Home > Interviews, Celebrity-Reports & Film-Specials > Interview mit Musical-Komponist Frank Nimsgern

"Bei Phantasma sind die Parallelen zu Michael Jackson unglaublich"

Interview mit Musical-Komponist Frank Nimsgern

frank-nimsgern Die großen Bühnen der Welt, wie die Met in New York oder die Mailänder Scala, kennt Komponist Frank Nimsgern seit seiner frühen Kindheit. Schon seinem Vater Siegmund Nimsgern gelangen dort als international bekannter deutscher Opern- und Konzertsänger große Durchbrüche. Kein Wunder, dass auch sein Sohn seit der Gründung der Frank Nimsgern Group im Jahr 1988 im Mittelpunkt der deutschen Musikwelt steht. Mit seinem jüngsten Musical “Phantasma” feierte der gebürtigen Saarbrücker am 7. November im Saarbrücker Staatstheater wieder einmal einen ganz großen Erfolg im deutschen Musikgeschäft, in dem er sich seit über 20 Jahren behauptet. Nimsgern gelang mit Musicals wie “Paradise of Pain”, “Elements” und  “Hexen” die Herausforderung, für ein buntgemischtes Publikum zu schreiben und seit den Neunzigern auch als Werbefilmkomponist, Komponist und Arrangeur zu arbeiten. Dabei entstand in den Jahren 2000 bis 2005 unter anderem die Filmmusik zu neun Tatort-Folgen und diverse Filme für SAT1 oder Pro7. Neben seinem künstlerischen Schaffen gelingt ihm zugleich als Produzent und Unternehmer auch die international erfolgreiche Verwertung  seiner Stücke. Für seine Arbeit wurde Frank Nimsgern mit bedeutenden Preisen, wie der Goldenen Europa 2000 und dem ARD-Fernsehpreis bedacht. Nimsgern ist hier zu Lande ein Star und so wurde auch sein neuestes Musical “Phantasma” am Saarländischen Staatstheater zu einem gesellschaftlichen Ereignis, bei dem sich neben  Schlagerprominenz wie Ingrid Peters und Guildo Horn auch eine breite Ministerriege und  jede Menge Wirtschaftsprominenz zeigte. Dass seine neueste Produktion allerdings in vielen Einzelheiten Parallelen zum Leben von Michael Jackson zieht, war im Nachgang auch für Frank  Nimsgern eine Überraschung: “Diese Parallelen zu Jackson sind auch für mich unglaublich, zumal ich dieses Stück vor vier Jahren angefangen habe zu schreiben und somit sein tragische Ende  nicht voraussehen konnte”, so Frank Nimsgern gegenüber Saar Report. “Die Geschichte in unserem Musical  zeigt das Leben des imaginären Show-Stars Giorgio Phantasma, der für den Erfolg sein Glück  opfert. Er gibt sein  letztes, großes Konzert und  zum ersten Mal in seinem Leben ein exklusives Interview. Kurz phantasma1 vor der Aufführung bricht er zusammen und wird in  ein Krankenhaus eingeliefert. Dort erzählt er seine Lebensbeichte, die bereits vor 100 Jahren in Paris beginnt und ein  schreckliches Geheimnis birgt. “Als ich anfing dieses Musical zu schreiben, war ich mir nicht bewusst, wie aktuell die Ereignisse darin das Leben von Jacko widerspiegeln würden. Als wir dann noch die  Szene mit dem jungen Michael Jackson mit eingeflochten haben, war das dann wirklich noch die Kirsche auf der Torte. Wir werden diese Szene  jetzt  nicht mehr herausnehmen, aber ich überlege mir, ob ich das Ende umschreibe, gerade weil die Ereignisse um seinen Tod seit dem vergangenen Sommer  regelrecht eskaliert sind. Solange jemand lebt, kann man durchaus auch ironisch werden, aber wenn jemand wie er gerade auf so tragische Weise verstorben ist, dann muss man schon die Würde der Person zu wahren wissen. Als ich von  Jacksons Tod  erfuhr, war ich schockiert, wie stark sein Leben in unserem Musical wieder auftaucht, da er, genau wie die Figur in meinem Stück, in einer Art Plastikwelt lebte und am Ende auch den Tod gewissermaßen suchte”, so Nimsgern weiter.

