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Gedenkstunde zum 60 Jahrestag der Befreiung von Ausschwitz

Gabriel Bach, stellvertretender Hauptankläger im Eichmann-Prozess, zu Gast in Saarbrücken

Gabriel Bach, ehemaliger  Bundesrichter am obersten Gericht in Israel und stellvertretrender Hauptankläger im Prozess gegen den Hauptorganisator des Holocaust, Adolf Eichmann, sprach am 27. Januar anlässlich der Gedenkstunde des saarländischen Landtags an die Opfer des Nationalsozialismus im vollbesetzten Konferenzsaal des in der Nähe der Gedenkstätte “Gestapo Lager Neue Bremm” befindlichen  Mercure-Hotels in Saarbrücken. Im Anschluss an die offizielle Gedenkstunde legte  Gabriel Bach gemeinsam mit dem saarländischen Landtagspräsidenten Hans Ley einen Kranz am Mahnmal der Gedenkstätte nieder.

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Gabriel Bach (Bild links) im Prozess gegen Adolf Eichmann

Dem heute 82-jährigen im deutschen Halberstadt geborenen Israeli, der als Kind mit seiner Familie nur “haarscharf” dem Holocaust entkam, lag persönlich sehr viel daran, an diesem Tag vor allem jungen Menschen von dem zu berichten, was, wie er sagte, emotional und historisch von den Naziverbrechen nicht so bekannt ist: “Eichmann hatte es sich zu seinem Hauptziel gemacht, die Juden nicht nur in Auschwitz völlig auszurotten. Von daher war es für ihn eine große Schmach, am Ende vor einem israelischen Gericht zu stehen. Ich erinnere mich noch sehr genau zu Beginn des Prozesses am 11. April 1961, als Eichmann beim Eintreten der Richter plötzlich aufstand und eine stramme Haltung annahm. Hier zeigte sich für mich deutlich, wie sehr er seine  Situation hier in Israel erkannte. Als ich Eichmann am 30.Mai 1962, einen Tag vor seiner Hinrichtung, zum letzten Mal begegnete, war das Einzige, was er zu mir noch sagte: “Wir werden uns alle wiedersehen”. Es war nichts von Reue oder Schuldeingeständnis zu spüren – im Gegenteil. Als wir Eichmann nämlich wärend der Verhandlung einen Film über die grausamen Verbrechen in Auschwitz vorführten, berichteten mir hinterher seine Wärter, dass Eichmann lediglich bemängelte, an diesem Tag seinen grauen Anzug anstatt dem gewünschten blauen Anzug bei Gericht anziehen zu müssen. Sonst hatte er nichts zu seinen Taten zu sagen”, so Gabriel Bach gegenüber Saar Report.

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In dem 1948 gegründeten Staat Israel blieb das Thema Holocaust über mehr als ein Jahrzehnt überwiegend unbearbeitet. Das änderte sich allerdings mit der Festnahme Adolf Eichmanns, die, wie kaum ein anderes Ereignis, für das Selbstverständnis und Selbstwertgefühl des jungen Staats bedeutend gewesen ist. Gabriel Bach war damals noch junger Jurist, dem die Nazi-Verbrechen auf Grund seiner eigenen Erlebnisse schwer zu schaffen machten: ” Ich entkam mit meiner Familie 1938 bis an die Holländische Grenze, als ein SS-Mann uns plötzlich aus dem Zug scheuchte und uns aufforderte, unsere Koffer zu öffnen. Nachdem er unser Gepäck gründlich durchsuchte, schrie er uns an, wieder in den Zug zurückzukehren. Nachdem ich wohl für ihn nicht schnell genug mein Gepäck vom Boden aufraffte, versetzte er mir einen gewaltigen Fusstritt, der mich im hohen Bogen wieder in den Zug beförderte.” Für Gabriel Bach eine Konstellation von symbolischer Tragweite und von einer persönlichen Wucht, die bis heute sein Leben prägt. Kurz nach Kriegsende begann er ein Jura-Studium in London. 1960 wurde er beauftragt, als Verantwortlicher und juristischer Berater der ermittelnden Polizeibehörde die Untersuchung gegen Adolf Eichmann zu leiten. Als Eichmanns direkter Ansprechpartner wurde sein Büro in dem acht Monate andauernden Verfahren im gleichen Gefängniskomplex untergebracht, in dem Eichmann inhaftiert war. Die besondere Symbolik hierbei: Ein Jude aus Deutschland repräsentierte als stellvertretender Hauptankläger die Gerichtsbarkeit und damit Handlungsfähigkeit des Staates Israel. Bis heute ist und bleibt der Eichmann-Prozess das wichtigste Ereignis in seinem Leben. Über 40 Jahre später wurde ihm vom deutschen Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz verliehen. Für Gabriel Bach eine besondere Ehre von einem Land, aus dem er einst mit einem Fußtritt hinausbefördert wurde.

Filmaufnahmen und Text: Dieter J.Maier


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