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Gedenken an Nazi-Opfer - Leserbrief von Karl-Heinz Klaiber

Wie konnte dies geschehen? So fragten mich junge Menschen, weil sie mir ansahen, dass ich altersmäßig Zeitzeuge sein müsste, während Gunter Demnig in unserer Stadt am Main die Messingtafeln, auf denen die Namen und Schicksale der Opfer des nationalsozialistischen “Dritten Reichs” eingraviert sind, in die Gehsteige vor ihren damaligen Wohnungen verlegte. Auf  ihre Frage konnte ich nur antworten, dass dieser Massenmord mangels jeglichen Unrechtsbewusstseins und humanen Orientierung, bei uns, einer damals mehrheitlich nationalistisch, deutschvölkisch-militaristisch, und antisemitisch gesinnten Generation, geschehen konnte. Positiv vermerkten sie, daß mit diesen “Stolpersteinen” die Opfer, - Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und politisch Verfolgte- aus der Anonymität der zahlreichen Denkmale und Gedenktafeln namentlich  hervor treten.

Ich sagte den Leuten aber auch, daß dank vieler privater Initiativen man sich auch an den militärischen Widerstand, einer bisher verschwiegenen und diskrimnierten Opfergruppe -die Fahnenflüchtigen, Wehrkraftzersetzer und Kriegsdienstverweigerer - erinnert, die sich dem Mordapparat Hitlers widersetzt haben, der Verbrecherfahne entflohen und deswegen ermordet wurden. Schon in vielen Städten hat Gunter Demnig Stolpersteine zur Erinnerung an diese mutigen Männer verlegt.

Karl-Heinz Klaiber (Jahrgang 1923)
97084 Würzburg


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