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"Ich will das entgegengebrachte Vertrauen weiter bestätigen"

Interview mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden Dr. Stefan Schulte, Fraport AG

26. Juni 2009

cheap essay Der Aufsichtsrat der Fraport AG hat Anfang März diesen Jahres den 48 jährigen Dr. Stefan Schulte zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt. Schulte löst somit  den langjährigen Vorstands-Chef  Dr. Wilhelm Bender ab, der Anfang August 65 Jahre alt wird. In einem exklusiven Interview äußerte sich Dr. Stefan Schulte gegenüber Saar Report u.a. über den Unternehmenserfolg und die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens Frankfurt.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Schulte, der Aufsichtsrat der Fraport hat Sie mit Wirkung ab dem 01.September 2009 zum neuen Vorstandsvorsitzenden für die nächsten fünf Jahre bestellt. Welche zentralen Aufgaben verfolgen Sie, um die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandorts Frankfurt im internationalen Ranking zu sichern?

Dr. Schulte:

Zunächst gilt es die erfolgreiche Unternehmenspolitik der Fraport AG, die ich in den letzten sechs Jahren bereits als Vorstandsmitglied mitgestaltet habe, fortzusetzen. Der nachfragegerechte Ausbau des Frankfurter Flughafens ist dabei natürlich das Top-Thema, denn er versetzt uns in die Lage, langfristig im Wettbewerb der großen internationalen Luftverkehrsdrehkreuze zu bestehen. Der Ausbau ermöglicht ab 2011 eine Erhöhung der stündlichen Flugbewegungen von 83 auf 126. Passage und Fracht erhalten damit genügend Start- und Landekapazität und müssen nicht um begehrte Slots – also Zeitfenster für Starts und Landungen – rangeln. Weiter sind ein striktes Investitions- und Kostenmanagement, die Finanzierung unseres Ausbaus, eine nachhaltige Unternehmensentwicklung und weitere Akzente in der Dienstleistungs- und Kundenorientierung wesentliche Ziele meiner Arbeit.

Dieter J. Maier:

Der Aufsichtsrat setzt besonderes Vertrauen in Ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Was beinhaltet dies für Sie?

Dr. Schulte:

Ich will das Vertrauen, das der Aufsichtsrat mir und meiner Arbeit entgegenbringt, natürlich bestätigen. Wichtig ist, dass wir unsere Stärken als Flughafenbetreiber weiter ausbauen und alle Geschäftsbereiche ihren Beitrag zum Erfolg des Unternehmens erbringen. Erfolg haben wir als Mannschaft, wenn wir alle gemeinsam und jeder an seinem Platz und in seiner Verantwortung das Beste für Fraport und unsere Flughäfen, für unsere Kunden geben. Ein offenes und ehrliches, von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägtes Miteinander und Zusammenarbeiten ist mir dabei im konstruktiven Diskurs um die beste Lösung, den besten Arbeitsablauf im Interesse unseres Unternehmens und unserer Kunden wichtig.

Dieter J.Maier:

Die akute Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch Fraport erreicht. Es gilt ein schwieriges Geschäftsjahr als besondere Herausforderung zu bewältigen. Durch den starken Rückgang des Luftfrachtaufkommens um bis zu 25% sind seit Mitte März rund 500 Mitarbeiter der Fraport Cargo Services (FCS) von Kurzarbeit betroffen. Jetzt geht es um die Zukunft der Bodenverkehrsdienste. Steht Fraport hier vor einem Ausgründungsszenario von mehreren tausend Mitarbeitern des Stammpersonals und ist angesichts hoher Konzernüberschüsse dies wirklich notwendig?

Dr.Schulte:

Hier gibt es zwei Aspekte zu beachten: Da wir zusätzliche Kunden gewinnen konnten und damit die abzufertigenden Frachtmengen ein zumindest zufriedenstellendes Niveau erreicht haben, konnten wir die Kurzarbeit für die Beschäftigten der FCS inzwischen wieder beenden. Insbesondere dem Gewinn des neuen Großkunden Air China, dem drittgrößten Frachtcarrier am Flughafen Frankfurt, ist dies zu verdanken. Das zeigt, dass auch und gerade in schwierigen Zeiten die Akquisition neuer Kunden wichtiger denn je ist.

