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Röder und die Nacht der Wende

Das Saarland: wie es entstand und sich entwickelte

3. Juli 2009

Es war einer der denkwürdigsten Augenblicke in der Geschichte des Saarlandes, als in der Nacht zum 5. auf den 6.Juni 1959 der damalige Ministerpräsident Franz Josef Röder am Eichelscheid bei Homburg die französische Zollschranke hob und damit den Weg zum wirtschaftlichen Anschluss des Saarlandes an den bundesdeutschen Wirtschaftsraum freigab.

Franz-Josef Röder (Mitte) mit Konrad Adenauer (links) und Helmut Bulle (rechts)

Foto: Hellriegel
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Die französische Währung wurde durch die deutsche Mark ersetzt und ein enormer wirtschaftlicher Aufschwung zeichnete sich ab. Noch 100 Jahre zuvor wäre eine solche Veränderung undenkbar gewesen, weder in politischer, noch in kultureller oder in wirtschaftlicher Sicht. Der größte Teil des heutigen Saarlandes gehörte damals zu Preußen, dessen Truppen unter Otto von Bismark 1870 aus Anlass des Deutsch-Französischen Krieges in Homburg einmaschierten, obwohl Homburg damals noch zum Königreich Bayern gehörte. Den zweitgrößten Teil des  Saarlandes hatten sich nämlich bis 1925 die Bayern einverleibt und den kleinsten Teil an das Herzogtum Oldenburg abgetreten. Nach dem verlorenen ersten Weltkrieg und dem Niedergang der Weimarer Republik übernahmen die Nationalsozialisten auch im Saarland die Macht. Nach dem zweiten Weltkrieg, der unendliches Leid, Not und Zerstörung mit sich brachte und der darauffolgenden Besetzung des Saarlandes durch die Franzosen, stimmte eine Opposition 1955 gegen die enge Bindung des Saarlandes an den französischen Wirtschaftsraum und somit gegen die wirtschaftlichen Reformen des damaligen ersten Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann( Joho) , der nach der Volksabstimmung am 23.10.1955 kurz darauf zurücktrat. 67,7 Prozent der Saarländer hatten sich damals gegen das Saarstatut entschieden. Hoffmann zog sich daraufhin verbittert aus der aktiven Politik in eine Art innere Immigration zurück.

Die Saarschleife bei Mettlach

Foto: Wolfgang Staudt
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Nach einer Übergangsregierung unter den Ministerpräsidenten Heinrich Welsch, Dr. Hubert Ney und Egon Reinert wurde Dr. Franz Josef Röder am 30.April 1959 zum fünften Ministerpräsidenten des Saarlandes gewählt, das zwei Jahre zuvor als eigenständiges Bundesland politisch in die Bundesrepublik eingegliedert worden war. In den kommenden zwanzig Jahren entwickelte sich das Saarland, bedingt durch Kohle und Stahl, zu einer starken Wirtschaftsmetropole. Die Hauptstadt Saarbrücken wurde bald zur Messe-Kongress-und Einkaufsstadt mit einem vielfältigen Musik-und Theaterangebot. Die Jahre, in denen Franz Josef Röder die Geschicke des Landes lenkte, waren politisch wie wirtschaftlich höchst  erfolgreich. Nach dem Anschluß an die Bundesrepublik wurden im Saarland nach Osten, entlang der Saar und zur goldenen Bremm hin Autobahnen gebaut, die Wirtschaft boomte und die wichtigsten Bundespolitiker gaben sich in Saarbrücken die Klinke in die Hand.

Es herrschte Vollbeschäftigung, obwohl unter Röder eine Kohlekrise nach der anderen folgte.  Jedoch zu Beginn der 70er Jahre zeigten sich in der Montanindustrie die ersten Vorboten,die bald zu einer wirtschaftlichen Krise führen sollten, von der sich das Saarland finanziell bis heute nicht erholt hat.  Am 25. Juli 1979 verkündete Ministerpräsident Röder im saarländischen Bericht, dass er am 31.Oktober zurücktreten werde und als seinen Nachfolger Werner Zeyer vorschlage.  Zur Erklärung sagte er damals wörtlich: ” Ich wollte mit der Bekanntmachung des Termins allen weiteren Spekulationen den Boden entziehen und die Angelegenheit selbst regeln. Ich gehe nicht gern, aber ich gehe”.  Besonders tragisch daran war, dass Franz Josef  Röder einen Tag später in seiner Saarbrücker Wohnung in der Röntgentraße überraschend an einen Herzinfakt starb, so dass seine Worte einen Tag zuvor wie ein Vermächtnis nachklangen. Nach dem Tode  Röders begann dessen Nachfolger Werner Zeyer mit der wirtschaftlichen Umstrukturierung des Saarlandes. Zeyer wurde 1985 durch Oskar Lafontaine abgelöst, ihm folgte 1998 Reinhard Klimmt, der am 29. September 1999 ebenfalls durch den jetzigen Ministerpräsidenten Peter Müller abgelöst wurde. Das Saarland entwickelte sich im Zuge der Umstrukturierung zu einem leistungsfähigen Wirtschaftsstandort und einem attraktiven Bundesland mit viel Kultur und Natur. Und es kann in der Großregion SaarLorLux neben den anderen Bundesländern durchaus mit bedeutenden, touristischen Attraktionen wie der Völklinger Hütte ( Weltkulturerbe), den Homburger Schlossberghöhle, der Saarschleife bei Mettlach und dem Saarbrücker Schloss aufwarten.

Quelle:
Dieter J. Maier/ Foto-Dr. Franz Josef Röder: Staatskanzlei Saarbrücken

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