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Poesie mit Stimmgewalt

Opernabend mit Anna Netrebko in Baden-Baden

31. Juli 2009

jolanthe Warum reist der Opernliebhaber nach Baden-Baden? Ein Grund ist natürlich das Festspielhaus, um dort internationale Stars einmal live zu erleben, die man sonst im heimatlichen Opernhaus nicht zu hören bekommt und nur aus Funk und Fernsehen kennt. So erlebten die Festspielbesucher der bekannten Kurstadt am vergangenen Mittwoch intensives Musiktheater in einer ungekürzten Fassung von Rachmaninows ” Aleko” und Tschaikowskys wenig bekannter Oper “Jolanthe” mit Weltstar Anna Netrebko.

Netrebko hatte nach ihrer Babypause überraschend schnell wieder zu ihrer alten Form zurück gefunden. Ihre schlanker Sopran, immer schon durch schier unendlichen Atem und strahlender, durchdringender Stimmgewalt veredelt, schien auch diesmal unverändert sicher und unangestrengt. So geriet die Primadonna auch im Duett mit Tenor Piotr Beczala nicht ins Hintertreffen und Dank der elegisch-fließenden Musikbegleitung strahlte Netrebkos verschattender, aber höhenstarker Mezzo im ausverkauften Baden-Badener Forum noch schöner. Zu einem atemberaubenden Kehlkopf-Konzert gerieten ihre Arien voller leuchtender Koleraturketten, gesungen mit rücksichtslosem Einsatz. In Tschaikowskys 1892 entstandener, letzter Oper brillierte Anna Netrebko in der Rolle der blinden Königstochter Jolanthe, die wegen ihrer Liebe zu einen burgundischen Ritter aus ihrem farb- und formlosen Dasein befreit wird und schließlich  ihr Augenlicht wiedererlangt. Gerade weil die äußere Handlung von Tschaikowsky auf das Wesentliche reduziert wurde, spielt sich die eigentliche Paragnosie im Inneren der Figuren ab. In gut eineinhalb Stunden erlebten die Zuschauer eine eindrucksvolle Vorstellung in allen Belangen.

Dem Dirigenten Valery Geriew gelang es, das Orchester des Mariinsky-Theaters zu ungeahnten Höchstleistungen anzuspornen. Nicht selten verließ Geriew in seiner Partitur die klassische Harmonieordnung und stieß  in atonale Welten vor. Neben der anspruchsvollen Musikleistung  wurde die Rhythmik von starker Unregelmäßigkeit geprägt. Nur selten glitt das Orchester in romantische Melodiebögen ab, meisterte jede musikalische Hürde mit Bravour und schaffte es sehr gut, die dunkele Stimmung, die sich durch das gesamte Werk zog, aufzufangen. Trotz der technisch und körperlich schwierigen Rolle konnte Anna Netrebko die Spannung ohne Probleme aufrecht erhalten. Erst in der Schlussszene tritt Jolanthe aus ihrer Isolation und übernimmt in der religiös stilisierten Apotheose auch die musikalische Führung. Mit Anna Netrebko in der Rolle der Jolanthe ist dem Festspielhaus Baden-Baden ein wahrlich großer Wurf gelungen, obwohl der musikalische Weg der Sopranistin bisher nicht ganz  frei von Allüren war. Aufsehen geregte Anna Netrebko bereits im Sommer 2007, als sie auf Grund von Stimmband-Problemen ihr Engagement bei den Salzburger Festspielen kurzfristig absagte und durch ihr Nicht-Erscheinen eine Diskussion über die “Belastbarkeit von Opernstars” auslöste.

Trotz allem wirkte Anna Netrebko bei ihrem letzten Saisonauftritt in Baden-Baden gelöster als sonst und auch die zusätzlichen Babypfunde machten sie sympathischer und authentischer. Am Schluss gab es verdienten Beifall, anhaltende Bravo-Rufe und man sah, trotz Verbots der Theaterleitung, zahlreiche Foto-Handys im Einsatz.

Anmerkung der Redaktion: Saar Report dankt dem Festspiehaus Baden-Baden für die freundliche Unterstützung.

Quelle:

Dieter J. Maier

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