Das zweite von Ihnen angesprochene Thema „Zukunft der Bodenverkehrsdienste“ steht natürlich ganz oben auf der Agenda. Wir verhandeln hier mit den Interessenvertretungen der Arbeitnehmer und wollen eine für beide Seiten tragfähige und dauerhafte Lösung finden, die Arbeitsplätze sichert, und zwar in den bestehenden Strukturen. Ich hoffe sehr, dass wir hier in den nächsten Monaten zu einem einvernehmlichen und tragfähigen Ergebnis kommen werden. Wenn nicht, sehe ich allerdings Gefahr für Arbeitsplätze. Denn die Konkurrenz schläft auch am Flughafen Frankfurt nicht und wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, in einem harten Wettbewerb zu bestehen. Wobei wir unseren Verhandlungspartnern auf Airlineseite auch immer wieder deutlich machen: Natürlich muss Top-Qualität auch ordentlich bezahlt werden.

Dieter J. Maier:

Der Flughafenausbau wird entschlossen vorangetrieben und die Inbetriebnahme der neuen Landebahn soll zum Winterflugplan 2011 sichergestellt werden. Welche weitere Ausbauprojekte sind in Planung bzw. langfristig angedacht?

Dr. Schulte:

Neben der neuen Landebahn im Nordwesten des Flughafengeländes planen wir ein neues Terminal im Süden, das in einem mehrstufigen Bauprozess unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte errichtet wird. Und wir arbeiten bereits seit Jahren an der Modernisierung und Ertüchtigung der bestehenden Fluggastanlagen. Für diese Projekte werden wir insgesamt rund sieben Milliarden Euro investieren. Diese Investitionen sichern nicht nur die Zukunftsfähigkeit des Flughafens Frankfurt, sondern kommen auch der Umwelt zugute! Unser Ziel ist, den Flughafenausbau CO2-neutral umzusetzen und bis 2020 pro Passagier und pro 100 Kilogramm Luftfracht die CO2-Emissionen um 30 Prozent zu senken.

Dieter J. Maier:

Fraport ist weltweit in Form von Managementverträgen an nationalen und internationalen Verkehrsflughäfen beteiligt. Hierbei hat sich Frankfurt Hahn als kostenintensive und unrentable Beteiligung  heraus kristallisiert und wurde wieder abgestoßen. Wie sieht die Entwicklung der größten Beteiligungen aus und sind neue Beteiligungen an Flughäfen in absehbarer Zukunft geplant?

Dr. Schulte:

In den vergangenen Jahren hat sich unsere Grundsatzentscheidung, das weltweit anerkannte Fraport-Know how auch international zu vermarkten, als richtig und überaus erfolgreich erwiesen. Diesen Weg fraport-rollfeld-schulte werden wir konsequent weitergehen, mögliche neue Beteiligungsprojekte genau analysieren und uns dort engagieren, wo wir mit hoher Wahrscheinlichkeit einen positiven Geschäftsbeitrag erzielen können. Längst tragen unsere Engagements in aller Welt maßgeblich zum Unternehmenserfolg bei – dazu gehört im Übrigen auch der Flughafen Lima! Hier haben wir 2008 das erste Geschäftsjahr voll konsolidiert und sowohl bei Passagierzahlen als auch im Luftfrachtgeschäft kräftig zugelegt. In Antalya haben wir bereits im September 2007 im Rahmen des bis 2024 laufenden Konzessionsvertrages das zweite Fluggastgebäude übernommen und in der Folge von einem starken Verkehrsanstieg profitieren können. Ab September 2009 betreiben wir hier dann auch das dritte Terminal.

Neben unseren bisherigen Aktivitäten in den asiatischen Boommärkten Indien und China, wo wir bereits mit dem Hub-Airport in Delhi sowie dem bedeutenden Regionalflughafen in Xi’an präsent sind, streben wir weitere Engagements in diesen dynamischen Luftverkehrsmärkten an. Positiv entwickelt hat sich auch unsere Präsenz in Saudi-Arabien: Hier sind wir seit Frühsommer 2008 mit Management, Betrieb und Weiterentwicklung der beiden Flughäfen in Jeddah und Riyadh beauftragt. Während der Vertragslaufzeit von sechs Jahren werden Fraport Management Teams neben dem Tagesgeschäft eine Vielzahl von Projekten leiten, die sich u. a. der Verbesserung der Servicequalität und der nachhaltigen Steigerung des Verkehrswachstums widmen. Unser Engagement am Flughafen Frankfurt-Hahn haben wir beendet, da wir nach intensiven Diskussionen und Entscheidungen auf Gesellschafterebene keine realistische Möglichkeit sahen, unsere Zielsetzung zu erreichen, den Flughafen auf Sicht in die Gewinnzone zu bringen. Aus diesem Grund haben wir mit dem Land Rheinland-Pfalz eine Übernahme unseres Anteils verhandelt und diese Verhandlungen Anfang Februar erfolgreich abgeschlossen.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Schulte, vielen Dank für das Gespräch.

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Quelle:
Dieter J. Maier / Bilder: Dieter J. Maier u. Fraport AG

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