

nobelpreistrager-prof-neher-004Im Rahmen einer Promotionsfeier wurde am heutigen Freitag die Ehrendoktorwürde der medizinischen Fakultät des  Saarlandes an den Nobelpreisträger für  Medizin, Prof. Dr. Dr. h.c. Erwin Neher, im Robert-Stämpfli-Hörsaal der Medizinischen Fakultät – Campus -Homburg überreicht.

In seiner Begrüßungsansprache würdigte Wirtschaftsminister Dr. Christoph Hartmann die großen Verdienste Prof. Nehers, die ohne die intensive Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Bert Sackmann, der im Sommer 2009 zum wissenschaftlichen Direktor des Max-Planck-Instituts für Biomedizin in Florida ernannt wurde, nicht möglich gewesen wäre:  “Für die Medizin wird die Entdeckung der Ionenkanäle von Prof. Neher und Bert Sackmann zu einem Schlüsseldatum. Viele Krankheiten beruhen ganz oder teilweise auf einer defekten Regulierung des Ionenflusses, zum Beispiel Epilepsie, verschiedene Herz- und Gefäßkrankheiten oder Nerven-Muskelkrankheiten. Mit Hilfe von Nehers und Sackmanns Technik lassen sich jetzt zur Behandlung einiger Erkrankungen gleichsam Medikamente nach Maß herstellen, die auf den Ionenkanal wirken”, so der Wirtschaftsminister.

Im Anschluss an die Vergabe des Ehrendoktortitels an Prof. Neher wurden, ganz im Sinne des Geehrten, weiterhin der Calogero-Pagliarello-Studien- und Forschungspreis und die Promotionsurkunden an die Doktoranden durch Prof. Dr. Michael D. Menger, Dekan der Medizinischen Fakultät, verliehen.

Prof. Dr. Neher wurde 1991 gemeinsam mit Bert Sackmann der Nobelpreis für Medizin für die bahnbrechenden Entdeckungen zur Funktion von einzelnen Ionenkanälen in Zellen verliehen. In ihren zeitaufwändigen Forschungen beobachteten die beiden Wissenschaftler, dass sich innerhalb jeder lebenden Zelle, die mit einer Zellmembran umgeben ist, ein gut kontrolliertes Milieu befindet, in dem verschiedene komplexe biochemische Prozesse ablaufen. Dieses innere Milieu unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht vom äußeren, beispielsweise in Bezug auf den Gehalt an positiv geladenen Natrium- und Kaliumionen sowie negativ geladenen Chloridionen. Dadurch besteht ein Spannungsgefälle über der Zellmembran. Bereits in der Theorie der Nervenerregung von Alan Lloyd Hodgkin und Andrew Fielding Huxley im Jahr 1952 tauchten Ionenkanäle als ein Denkmodell auf. Bis in die Mitte der siebziger Jahre jedoch blieb die diskrete Natur dieser Stromschleusen unbewiesen. In der Folge von Nehers und Sackmanns Erkenntnissen stellte sich schnell heraus, dass nicht nur die Prozesse der elektrischen Erregung und der synaptischen Transmission, sondern sehr viele Körperfunktionen, vor allem im Bereich der Sensorik, Motorik und der Sekretion, von Ionenkanälen gesteuert werden.

Neher und Sackmann entwickelten in den 70er und 80er Jahren eine Technik, die es ermöglichte, geringe elektrische Ströme zwischen Körperzellen und ihrer Umgebung zu registrieren. Damit konnten sie erstmals den Nachweis erbringen, dass in der Zellhülle winzige Kanäle existieren, die den Durchfluss von geladenen Teilchen (Ionen) wie etwa Kalium oder Natrium vom Zellinneren in die Umgebung ermöglichen. In der Folge stellte sich heraus, dass nicht nur die Prozesse der elektrischen Erregung, sondern sehr viele Körperfunktionen, vor allem im Bereich der Sensorik, Motorik und der Sekretion, von Ionenkanälen gesteuert werden.

Neben dem Nobelpreis erhielt  vor allem Prof  Neher  hierfür zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter  zehn Ehrendoktortitel auf vier verschiedenen Kontinenten, sowie 1987 den Leipniz -Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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Quelle, Film- und Fotoaufnahmen : Dieter J. Maier

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