Saarbrücken erlebte mit der Musical-Uraufführung von Frank Nimsgerns “Phantasma” wieder eine aufregende musikalische Zeitreise durch das 20. Jahrhundert, das, ausgehend von Jacques Offenbachs phantastischer Oper «Hoffmanns Erzählungen», eine moderne Parabel vom hohen Preis des Erfolgs erzählt. Dabei bemisst der 40-jährige sein künstlerisches Schaffen längst in größeren Dimensionen: “Ich suche immer die Herausforderung und für mich ist dieses musikalische Schubladen-Denken, das momentan in Deutschland herrscht, nicht mit meinen musikalischen  Vorstellungen vereinbar. Wenn ich selbst einmal zum Musikhören komme, was aufgrund meiner vielen musikalischen Verpflichtungen sehr selten der Fall ist, dann höre ich meistens die Musik, die ich gerade nicht mache. Als ich mit Anna Netrebko in London arbeitete, hörte ich zur  Entspannung auf dem Rückflug nach Saarbrücken am liebsten Rockmusik, aber ich liebe auch  Musikstücke von Strauß, Wagner oder Mozart. Ich versuche stets meinen Kopf für Neues frei zu halten. Die Klassik-Welt  hat meiner Meinung  nach noch nicht registriert, dass die heutige Filmmusik die Fortsetzung der einstigen Spätromantik  ist. Ich habe beide Musikrichtungen studiert und für mich macht es heute keinen großen Unterschied, ob ich mich mit Klassik oder Moderne beschäftige, da es für mich hauptsächlich auch um musikalische  Energiefreisetzung geht. In meinem Musical “Phantasma” geht es nicht nur um Liebe und Tod, sondern  auch um  Bewusstseinserweiterung, die sich in einer Art Selbstzerstörung  auflöst und ich hoffe, dass das Publikum mit neuen, musikalischen  Eindrücken nach Hause geht”.

Auf die Frage, ob der Einfluß seines Vaters Siegmund Nimsgern entscheidend für seine spätere musikalische Entwicklung war, antwortet Frank  Nimsgern ungezwungen: “Es war eine Ausbildung, die durch die persönliche Beziehung sehr intensiv war. Wir sind mit meinem Vater durch die ganze Welt gereist und ich habe dadurch unbezahlbare Eindrücke in die große Welt  der Musik gewonnen. Mein Vater gab sein Debüt am Saarländischen Staatstheater und wechselte später nach Düsseldorf. Von dort startete er seine internationale Operntätigkeit und wirkte als Bariton u. a. an der Mailänder Scala, als Verdi Barition und später bei den Bayreuthern Festspielen als Wotan im Ring unter Sir Georg Solti, sowie an der Convent Garden Opera in London. Aber ich habe trotz der musikalischen Beeinflussung durch meinen Vater immer versucht, meine eigene Richtung zu finden und mich künstlerisch selbst weiter zu entwickeln”.

Gerade weil sich das  progressive Musical derzeit beim jüngeren Publikum größter Beliebtheit erfeut, setzt  sich Frank Nimsgern weiter dafür ein, dass seine Produktionen auch in Zukunft außerhalb des Saarlandes in anderer Städten gesehen werden. Nimsgerns Fazit hierzu: “Ein Musical muss eine Geschichte erzählen und mit seiner Musik Emotionen erzeugen, die  mit Worten nicht mehr auszudrücken sind. Bei meiner Revue wie z.B. “Qi”, z. Zt. im Berliner Friedrichstadtpalast, führt die musikalische Kraft das Publikum so, dass es die Musik mit allen Sinnen wahrnehmen kann. In einem dramaturgisch gut gebauten Musical wie “Phantasma”  ist es besser, wenn die Musik gegenüber der Geschichte etwas in den Hintergrund tritt und somit der gesamten Aufführung mehr Kraft und Intensität verleiht. Als Komponist muss ich mich immer in die jeweilgen Charaktere hineinversetzen, gerade weil ein Musical viel provokanter und extremer sein darf “.

Quelle:

Dieter J. Maier

Bilder zum Vergrößern anklicken.

Write a clear title on the graph using https://college-homework-help.org/ a pen.
Druckansicht
  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks
Du musst Dich anmelden um einen Kommentar zu schreiben