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Historische Führung durch die Karlslust

Schloss Karlsberg- ein vergessenes Versailles

11. Juli 2009

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Seit einiger Zeit kann man auf dem Karlsberg bei Homburg wieder auf gut beschilderten Wegen Wanderungen zu den wenigen, noch erhaltenen Resten des legendären Schlosses Karlsberg unternehmen, die zum großen Teil wieder neu ausgegraben und restauriert wurden. Mit den neuen Wegbeschilderungen und Restaurierungsmaßnahmen der Schlossruinen hat es sich die Stadt Homburg zur Aufgabe gemacht, jedem interessierten Besucher die Geschichte von Schloss Karlsberg wieder näher zu bringen. Und das ist eine fantastische Geschichte. Sie handelt von der größten Landresidenz Europas-größer als Versailles. Von verwunschenen Parks, Tempeln und Theatern, Tiermanegarien, überhaupt von einem der großartigsten Orte aus der alten Zeit der Fürsten und Herzöge. Das alles und noch manches mehr hat es hier auf dem Karlsberg bei Homburg tatsächlich gegeben.

Es geht um die Geschichte von Herzog Karl August von Pfalz Zweibrücken, der es durch geschicktes politisches Kalkül fast geschafft hatte, zum drittmächtigsten deutschen Herscher zu werden. Mit dem Bau der größten europäischen Landresidenz wollte er seiner neugewonnenen Macht auch sichtbaren Ausdruck verleihen. Berühmt waren vor allem die antiken Sammlungen des Schlosses: das Naturalien-Kabinett, die Bibliothek, vor allem aber die prächtige Gemäldesammlung. Mit 150 Metern Länge war sie damals eine der Größten. Über 2000 Bilder kostbarster Art hingen hier. Heute sind die wenigen Reste der herzoglichen Sammlung im Besitz der alten Pinakothek in München, nachdem sie kurz vor der Zerstörung des Schlosses von Christian v. Mannlich kurzzeitig nach Mannheim in Sicherheit gebracht worden waren. Folgt man den Wegbeschilderungen weiter, gelangt man von den Grundmauern des Hauptpalais zu den Resten der Orangerie, die früher ein eigenes kleines Schloss für sich gewesen war. Hier wurden vor allem die empfindlichen Winterpflanzen und die Höflinge untergebracht. Etwas 200 Meter links der Orangerie gelangt man zur Karlslust, dort befinden sich heute noch die Ruinen des sogenannten” Bärenzwingers”. Zwar ist unbekannt, ob hier wirklich Bären gelebt haben, aber dass hier Raubtiere gehalten wurden ist sicher.

Es gibt noch viel zu erzählen und noch viele Geheimnisse, die wir heute nach diesem zeitlichen Abstand aber kaum noch ergründen können. Zum Beispiel, wie der Schwanenweiher (der durch eine Sanierungsmaßnahme der pfälzischen Landesregierung seit einiger Zeit wieder in neuem Glanz erstrahlt) tatsächlich genutzt wurde. Denn schriftliche Aufzeichnungen von Schloss Karlsberg und seiner Anlagen im Schlosspark gibt es nur wenige. Die ganze Pracht hat auch nur knapp 10 Jahre gestanden. Nachdem wenige Jahre nach der französischen Revolution die Revolutionstruppen ( nachdem sie vorher Wochenlang Strohballen in das geplünderte Schloss herangeschafft hatten) Schloss Karlsberg schließlich anzündeten, brannte die gesammte Anlage bis auf die Grundmauern nieder. Jahrzehntelang wuchs Wald über den spärlichen Mauerresten und begrub die Erinnerung, an die man nicht gerne mahnte. So wurde Schloss Karlsberg im Laufe der Jahrhunderte zu einem vergessenen Versailles- von dem nur wenig geblieben ist. Zugegeben- es braucht etwas Fantasie um Einigen unserer Spaziergänge auf dem Karlsberg nachzufolgen. Aber trotzdem finden wir sie dort auf den verzweigten Wegen der Karlslust immer wieder- die spannenden Spuren der Vergangenheit. Ein Erbe, das die Homburger lebendig halten und dem einige sogar ihre ganze Freizeit widmen.

Quelle:
Dieter J. Maier

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Categories: Zeitgeschichte
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