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" Internetanschlüsse gehören heute zum Standard"

Interview mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle

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In einer Feierstunde eröffnete Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle am 12.März im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern die neue Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Mainz und Kaiserslautern. Die Glasfaserstrecke der Firma INEXIO, die innerhalb eines dreiviertel Jahres enstanden ist, bringt jetzt breitbandiges Internet für die Kommunen, Gewerbebetriebe und Privatkunden entlang der Trasse. Doch nicht nur Rheinland-Pfalz profitiert, auch das Saarland und das Großherzogtum Luxemburg gewinnen durch die neue Trasse. Nach der offiziellen Eröffnung sprach Bundeswirtschaftsminister Brüderle in einem Interview mit Saar Report u.a. über die neuen Internetvernetzungen, über wirtschaftlichen Möglichkeiten für Großunternehmen und die neuen Übertragungsmöglichkeiten bei Haushaltsanschlüssen.

Dieter J.Maier:

Herr Bundesminister, welche wirtschaftlichen Chancen sehen Sie heute in der neuen Internetvernetzung?

Bundesminister Brüderle:

Das Internet ist ein weltweites Netzwerk bestehend aus vielen Rechnernetzwerken, durch das Daten ausgetauscht werden. Es ermöglicht die Nutzung von Internetdiensten wie E-Mail, Telnet, Usenet, Dateiübertragung, WWW und in letzter Zeit zunehmend auch Telefon, Radio und Fernsehen. Im Prinzip kann dabei jeder Rechner weltweit mit jedem anderen Rechner verbunden werden. Der Datenaustausch zwischen den einzelnen Internet-Rechnern erfolgt über die technisch normierten Internetprotokolle und ist im Hinblick auf die weltweit auf den Weg gebrachte Vernetzung einmalig. Die Firma INEXIO aus Saarlouis steht für mich exemplarisch dafür, was heute in der Infrastruktur in Deutschland geleistet wird. Vor zwanzig Jahren konnte man sich dieses Netzwerk an Daten und Informationen noch nicht vorstellen, heute gehören Internetanschlüsse in fast jedem Haushalt zum Standard. Wenn man in unserer heutigen Zeit Betriebe ansiedeln und erhalten will, braucht man diese technische Möglichkeit und ich bin sicher, dass bis 2014 genau 75% aller Deutschen auf diesen neuen High-Speed-Anschluss zurückgreifen können. Ich würde mich freuen, wenn noch viele weitere Unternehmen wie die Firma INEXIO den Mut haben, weiter so erfolgreich in dieser Branche zu arbeiten. Die Bundesregierung wird hierbei zur Unterstützung der neuen Unternehmen bundesweit auch 15 neue Leuchtturmprojekte mit rund 60 Millionen Euro organisieren und fördern.

Dieter J. Maier:

Haben durch die neuen High-Speed-Anschlüsse kleine und mittelständische Betriebe die gleichen wirtschaftlichen  Möglichkeiten wie Großunternehmen?

Bundesminister Brüderle:

Ich vergleiche die Erfindung des Internets persönlich gerne mit der Erfindung der Dampfmaschine und des Elektromotors. Früher hat die Dampfmaschine entscheidend die menschliche Arbeitskraft ersetzt und mit dem Elektromotor hatten dann auch kleine Handwerksbetriebe die Möglichkeit, effizient zu arbeiten. Heute können wir durch das Internet kleinen und mittelständischen Betrieben die selben Chancen geben, wie sie Großbetriebe und Großunternehmen bekommen. Wir wollen dies von der Bundesregierung aus auch in vielen, kleineren Schritten voranbringen. Hierzu müssen, in Abstimmung mit dem Bundeskartellamt, Kooperationsmodelle entwickelt und in Gang gesetzt werden. Das Internet besteht heute aus Netzwerken unterschiedlicher, administrativer Verwaltung, welche zusammengeschaltet werden. Dazu gehören hauptsächlich Providernetzwerke, an die die Rechner der Kunden eines Internetproviders angeschlossen sind, Firmennetzwerke, über welche die Computer einer Firma verbunden sind, sowie Universitäts- und Forschungsnetzwerke.

Dieter J. Maier:

Welche neuen Übertragungsmöglichkeiten gibt es diesbezüglich insbesondere bei Haushaltsanschlüssen?

