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Gegenwärtige Vergangenheit

Das Adenauer-Haus in Rhöndorf

11. März 2010

Augenblicke der Vernunft sind selten in der Geschichte, besonders in der deutschen. In einem solchen Augenblick wurde Konrad Adenauer erster Bundeskanzler der gerade gegründeten Bundesrepublik Deutschland.

Foto: Dieter J. Maier

Mit 202 Stimmen errang Adenauer genau die absolute Mehrheit, seine eigene Stimme sicherte ihm den Sieg. Gemeinsam mit Theodor Heuss, Kurt Schumacher und Ludwig Erhard prägte er die Gründerjahre der zweiten deutschen Republik und verkörperte in seinem eigenen Lebensweg auch das Schicksal der deutschen Demokratie, deren Ideale in seiner rheinischen Heimat stärker fortlebten, als in anderen Teilen Deutschlands.

Adenauer lebte in Rhöndorf, einem malerisch gelegenen Weindorf zwischen dem Rheintal und dem Siebengebirge. Hier, unweit seiner Heimatstadt Köln baute der von den Nationalsozialisten entlassene Kölner Oberbürgermeister 1936/37 für sich und seine Familie ein großzügiges Haus am Rhöndorfer Zennigsweg. Dorthin zog sich Adenauer nicht nur in den Wirren des zweiten Weltkrieges, sondern auch als erster Bundeskanzler der Bundesrepublik gerne zurück. Hier durchwanderte er seinen am Hang eines einstigen Weinbergs gelegenen Garten, dessen bunte Vielfalt an Rosen, Stauden, Sträuchern und Bäumen den Natur- und Rosenliebhaber zu jeder Jahreszeit immer wieder erfreute. Nach seinem Rücktritt als Bundeskanzler ließ er auch dort im Frühjahr 1964 einen Pavillon errichten, um ungestört von der Außenwelt seine Erinnerungen schreiben zu können. Drei Bände davon veröffentlichte Adenauer noch selbst, der vierte blieb Fragment.

Nach einer Auslandsreise im Februar 1967 erkrankte Konrad Adenauer so schwer, dass er von Fieberkrämpfen geschüttelt, das Bett in seinem Rhöndorfer Haus nicht mehr verlassen konnte. Es war ein langes Sterben. Das starke Herz des 91 jährigen mochte nicht aufgeben. Immer wieder rang er nach Luft, obwohl sich sieben Ärzte bemühten, ihm durch Sauerstoffzufuhr und Medikamenten Linderung zu verschaffen. Adenauer starb am 19 April 1967. Noch einmal aus der Bewußtlosigkeit erwacht, zeigte er auf ein Gnadenbild des gekreuzigten Christus, das neben seinem Bett stand. “Do jitt et nix zo krische” tröstete er im rheinischen Dialekt, mit sich und seinem Wirken im reinen, seine um das Sterbebett versammelte Familie. Hans Globke, einer seiner engsten Mitarbeiter erfüllte Adenauers letzte Anweisungen. Er übernahm die Organisation der Begräbnisfeierlichkeiten.

Nach der Aufbahrung im Kabinettssaal und im Kölner Dom wurde der Sarg Adenauers mit dem Schnellboot “Condor” über den Rhein nach Grafenwerth bei Bad Honnef gebracht. Von dort aus geleitete ihn die Sankt-Hubertus-Schützenbruderschaft aus Rhöndorf zum dortigen Waldfriedhof, wo er im engsten Familienkreis beigesetzt wurde.

Nach dem Tode Adenauers übergaben seine Erben das Wohnhaus 1967 der Bundesrepublik Deutschland als Gedenkstätte. Der Bund errichtete daraufhin mit der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Rhöndorf seine erste Politiker-Gedenkstätte. Dem Besucher eröffnen sich die bis heute unverändert erhaltenen Wohnräume des ersten deutschen Bundeskanzlers, die auch Einblick in die bürgerliche Wohnkultur der damaligen Zeit gewähren.

Adenauers Wohnzimmer

Foto: Dieter J. Maier

Rund 35.000 Besucher kommen jährlich in die Ausstellung, Tendenz steigend. Über die steilen Stufen geht es zum Privathaus, in dem die Zeit eingefroren scheint. Im Wohnzimmer stehen noch immer griffbereit Adenauers Lieblingsbücher im Bücherschrank. Das Esszimmer ist mit wertvollen christlichen und weltlichen Kunstwerken bestückt und in der Küche wird für die Familienmitglieder, die sich alljährlich am Zweiten Weihnachtsfeiertag immer noch einfinden, das Teewasser aufgesetzt. Somit versteht sich die Stiftung bis heute als lebendiger Teil der deutschen Geschichte.

Das Grab von Konrad Adenauer

Foto: Dieter J. Maier

Gleichrangig daneben steht die Aufgabe der Stiftung, den schriftlichen Nachlass Adenauers für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auch sollen Wissenschaft, Publizistik, Bildung und Politik in Vergangenheit und Gegenwart umfassend ausgewertet werden. Um diesen Auftrag zu erfüllen, unterhält die Stiftung ein Archiv nebst Forschungs- und Dokumentationsstelle. Die hier gelagerten und archivierten Materialien bilden eine wichtige, nicht selten unverzichtbare Quellenbasis für die wissenschaftliche Erforschung der jüngeren deutschen Geschichte.

Quelle:
Dieter J. Maier

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