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Wirtschaftsreform nach “Gutsherrenart”

Posted By Dieter J. Maier On 4. September 2009 @ 17:05 In Kommentare,Luxemburg,Politik,Regionen,Saarland,Wirtschaft | Comments Disabled

wendelin-von-boch1 [1]Laut einem Interview gegenüber dem saarländischen Rundfunk äußerte der Vorsitzende des Aufsichtsrats  Wendelin von Boch, dass das weltweit agierende saarländische Unternehmen Villeroy & Boch  beabsichtige, seinen Firmensitz in das nur 40 km entfernte  Luxemburg zu verlegen, falls die Linkspartei an der neuen Landesregierung beteiligt wird.

Die Verwaltung und die Unternehmensspitze ließen sich leicht ins Großherzogtum verlegen, wenn die neue Landesregierung eine sozialistische Wirtschaftspolitik betreibe. Wendelin von Boch gab jedoch zu bedenken, dass  weder von seiner Seite, noch vom Konzern-Vorstand eine entgültige Entscheidung gefallen sei. Es handele sich diesbezüglich noch um Erwägungen, die aber einen deutlichen politischen Kontext hätten. Ausschlaggebend waren hierbei Presseäußerungen von Oskar Lafontaine, im Falle einer Regierungsbeteiligung der Linken, Konzerne verstaatlichen zu wollen und die Besteuerung von “Reichen” empfindlich anzuheben.

Der  ver.di-Landesbezirksleiter Staudt zeigte sich angesichts der Androhung des Aufsichtsratsvorsitzenden von Boch bestützt und entäuscht. Dies stelle, so Staudt, einen ungeheuerlichen Erpressungsversuch des frei gewählten Landesparlamentes dar. Ebenso haben “Herr von Boch und seinen Getreuen” wohl noch nicht bemerkt, dass „der Absolutismus“ abgeschafft sei und auch im Saarland die parlamentarische Demokratie eingeführt wurde. Staudt fordert Herrn von Boch auf, Wahlergebnisse zu akzeptieren und nicht seine Gutsherrenart weiter zu pflegen.

Bei der Wahl am vergangenen Sonntag hatte Oskar Lafontaines Linkspartei den bisher größten Erfolg in Westdeutschland erzielt und war auf 21 Prozent der Stimmen gekommen. Erstmals könnte sie damit in eine westdeutsche Landesregierung einziehen.

Eine Regierungseinbindung der SPD mit den Linken ist aber sowohl den saarländischen Unternehmern, als auch der FDP in Saarbrücken, ein Dorn im Auge.  Somit schien es nicht verwunderlich, dass der Konzern Villeroy & Boch zusammen mit seinem prominenten Sprachrohr und früheren Vorstandsvorsitzenden eine Regierungsbeteiligung der SPD und der Saar-Linken verhindern will.  Erst im März hatte Villeroy & Boch angekündigt, das Luxemburger Werk im Stadtteil Rollingergrund komplett zu schließen, rund 230 Produktionsmitarbeiter  im kommenden Jahr zu entlassen und nur 90 Mitarbeiter in den Einzelhandelsgeschäften und in der Verwaltung weiter zu beschäftigen. Auch wurden von Villeroy & Boch harte Personaleinschnitte und Werksschließungen für das Gesamtunternehmen angekündigt. Insgesamt werden 900 Stellen abgebaut, die der Porzellan- und Keramikhersteller mit Umsatzeinbrüchen in Europa begründete.

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