Bundesminister Brüderle:

Auf der sogenannten “letzten Meile”, also bei den Hausanschlüssen, werden die Daten oft auf Kupferleitungen von Telefon- oder Fernsehanschlüssen und vermehrt auch über Funk, mittels WLAN oder UMTS, übertragen. Glasfasern bis zum Haus sind in Deutschland noch nicht sehr weit verbreitet. Privatpersonen greifen auf das Internet entweder über einen Schmalbandanschluss, zum Beispiel per Modem bzw. ISDN, oder über einen Breitbandzugang, z.B. mit DSL, Kabelmodem oder UMTS, eines Internetproviders zu. Firmen oder staatliche Einrichtungen sind häufig per Standleitung auf Kupfer- oder Glasfaserbasis mit dem Internet verbunden, wobei Techniken wie Kanalbündelung, ATM, SDH oder - immer  häufiger - Ethernet in allen Geschwindigkeitsvarianten zum Einsatz kommen. In privaten Haushalten werden oft Computer zum Abrufen von Diensten ans Internet angeschlossen, die selbst wenige oder keine solcher Dienste für andere Teilnehmer bereitstellen und welche nicht dauerhaft erreichbar sind. Solche Rechner werden als Client-Rechner bezeichnet. Wir sind von der Bundesregierung für jede neue Entwicklung offen, insbesondere wenn Unternehmen oder auch Privathaushalte einen effiktiven Nutzen daraus ziehen können. Ich danke an dieser Stelle nochmals der Firma INEXIO für den Mut, die Internetentwicklung in Deutschland so erfolgreich vorangebracht zu haben.

Dieter J. Maier:

Welche finanziellen Fördermaßnahmen sehen Sie als Bundesminister für Klein- und Großunternehmen genau vor?

Bundesminister Brüderle:

Ich bin nicht hierher gekommen, um bildlich gesprochen Bargeld auf den Tisch zu legen. Damit mittelständische Unternehmen schneller und zielgenauer an die richtigen Fördermittel kommen, hat die Bundesregierung  schon vor zwei Jahren ein neues Innovationsprogramm auf den Weg gebracht. Mittelständische Unternehmen konnten bisher aus etwa 120 Förderprogrammen wählen, wenn sie für Forschung und Entwicklung finanzielle Hilfe beantragen wollten. Experten bemängelten hierbei, dies seien zu viele, um das jeweils Richtige zu finden. Das  “Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand” - kurz „ZIM“ -  startete  bereits am 1. Juli 2008 und hat zum Ziel, Grundlage für eine marktorientierte Technologieförderung im Mittelstand zu werden. Um als Technologie- und Wissenschaftsstandort interessant zu sein, braucht man eine gesunde Infrastruktur. Umgekehrt ist natürlich für die Kunden auch wichtig, dass sie die Möglichkeiten haben, auf entsprechende Produkte hier in der Region direkt zurückgreifen zu können. Auch müssen die einzelnen Banken über hohe Kapazitäten verfügen, um möglichst schnell zu reagieren. Wir bauen beispielsweise in Deutschland die besten Autos der Welt, weil sich bei uns nicht nur hevorragene Hersteller angesiedelt haben, sondern weil auch viele Mittelständler und Spezialisten hochwertige Teile zuliefern, weil wir über hervorragende Forschungseinrichtungen verfügen und weil es -wie hier in Kaiserslautern- sonst kaum eine solche Dichte an sogenannten “Forschungspflastern”  gibt. Wir müssen in Zukunft solche Wachstumspole stärken, damit unsere Wirtschaft weiterhin wettbewerbsfähig bleibt. In der Internetentwicklung sind nicht mehr nur die USA führend, sondern auch die Chinesen und Koreaner schreiten mit riesigen Investitionen voran. Von daher ist es unser Ziel, dass wir in der Größenordnung von 50 Milliarden Euro in den nächsten 4-5 Jahren diesen Wirtschaftszweig nach Vorne bringen. Diese Entwicklung wird meiner Meinung nach relativ schnell voranschreiten, da die Bundesbürger an der neuen Entwicklung in Form von moderneren Fernsehgeräten und besseren Bankverbindungen partizipieren wollen. Wenn ein Bürgermeister einer Kreistadt hier die Bedürfnisse seiner Einwohner nicht ernst genug nimmt, riskiert er seine Wiederwahl. Die guten Beispiele zwingen auch hier, dass die anderen Städte in der Entwicklung vollends nachziehen.

Dieter J. Maier:

Herrr Bundeswirtschaftsminister, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle und Foto:  Dieter J. Maier

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