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"Das spielen vor Publikum ist für einen Künstler das Größte"

Interview mit Wolfgang Niedecken

3. Juni 2009

Mit einem musikalischen Leseabend voller Intensität und Ausdruckskraft begeisterte Bap-Sänger Wolfgang Niedecken mit Songs von Musiklegende Bob Dylan am 20.Mai im St. Wendeler Saalbau nicht nur seine saarländischen Fans. Zwei Seelen kamen zusammen, als Niedecken aus dem ersten Teil der Autobiographie ” Chronicles” von Bob Dylan las, in der dieser mit den Mythen um seine Person und seinem musikalischen Werk aufräumt. Im Anschluss an das ausverkaufte Konzert sprach Wolfgang Niedecken mit Saar Report u.a. über seine persönliche Beziehung zu Bob Dylan und seine eigenen musikalischen Anfänge.


Dieter J. Maier:

Was würdest du auf die Frage, was Dich mit Bob Dylan verbindet, spontan antworten?

Wolfgang Niedecken:

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Wolfgang Niedecken - Foto: Dieter J. Maier

Zwischen Bob Dylan und mir besteht schon so etwas wie eine Seelenverwandtschaft, denn Dylan lässt in seine Songs, genau wie ich, sehr viele persönliche Erfahrungen und Emotionen einfließen. Bevor ich das Hörbuch über Bob Dylan aufnahm, habe ich mich durch Bücher und Filme sehr genau über ihn informiert, um diese musikalische Lesung  so authentisch wie möglich zu gestalten. Dies fiel mir auch auf Grund von persönlichen Treffen, die ich schon vor Jahren mit ihm hatte, nicht besonders schwer. Ohne den Einfluss von Bob Dylan wäre ich nie Musiker geworden, denn ich habe über ihn auch sehr viel über mich selbst gelernt und weiß heute, wie wichtig es ist, seiner eigenen musikalischen Richtung zu folgen. Seine von ihm gar nicht so gern titulierte “Never Ending-Tour” ist ein Teil seines Lebens geworden, auf der er sich in seinem eigenen Stil immer wieder neu entdeckt und verwirklicht hat. Ich selbst finde, dass das Spielen vor Publikum das Größte ist, das man als Musiker erleben kann, denn das gemeinsame Erleben schweißt auch mit den Fans zusammen. Diese musikalischen Lesungen mit den Dylan-Songs habe ich jetzt schon über sechzig Mal vor ausverkauften Häusern gemacht und mittlerweile fließt hier auch schon sehr viel von meiner eigenen Persönlichkeit hinein, weil ich mich an verschiedenen Punkten in Dylans Leben selbst wiederfinde. Livekonzerte sind für mich das Größte, denn um musikalisch wirklich gut zu sein, können Tonträger eigentlich nur als Hilfsmittel dienen.

Dieter J. Maier:

Aus welchem Grund hattest du als Einziger nach dem ausverkauften Konzert in der Saarbrücker Saarlandhalle noch eine persönliche Begegnung mit Bob Dylan Backstage?

Wolfgang Niedecken:

Das ist eine längere Geschichte. Es gibt in Hannover eine Firma, die so phantastische Gitarren herstellen, dass sie weltweit bei Gitarristen zu einem absoluten Begriff geworden sind. Bob Dylan hat sein aktuelles Album mit dem Gitaristen *Mike* Campbell aufgenommen, der eine sogenannte “maßgeschneiderte” Duesenberg-Gitarre von dieser Firma besitzt. Bob Dylan war von dieser Gitarre so begeistert, dass er sich sofort mit der Firma in Hannover in Verbindung setzte. Die Fachleute von Duesenberg haben dann für Dylan eine Gitarre entwickelt, bei der man mit einem ganz neuen Prinzip die Tonarten verstellen kann. Ich wurde später von der Firma gefragt, ob ich nicht Lust hätte, Bob Dylan diese Gitarre bei seinem Konzert in Saarbrücken persönlich zu überreichen, was ich natürlich gerne tat. Ich habe Bob Dylan vor zehn Jahren schon einmal über den bekannten Regisseur Wim Wenders kennen gelernt. Bob Dylan und Wim Wenders kennen sich seit 35 Jahren und über diese gemeinsame Bekanntschaft war unser Treffen in Saarbrücken dann auch auf einer persönlichen Ebene ganz locker und entspannt.

