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" Die Ausstellung- Körperwelten der Tiere- ist einmalig"

Interview mit Dr. Gunther von Hagens

Dr. Gunther von Hagens hat seit 1977  die Plastination von Leichen und Organen, nicht nur weltweit weiterentwickelt, sondern auch erfunden. Seit 1996 zeigt von Hagens’ Institut für Plastination unter dem Titel „Körperwelten“ öffentliche Ausstellungen plastinierter Körper, die weltweit viel besucht, aber auch heftig umstritten sind. Ab dem 19. März 2010 präsentieren Gunther von Hagens und Kuratorin Dr. Angelina Whalley in Neunkirchen ertsmals ihre neu geschaffene Ausstellung der Superlative – die KÖRPERWELTEN der Tiere, die dank revolutionärer Plastinationstechnologie auch die größten Lebewesen ästhetisch präpariert und  dauerhaft konservieren konnte. In einem exklusiven Online-Interview sprach Dr. Gunther von Hagens mit Saar Report vorab schon u.a. über seine neuen  beruflichen Projekte, die Grenze des Vertretbaren und über seine Distanzierung  öffentlich  angebotener Verkäufe von Plastinaten an Privatpersonen.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. von Hagens, Sie haben als deutscher Anatom, Hochschullehrer und Unternehmer die  Plastination als eine Form der Aufbearbeitung von Leichen und Organen, maßgeblich weiterentwickelt. Welchen neuen beruflichen Herausforderungen werden Sie sich in Zukunft  stellen?

Dr. Gunther von Hagens:

Den ersten Satz möchte ich dahingehend präzisieren, dass ich die Plastination als neue und beste Konservierungsmethode nicht nur führend weiterentwickelt, sondern, wie aus den erteilten Patenten (1977 – 1982)  deutlich wird, auch erfunden habe!  Nach der Ausstellung “KÖRPERWELTEN der Tiere” ab 19. März im Zoo Neunkirchen werde ich, erstmals im späten Frühjahr 2011, eine völlig neuartige, so noch nie gesehene Ausstellung  präsentieren, an deren Konzeption ich bereits arbeite. Leider kann ich aus rechtlichen Gründung (Patentanmeldungen etc.) vor deren Eröffnung nichts  weiter als das eben gesagte darüber mitteilen.

Dieter J. Maier:

Stießen Sie im Lauf Ihrer beruflichen Entwicklung auch öfter an  Grenzen des Vertretbaren?

Dr. Gunther von Hagens:

Wenn ich mich in die Gedankenwelt des konservativen Normalbürgers hinein versetze, dann schon. Nicht jedoch, wenn ich die eigene Überzeugung vertrete, nach der eine Gesellschaft sich nur weiter entwickelt, wenn als selbstverständlich geltende Tabus gebrochen werden.

Dieter J. Maier:

Aus welchem Grund erklärten Sie 2008, sich von dem öffentlich  angebotenen Verkauf von Plastinaten an Privatpersonen  zu distanzieren?

Dr. Gunther von Hagens:

Weil ich, wie mir die öffentlich vernehmbaren Entrüstungsschreie meiner Gegner zeigten, die Empfängergruppe menschlicher Plastinate einfach unsauber definierte. Ich beabsichtigte stets nur an diejenigen Laien menschliche Plastinate zu verkaufen, die dazu berechtigt sind und nannte dafür auch Beispiele wie den emeritierten Anatomieprofessor. Doch die Beispiele wurden in der dann folgenden Diskussionen nicht genannt. Erst als ich erklärte von dem Verkauf menschlicher Plastinate an Privatpersonen zurück  zu treten und stattdessen menschliche Plastinate nun mehr nur an “qualifizierte Nutzer” abgeben zu wollen, legte sich die Entrüstung. Gelernt habe ich daraus, dass es gerade in der Öffentlichkeitsarbeit unverzichtbar  ist, sich klar und unmissverständlich auszudrücken, um keine Ängste, welcher Art auch immer, zu wecken.

Dieter J. Maier :

Im Januar 2004 erhob der Spiegel schwere Vorwürfe gegen von Sie , da Sie für Ihre Ausstellungsstücke Leichen chinesischer Hinrichtungsopfer verwendet haben sollen. Später  gab der Verlag der Zeitschrift jedoch eine Unterlassungserklärung ab, mit der
er sich verpflichtete, diese Behauptungen nicht mehr zu verbreiten. Wie gingen  Sie damals mit diesen Vorwürfen persönlich um ?

Dr. Gunther von Hagens:

Die damaligen Vorwürfe haben mein vordem romantisches Bild, das ich von den Medien hatte, realitätskonformer werden lassen. Dass nämlich einigen Presseorganen, und dazu gehört zweifellos auch das nachrichtliche  Boulevardmagazin “DER SPIEGEL”, schlecht recherchierte sensationelle  Schlagzeilen wichtiger als unspektakuläre Wahrheiten sind. Darüber hinaus  habe ich damals begriffen, dass unserer seit Nazi-Deutschland und DDR  diktatorisch belastete Vergangenheit ihre psychologische Ursache in der  typisch deutschen Art hat, halbamtlichen Mehrheitsmeinungen a priori einen höheren Stellenwert einzuräumen als abweichenden Meinungen von  Individualisten. Anstatt Abweichlern der öffentlichen Meinung als Garanten des Rechts auf freie Meinungsäußerung zu schätzen, werden sie verteufelt oder sogar kriminalisiert. So habe ich bisher vier Hausdurchsuchungen über mich  ergehen lassen müssen. Einmal verflüchtigte sich der Anfangsverdacht, zweimal wurde ich frei gesprochen und ein Prozess läuft noch. Im Falle des Vorwurfs  des Titelmissbrauchs habe ich sogar meine Anwaltskosten aus der Staatskasse  ersetzt bekommen. So habe ich gelernt, dass die von mir nach meinem Freikauf  aus DDR-Haft erwartete demokratische Gesinnung im Westen, welche die nicht  kollektivierte Meinung des Individuum als wichtigsten Träger demokratischen Gedankenguts begreift, nur in der unabhängigen Justiz, und auch dort nur in den höheren Instanzen, zu Hause ist. Insbesondere bayrische und ostdeutsche  Politiker jedoch, welche meine Ausstellung wie die in München zu verbieten versuchten oder wie in Brandenburg Schulklassen den Besuch der Ausstellung  während des Unterricht verweigerten, stehen unzweifelhaft in der langen deutschen Tradition intellektueller Nazi- und DDR-Zensur, für die ich mich  schon mal im Ausland, wo die Ausstellung bisher noch nie zensiert oder  verboten wurde, wiederholt schämte.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. von Hagens, herzlichen Dank für das Gespräch

Bild: Dieter J. Maier

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Quelle:
Dieter J. Maier/ Saar Report u. Peter Kiefer

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