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" Das Auge des Himmels"

Vortrag mit ESA- Astronaut Thomas Reiter in Landsweiler-Reden


reiterRund drei Jahre nach dem erfolgreichen Abschluss der Astrolab-Mission war der deutsche ESA Astronaut Thomas Reiter am 18.12. als Referent in der Ausstellung “Das Auge des Himmels” in Landsweiler-Reden zu Gast. Um 18.00 Uhr startete Reiter seinen Vortrag im vollbesetzten Lampensaal des ehemaligen Bergwerks, in dem er die andere Perspektive – den Blick vom Weltraum auf den Planeten Erde- in einem beeindruckenden Film- Vortrag den interessierten Besuchern näher brachte.

Thomas Reiter gab einen spannenden Einblick in die ALL-tägliche Arbeit an Bord der Internationalen Raumstation ISS, deren Auf- und Ausbau, sowie in die wissenschaftlichen Aspekte einer Raumflugmission. Die faszinierenden Bilder, die Reiter von seiner Weltraum- Mission mitbrachte, vermittelten somit nicht nur die Schönheit, sondern auch der Verletzlichkeit unseres Planeten.  Besonders in den vom Menschen noch unberührten Regionen zeigt sich die Erde von ihrer schönsten Seite und kann mit neuester Sateliten-Technik heute wie ein  Gesamtkunstwerk wahrgenommen werden.  Gebannt folgten die  anwesenden Ausstelllungsbesucher  dem rund 60minütigen Vortrag Reiters, der von der Astrolab-Mission, dem Leben auf der ISS und der ganz besonderen Perspektive aus dem All erzählte.

Im September 2001 verstärkte Reiter zwei Jahre lang das Projektteam für das Forschungslabor Columbus, dem europäischen Beitrag zur ISS. Daneben bereitete er sich für einen Langzeitflug auf der Raumstation vor. Nach mehreren russisch-amerikanischen Verhandlungen waren im März 2005 alle Hürden für einen mehrmonatigen Flug Reiters zur ISS aus dem Weg geräumt. Diese Gespräche waren notwendig, weil der Deutsche mit einer US-Raumfähre starten sollte. Als die NASA zustimmte, konnte Reiters Flug nur ungefähr eingegrenzt werden: Er sollte ab Juli 2005 drittes Mitglied der elften ISS-Stammbesatzung sein. STS-121, Reiters „Zubringer“ zur Internationalen Raumstation, sollte zwei Monate, nachdem die Shuttle-Flotte mit STS-114 nach einer über zweijährigen Zwangspause den Flugbetrieb wieder hätte aufnehmen sollen, starten. Diese Mission hatte sich durch das bei der Mission STS-114 aufgetretene Problem mit dem abfallenden Schaumstoff vom Außentank um ein Jahr verzögert. Am 4. Juli 2006 startete Reiter nach mehreren Verschiebungen und zwei Countdown-Abbrüchen mit STS-121 zur ISS. Zwei Tage später erreichte er die ISS und gehörte seitdem zur ISS-Expedition 13. Zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Jeffrey Williams verließ er vier Wochen nach seiner Ankunft für sechs Stunden die ISS und führte notwendige Reparaturen und Wartungsarbeiten durch. Er lebte und arbeitete 166 Tage bis zum 19. Dezember 2006 an Bord der Raumstation und kehrte am 22. Dezember 2006 mit der Shuttle-Mission STS-116 zur Erde zurück. Mit diesem Flug ist er der europäische Raumfahrer mit der meisten Erfahrung im All.

Während seiner Weltraum-Mission erfüllte Reiter sowohl im amerikanischen als auch im russischen ISS-Segment eine Vielzahl von Betriebs- und Wartungsaufgaben. Darüber hinaus bediente er Forschungseinrichtungen zur Unterstützung internationaler wissenschaftlicher Experimente auf Gebieten wie Humanphysiologie und -psychologie, Mikrobiologie, Plasmaphysik und Strahlungsdosimetrie sowie Technologiedemonstrationen. Aber auch Experimente für Industrie- und Bildungszwecke, sowohl für Universitäten als auch für Sekundar- und Grundschulen, gehörten zu seinem straff organisierten Arbeitsprogramm :

” Über das große Echo bei den  Schülerinnen und Schülern freue ich mich besonders, denn ich sehe es auch als meine Aufgabe, Neugier zu wecken, die als treibende Kraft und Motivation auch hinter  meiner Mission steht.  Wenn man so lange Zeit im All verbringt, empfindet man mit der Aufhebung der Schwerkraft viele Dinge, die einem hier im alltäglichen Leben kaum gelingen würden, als völlig normal. Allerdings ist die Rückkehr in die Schwerkraft überwältigend. So lange man sich nicht bewegt – man ist ja bei der Landung liegend angeschnallt – lässt sich das recht gut ertragen. Wenn man aber aufstehen muss, fällt das enorm schwer. Es gibt viele Systeme in unserem Körper, die sich wieder an die Schwerkraft gewöhnen müssen. Aber nach einer Nacht geht es schon viel besser. Für mich ist die Raumfahrt seit meiner Kindheit ein unendliches Abenteuer und ich hoffe, dass es in absehbarer Zukunft auch vielen anderen Menschen möglich gemacht werden kann, den Weltraum mit eigenen Augen sehen zu können. Ich wünsche der Gemeinde Merchweiler und dem Landkreis Neunkirchen für diese Ausstellung viel Erfolg und hoffe, dass diese besonderen Bilder ein großes Publikum finden werden”, so Thomas Reiter in einem Interview gegenüber Saar Report.

Für die Ausstellung in Neunkirchen wurde ein großer Vorteil der Satellitentechnik genutzt: Satelliten erfassen die Erdoberfläche auch außerhalb des für den Menschen sichtbaren Lichts. Die Ausstellungsbilder zeigen die Möglichkeiten der Verarbeitung von entsprechenden Daten.


Quelle, Foto und -Videoaufnahmen:

Dieter J. Maier


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