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"Die Medizin hat ein gutes Fundament für die nächste Jahre"

Interview mit Bundesministerin Prof. Dr. Annette Schavan

26. August 2009

Am 24. August 2009  besuchten Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan und die CDU-Bundestagsabgeordnete Anette Hübinger den weltweit agierenden Mittelständler Hydac in Sulzbach. Im Mittelpunkt standen dabei die Besichtigung eines neu errichteten Forschungs- und Entwicklungs-Kompetenzzentrums für Fluidtechnologie und der damit verbundene Gedankenaustausch über neue Wege der Forschungs- und Entwicklungsförderung von Seiten der Bundes. Im Anschluss an die Werksbesichtigung stellte sich Bundesministerin Schavan den Fragen von Saar Report.

Dieschavanter J. Maier:

Frau Bundesministerin, Sie haben sich kürzlich dafür ausgesprochen, dass bis zum Jahr 2020 ca. 1 Mio Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein sollen. Wie wird zukünftig die neue, nachhaltige Mobilitätskapazität  auch von der Bundesregierung entwickelt und umgesetzt?

Bundesministerin Schavan:

Die Bundesregierung hat in der vergangenen Woche die nationale Strategie zur Förderung von Elektromobilität beraten und  verabschiedet. Um diese Förderung im Bereich der Elektromobilität weiter auszuweiten, bauen wir von Seiten der Bundesregierung Kompetenznetze  im Sektor der Elektrochemie auf. Ebenso haben wir einen Wettbewerb zur Auswahl von Modellregionen für das Elektroauto der Zukunft ausgeschrieben, denn es geht hier keineswegs nur um Batterieentwicklung, sondern auch um die Infrastruktur der einzelnen Produktionsstätten und um die Aufladekapazität des neuen Elektrofahrzeugs . All diese Fragen werden und sollen in in absehbarer Zukunft geklärt werden, um die Produktion dieses außergewöhnlich umweltfreundlichen Fahrzeuges schnell und sicher voranzutreiben. Wir werden  in den nächsten Jahren von der Forschung bis zur Produktion ein völlig neues Konzept für Mobilität entwickeln, das vor allem  leistungsfähig, bezahlbar und ressourcenschonend sein soll.

Dieter J. Maier:

Werden Sie in Zukunft als Ministerin für Forschung und Wissenschaft diesbezüglich auch Unternehmen im Saarland fördern und finanziell unterstützen?

Bundesministerin Schavan:

Ich werde mich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass Unternehmen  im Saarland und im gesamten deutschen Raum  im Bereich von Wissenschaft und Forschung unterstützt und gefördert werden.  Wir werden aber zukünftig noch stärker daran abeiten, technische Lösungen für mehr Nachhaltigkeit zu finden und die Produktentwicklung besser auzubauen. Das Besondere an unseren forschungspolitischen Konzeptionen ist, dass Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen mit den Unternehmen zusammenarbeiten, denn nur so kann auf Dauer wirkliche Innovation für die Zukunft erreicht werden.

Dieter J. Maier:

Gerade im Bereich der Medizin sind Krankheiten wie Aids, Vogelgrippe oder Hepatitis zwar erforscht , aber noch nicht heilbar. Wird sich die Bundesregierung  in nächster Zeit auch im medizinischen Bereich mehr Fördermittel zur Verfügung stellen, damit diese Krankheiten bald endgültig bekämpft werden können?

Bundesministerin Schavan:

Wir werden in Zukunft noch mehr Geld zur Erforschung und Bekämpfung dieser Krankheiten zur Verfügung stellen. Ein Beispiel kann ich Ihnen diesbezüglich hier in Saarbrücken nennen. Zukünftig gibt es innerhalb der Universität des Saarlandes ein Helmholz-Institut für pharmazeutische Forschung, das mit dem Helmholz-Institut in Braunschweig verbunden ist. Hier zeigt sich ganz deutlich, dass durch strukturelle Weiterentwicklung Forschung verstärkt  und Forschungsergebnisse schneller zum Patienten gelangen können. Somit entwickelt sich die Helmholz-Gruppe immer stärker zur nationalen Forschungseinrichtung, die im Bereich der sogenannten Volkskrankheiten ihren Schwerpunkt gesetzt hat. Hier geht es bei zwei Drittel aller Erkrankungen immer noch darum, die Ursache zu verstehen. Erst das Verständnis und die Aufklärung der Erkrankung gibt uns dann die Chance, sehr viel wirksamere und inividuelle Therapien zu entwickeln. Das ist für mich das eigentliche Ziel der Medizin. Wenn ich an die nächsten zehn Jahre im Bereich der Forschung denke, dann werden die Gesundheitsforschung einerseits und die breite Palette der Energieforschung andererseits bildlich gesprochen die “Flaggschiffe” der Forschung in Deutschland sein.

Dieter J. Maier:

Durch die neuen, biotechnischen Methoden sind in den letzten Jahren viele Krankheiten idetifiziert worden und  Therapieansätze gelungen, mit denen eine Krankheit erkannt oder gar geheilt werden konnte.  Hat Deutschland aus Ihrer Sicht einen maßgeblichen Anteil in der Pharmaindustrie?

Bundesministerin Schavan:

Deutschland hat in den letzten Jahren mit dem Heidelberger Mediziner Harald zu Hausen einen Nobelpreisträger gewonnen, der einen hochwirksamen Stoff gegen Gebärmutterhalskrebs entwickelte. Harald zu Hausen hat für mich das, was einen echten Wissenschaftler ausmacht: Neugier, Hartnäckigkeit und Erfindungsreichtum. Vor mehr als 30 Jahren gab es in den Medizinwelt das Gerücht, Herpesviren könnten Schuld daran sein, dass Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Harald zu Hausen, damals noch Leiter der Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, glaubte nicht daran. Er hatte zahlreiche Zellkulturen untersucht und nie auch nur Bruchstücke der Herpesviren gefunden. Statt dessen war zu Hausen auf einen ganz anderen Erreger gestoßen, das Humane Papillomavirus ( HPV). Ebenso gibt es in deutschen Krebs-Instituten exzellente Forschungsgruppen, die sich seit Jahren für die Bekämpfung weltweiter Krankheiten einsetzen. Ich finde, dass dies ein gutes Fundament für die neuen Investitionen in der Medizin für die nächsten Jahre ist.

Anmerkung der Redaktion: Saar Report dankt Herrn Carsten Trappe, Pressereferent im Büro von Frau Anette Hübinger, für die freundliche Unterstützung.

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