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Edle Brautradition in Geschichte und Gegenwart

Die Geschichte der Karlsbergbrauerei – Teil 3

7. Juli 2009
Dr. Richard Weber

Foto: Karlsberg Brauerei

Nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg erholte sich die Karlsberg-Brauerei relativ rasch von den Kriegsschäden, unter anderem, weil das Saarland unmittelbar nach Kriegsende an Frankreich angeschlossen wurde und der Karlsberg-Brauerei damit zügig neue Vertriebswege öffnete. 1957 braute die Karlsberg-Brauerei erstmals das bekannte “Feingold-Pils”, das in den goldenen 60 Jahren regelrechten Kultstatus genoss. Die Stars des damaligen Unterhaltungsfernsehens wie Peter Frankenfeld, Lou van Burg, Walter Giller, aber auch Weltstar Curd Jürgens stellten sich unter dem Motto: “Feingold-Pils, ganz mein Geschmack” gerne für Werbespots mit der Karlsberg-Brauerei zur Verfügung. Ab 1962 versorgten eigene Karlsberg Vertriebsniederlassungen und Fahrverkäufe neben dem Saarland auch die Pfalz und Teile von Hessen, schließlich auch Bayern und Teile von Nordrhein-Westfalen. Mit weiteren Erfolgsmarken ebnete sich das Unternehmen den Weg an die Spitze und führte 1968 als eine der ersten Brauereien das EDV-System ein, welches die enorme Verwaltungsarbeit erheblich erleichterte.

1974 überwand” Karlsberg” erstmals die 1 Million Hektoliter-Grenze, als erste Brauerei auf dem deutschen öffentlichen Biermarkt. Das waren natürlich enorme Erfolge und einer der besten Anlässe, den offiziellen 100.Geburtstag der Karlsberg-Brauerei noch größer und festlicher als geplant zu feiern. Um den eigentliche Tag der Firmengründung, den 28 Mai, bewegten sich 1978 eine ganze Reihe festlicher Anlässe, die mit dem Jubiläum in Zusammenhang standen und mit der Einweihung des Chrisian Weber-Brunnens in Altstadt und dem Karlsberg-Fest auf dem Homburger Enkler-Platz ihren Höhepunkt fanden. An diesem Ehrentag dankte die Unternehmensleitung besonders ihrem geschäftsführenden Gesellschafter Dr.Paul Weber für das vielfältige Engagement in vielen Gremien des öffentlichen wirtschaftlichen und kulturellen Lebens, aber auch für seine enormen Leistungen innerhalb des Unternehmens, welches unter seiner Leitung einen so erstaunlichen Aufschwung seit Kriegsende erlebt hatte. Für seine großen Verdienste wurde wurde Dr. Paul Weber bereits 1977 mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Doch trotz aller Erfolge blieb Dr.Paul Weber zeitlebens ein offener, volksnaher und bescheidener Mensch, dem der persönliche Kontakt mit seinen Mitarbeitern, aber auch mit den Homburger Bürgern besonders am Herzen lag. Unter der neuen Firmenleitung seines Sohnes Dr.Richard Weber ging die Karlsberg-Brauerei in den 1980er Jahren auf  einen neuen Wirtschafts-Kurs. 1991 besinnt sich das Unternehmen auf seine adeligen Ursprünge: Das Profil des Herzogs Karl August thront seither auf dem Firmenlogo.

1994 stirbt Dr. Paul Weber im Alter von 78 Jahren. Mit seinem Tod ging ebenso wie bei seinem Großvater Christian Weber eine Firmenära zu Ende und am Paul Weber-Haus in der Homburger Eisenbahnstraße standen die Fahnen auf Halbmast.Doch trotz aller Trauer um den ehemaligen Firmenchef mussten neue Organisationsstrukturen geschaffen werden. Das Dienstleistungssegment wird in den Folgejahren durch den Gastronomiezulieferer Südwest-Getränke Plus GmbH und die Gründung der Karlsberg Logistig GmbH (1999) ausgebaut. In der Vorbereitung einer internationalen Partnerschaft wird 2002 die gesellschaftliche Umstrukturierung der Karlsberg-Brauerei in drei Dachgesellschaften als Fundament durchgeführt. Außerdem wird die Distribution des Biersegments im Karlsberg-Vebund im nationalen- und internationalen Bereich erweitert.  Im Juli 2009 wurde jedoch die “Bierehe” zwischen der Karlsberg-Gruppe und den Geschäftspartnern Schöngruber ( München) und Heinecken  (Niederlande) wieder geschieden. Demnach hatte zuvor ein einstimmiger Gesellschafterbeschluss der Familie Weber und der Karlsberg-Brauerei KG Weber beschlossen, die bisher von der Brau Holding  International ( BHI) gehaltenen Anteile von 45 Prozent komplett zurückzuerwerben.  55 Prozent der Anteile an der bisherigen Karlsberg Brand ( KIB) waren ohnehin immer im Familienbesitz.  Die deutschen Vertriebsrechte an dem Tequila–Bier ” Desperado” ( 125.000 Hektoliter) gab  Karlsberg allerdings sofort an Heineke zurück.  Aus regionaler Sicht war es somit erfreulich, dass die Traditions-Brauerei mit diesem Schritt wieder komplett in saarländische Hände ging und es hatte sich besonders in diesem Fall erwiesen, dass die  Zusammenarbeit mit deutlich größeren Partnern wie Schöngruber und Heineken nicht immer erfolgsversprechend sein muss und sich am Ende sogar für beide Seiten als “unglücklich” herausstellte.

Quelle:
Dieter J. Maier

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