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Die Kunst des Lebens

Der Dalai Lama in Frankfurt

4. August 2009

Mit dem Abschlussvortrag ”Die Kunst des Lebens” endete am vergangenen Sonntag der viertägige Besuch des Dalai Lama in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main. 52.500 Besucher nutzten in diesen Tagen die Gelegenheit, dem spirituellen Vorbild von Millionen Menschen ganz nahe zu sein. Begleitet wurde der Besuch des Dalai Lama von einem interessanten Rahmenprogramm mit vielen, prominenten Teilnehmern aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft.

p1011851Insgesamt zogen die Veranstalter, die gemeinnützige Buddhismus in Frankfurt a.M. 2009 GmbH, mit ihren Gesellschaftern Deutsche Buddhistische Union, Pagode Phat Hue und Tibethaus Deutschland, eine positive Bilanz und dankten allen Beteiligten, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Nach seinem über zweistündigen letzten Vortrag in Frankfurt stellte sich der Dalai Lama den an der Hauptbühne  eingereichten Fragen des Publikums, wobei er gegenüber Saar Report besonders seine Anschauungen über “die Kunst des Lebens” verdeutlichte.

Dieter J. Maier:

Wie kann man für sich selbst zu innerer Zufriedenheit gelangen und Antworten auf wichtige Lebensfragen finden?

Dalai Lama:

Ganz im Überfluß und für nur sich zu leben bringt keine Freude im Leben und auch keine Freundschaften. Anstatt sein Geld mit unnützem Luxus zu verschwenden, sollte man sein Leben besser in den Dienst seiner Mitmenschen stellen.  Wenn es aber jemandem Spaß macht, sein Geld zur Schau zu stellen und enorme Summen für Glücksspiele oder Luxusartikel auzugeben, kann man sicher nichts dagegen sagen, solange es sich nicht um fremdes Geld handelt und niemand anderem damit geschadet wird. Trotzdem beeinträchtigt man mit einer solchen Lebenseinstellung sein ganzes Dasein. Man muss sich immer vor Augen halten, dass man ein menschliches Wesen ist und sich als solches nicht von einem Armen unterscheidet. Man braucht also, wie alle anderen Menschen, einen inneren Reichtum, den es weder im Supermarkt noch bei irgendwelchen Banken in Kreditform zu kaufen gibt. Im Moment ist wegen der weltweiten Finanzkrise die Kluft zwischen Arm und Reich sehr groß geworden und wird sich wohl im Laufe der Zeit sicher noch vergrößern. Den großen Ideologien, wie beispielsweise dem Kommunismus,  ist es nicht einmal ansatzweise gelungen, die Reichen dazu zu bringen, ihren Besitz mit den anderen zu teilen. Wer viel Geld besitzt, sollte es besser dazu verwenden, die Not von armen und leidenden Menschen zu lindern und den Bewohnern unserer Erde zu einem besseren Leben zu verhelfen. Es reicht allerdings nicht aus, viel Geld zu spenden oder für sinnvolle Projekte auszugeben, sondern man muss vor allem den Armen selbst die Möglichkeit geben, sich  zu bilden, ärztliche Versorgung zu erhalten und sie in die Lage versetzen, für ihre Bedürfnisse selbst aufzukommen. Es gibt für mich nichts traurigeres, als unglücklich sein Leben in Reichtum zu verbringen, ohne zum Glück der Mitmenschen beigetragen zu haben, die nicht die gleichen Chancen im Leben haben wie man selbst. Mir fällt in diesem Zusammenhang meine Mutter ein, die eine ganz einfache, liebevolle Frau war und weder lesen noch schreiben konnte. p1011853Obwohl sie über keinen persönlichen Reichtum verfügte, gab sie jedem Bettler, der unser Dorf aufsuchte, von dem wenigen, das sie hatte, noch etwas zu essen. Was ich damit sagen möchte ist, dass materielle Armut uns nicht daran hindern darf, großherzige Taten zu vollbringen, die viel wichtiger sind als jede Anhäufung von Reichtum.

Dieter J. Maier:

Wie gelangt man in unserer hektischen und kommerzialisierten Zeit zu Ruhe und Gelassenheit?

Dalai Lama:

Wir neigen dazu zu denken, dass eine Unstimmigkeit automatisch Konflikt bedeutet und es in einem Konflikt immer einen Sieger und einen Verlierer geben muß. Wir sollten also vermeiden, die Dinge aus diesem Blickwinkel zu betrachten und nach neuen Möglichkeiten der Verständigung suchen. Auch sollten wir zu mehr Ruhe und Gelassenheit gelangen, um auf der mentalen Ebene besser mit schwierigen Situationen umzugehen. Innere Gelassenheit ist in unserer Überflußgesellschaft der ausschlaggebende Impuls, den Sinn des Lebens nicht mehr zu verfehlen. Ebenso kann man  meiner Meinung nach einen offenen Geist auch ohne Religion entwickeln, wenn man sich seines Verstandes bedient und sich auch an den neuesten, wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert. Das Leben in einer Gemeinschaft ist meines Erachtens eine sehr gute Sache, vorausgesetzt, man hat sich frei dafür entschieden.  Diese Lebensform ist in sofern angemessen, weil sie sich von der natürlichen Abhängigkeit der Menschen untereinander ergibt, die  auch nicht konfliktfrei oder frei von Emotionen sein kann. Hierbei sollte man beachten, dass sich die menschliche Emotion, die ein Bewußtseinszustand mit starken Empfindungen ist, in zwei Ebenen unterscheidet, nämlich  in eine körperliche und eine geistige Ebene. Die körperliche Emotion tritt z.B. sehr plötzlich auf, wenn wir Furcht, Wut, Hass, Liebe oder Freude empfinden. Man kann jedoch diese Emotionen sowohl reduzieren als auch verstärken, wenn man sich seines Verstandes bedient. Wenn ich beispielsweise einen Menschen wegen seines schlechten Verhaltens hasse, bleibt er trotzdem immer noch ein Mensch, der es verdient, ernst genommen zu werden. Die tiefgreifende Sorge um seine Mitmenschen macht für mich den eigentlichen, wirklichen Menschen aus. Wenn es allerdings keine starken Emotionen geben würde, hätten wir auch keinen inneren Antrieb, unser Leben zu verbessern. Ich selbst habe den Samen des Mitgefühls in mir von meiner Mutter mitbekommen, um ausgeglichen und mitfühlend mit meinen Mitmenschen umgehen zu können und mein Leben sinnvoll zu gestalten.

Quelle und Fotos:

Dieter J. Maier

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Anmerkung der Redaktion:

Saar Report dankt dem Presseteam der  PSM & W Komunikation für die freundliche Unterstützung

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