"Alles, was ich habe, trage ich bei mir"
Literatur-Lesung mit Nobelpreisträgerin Herta Müller
Der Anfang ihres Buches trägt den Thematik schweren Satz: “Alles, was ich habe, trage ich bei mir”, und dieses wurde schon vor Herta Müllers Auszeichnung mit dem Literatur-Nobelpreis nicht nur in deutschen Literaturkreisen als “Meisterwerk” ausgerufen. Nun stellte die medienscheue Schriftstellerin ihr ergreifendes Werk “Atemschaukel” am vergangenen Sonntag im Rahmen einer Bücherlesung im Künstlerhaus Edenkoben der Öffentlichkeit vor, wobei es ihr hauptsächlich um die Darstellung der inneren Kraft ging, die sich aus dem Schrecken von Hunger und Hoffnungslosigkeit speist.
Eigentlich wollte Herta Müller nie wirklich Schriftstellerin werden - doch seit Anfang der neunziger Jahre gehört sie mit Romanen wie “Herztier” und “Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet” zu den bedeutendsten Autoren der internationalen Literatur, deren Leben und Werk von Erfahrungen der deutschen und rumänischen Diktatur und dem Gefühl der inneren Fremdheit geprägt und durchtränkt ist. In ihrem im Sommer 2009 erschienene Roman “Atemschaukel” vermittelt Herta Müller mit der einzigartigen Kraft der Poesie und Sachlichkeit ihrer Schilderungen die Irritation und Grausamkeit der Heimatlosigkeit ohne Ausweg, in dem sie das Schicksal eines Deportierten in einem sowjetischen Lager schildert. Die sensationelle Ehrung ihrer Prosa folgte umgehend: Noch im gleichen Jahr der Bucherscheinung erhielt die 56 jährige in Stockholm den Nobelpreis für Literatur.
Unter den Favoriten für den Literaturnobelpreis galt sie lange als Außenseiterin. Doch das Lebenswerk der deutsch-rumänischen Autorin überzeugte mit den schmerzhaften Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit unter dem Ceausescu-Regime, dem die im seinerzeit deutschsprachigen Banat geborene Autorin nach Eingriffen der Zensur in ihr erstes Buch und wiederholten Verhören und Hausdurchsuchungen 1987 entkommen konnte, als sie zusammen mit ihrem damaligen Mann Richard Wagner die Ausreise beantragte und nach Deutschland ausreiste. Nach ihrem 1984 erschienen Roman ” Niederungen” folgten Prosabände wie “Reisende auf einem Bein”, “Herztier” und “Der Fuchs war damals schon ein Jäger”, der das Fremdsein in der neuen Heimat auf drastische Weise wiederspiegelt. Die Entscheidung des Nobelpreis-Komitees für ihr literarisches Werk war 25 Jahre später jedoch eindeutig: Herta Müller zeichne sich “mittels der Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa, sowie Landschaften der Heimatlosigkeit” aus, ebenso benutze sie eine phantastische Sprache, die sie unverwechselbar mache.
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