Dieter J. Maier:

Verbindet Dich mit Rocklegende Bruce Springsteen so etwas wie eine jahrzehntelange Freundschaft?

Wolfgang Niedecken:

Bruce Springsteen und ich sind eher sehr gute Bekannte als Freunde. Einen Freund kann man morgens um 4 Uhr anrufen, wenn es einem schlecht geht. Da ich allerdings nie auf die Idee käme, Bruce Springsteen morgens um 4 Uhr anzurufen, gehe ich mit dem Begriff Freundschaft eher vorsichtig um. Ich habe mit Bruce eine wirklich gute, kollegiale Bekanntschaft und wir verstehen uns seit vielen Jahren hervorragend. Er ist, trotz seines weltweiten Erfolges, ein absolut netter und bodenständiger Mensch geblieben, der nie in irgendeiner Art und Weise überheblich reagieren würde. Natürlich ist er ein Weltstar, aber er lässt das weder seine Fans bei Konzerten spüren, noch würde er privat durch Allüren auf sich aufmerksam machen.

Dieter J. Maier:

Der Titel “Verdammt lang her” ist nicht nur bei BAP-Fans generationsübergreifend zu einem Begriff geworden. Auch sonst kennt fast jeder eure Band, die zu Köln gehört wie der Dom oder der Rhein. Wie waren damals eure Anfänge?

Wolfgang Niedecken:

Angefangen haben wir Anfang der 70er Jahre als Hobbyband. Wir trafen uns damals mit einer Clique von ca. 20 Leuten einmal pro Woche, um aus Spaß an der Musik zunächst einfach nur für uns zu spielen und einen Kasten Bier leer zu proben. Ich bin selbst aus der Generation, die in den 60er Jahren in *Beat* Bands gespielt hat und irgendwann wollte ich etwas anderes machen, am Besten etwas eigenes, das vorher noch niemand aufgenommen hatte. In unserer Band spielten wir hauptsächlich Songs von Bob Dylan, den Beatles oder den Rolling Stones. Mir persönlich war das Nachspielen von Song bekannter Bands auf Dauer einfach zu wenig und so spielte ich während einer Musikprobe einen eigenen Song auf Kölsch an, den meine Bandmitglieder so gut fanden, dass alle zu mir sagten: *”Dat ess joot, mach mieh vun”* und das habe ich dann auch bis heute gemacht.

Dieter J. Maier:

Die Musiklesung “Wolfgang Niedecken liest Bob Dylan” wurde deutschlandweit zu einem großen Erfolg. Wie kamst du auf die Idee, deine Fans mit dieser neuen Art von Musiklesung zu unterhalten?

Wolfgang Niedecken:

Als Bob Dylan den ersten Teil seiner Autobiographie geschrieben und veröffentlicht hatte, fragte mich sein Verleger, ob ich nicht das Hörbuch dazu lesen könnte. Ich habe natürlich gerne zugesagt und mir wurde die deutsche Fassung auch ein paar Wochen früher zugesandt als vorgesehen. Zusammen mit dem Verlag kam ich dann auf die Idee, eine kleine Hörbuchlesung durch Deutschland zu machen. Zunächst war nur eine Lesung de Buches vorgesehen, aber ich machte dem Verlag dann den Vorschlag, dabei noch die Songs von Bob Dylan auf der Bühne zu singen. Die Premiere in Hamburg, die ein großer Erfolg wurde, ermutigte uns, auf den folgenden sechzig Stationen mit dieser Art von neuer Musiklesung weiter zu machen und der Erfolg gab uns bis heute Recht.

Dieter J. Maier:

Wolfgang, vielen Dank für das Gespräch.

Die Redaktion Saar Report dankt Prof. Leonardy und dem Team der Musikfestspiele Saar für die freundliche Unterstützung.

Quelle:
Dieter J. Maier

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