"Wir müssen uns zu Wachstum und Erneuerung bekennen"
Interview mit dem Ersten Bürgermeister Hamburgs Freiherr Ole von Beust

- Fotos: Dieter J. Maier
Der erste Hamburger Bürgermeister Ole von Beust hat am 12.Mai die heiße Phase des saarbrücker Kommunalwahlkampfes eingeläutet.
Der aristokratisch wirkende Hanseat verkörpert wie kein anderer die CDU als moderne Großstadtpartei, so zumindest sieht Finanzminister Peter Jakoby den Wahlkampfauftritt des Hamburger Stadtoberhaupts. Was die saarländische CDU darunter versteht, hat die Partei auf 27 Seiten in ihrem vorgelegten Wahlkampfprogramm formuliert. Die Wirtschaftskraft in der Stadt soll gestärkt, die Arbeitslosenzahlen gesenkt und Verwirklichung der “Stadtmitte am Fluss” soll weiter vorangetrieben werden. In einer eindringlichen Rede und in einem anschließenden Interview gegenüber Saar Report ging der Hauptredner des Abends Ole von Beust vor allem auf die Wahlkampf-Themen Bildungs- und Wirtschaftspolitik, sowie auf die Finanzkrise ein.
Dieter J. Maier:
Herr von Beust, aus welchen Gründen unterstützen Sie in Saarbrücken den CDU-Wahlkampf 2009?
Ole von Beust:
Ich unterstütze den Wahlkampf der CDU im Saarland zum einen aus genereller, politischer Solilarität, aber auch, weil mich zu Finanzminister Peter Jakoby und zu Ministerpräsident Peter Müller eine dreißigjährige Freundschaft verbindet. Ich finde außerdem, wenn wir politische und wirtschaftliche Visionen verwirklichen wollen, müssen wir uns zuerst fragen, wo unser Land in zehn oder zwanzig Jahren stehen soll. Großstädte wie Saarbrücken oder Hamburg müssen sich zu Wachstum und Erneuerung bekennen, damit die Wirtschaft und die Politik regional in die richtige Richtung läuft. Ich habe mit großem Interesse zur Kenntnis genommen, dass hier in Saarbrücken das Konzept “Stadtmitte am Fluss” verfolgt wird. Dieses Konzept kann ich als erster Bürgermeister von Hamburg nur befürworten und unterstützen, denn ich sehe besonders in Hamburg, wie sehr die Menschen am Wasser leben möchten. Mit einem solchen Projekt kann man eine gute Infrastruktur aufbauen und gleichzeitig die Lebensqualität der Menschen enorm verbessern und erhöhen.
Dieter J. Maier:
Welche neuen Parteiprogramme möchten oder werden Sie in diesem Wahlkampf für die CDU einsetzen, um nicht nur hier im Saarland Ihre Partei damit zu unterstützen?
Ole von Beust:
Wir müssen als Landes-CDU vor allem selbst von unserem Programm überzeugt sein und uns natürlich auch fragen, was die Menschen in unserem Land brauchen und wollen. Dann ist es wichtig, über Parteigrenzen hinweg, Lösungsmöglichkeiten für dringende Probleme zu erörten und durchzusetzen, damit der Fortschritt in unserem Land nicht langsam und unaufhaltsam ins Stocken gerät. Ich finde, dass es moderne Großstadt-Politik ausmacht, wenn man die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst nimmt und die Umsetzung von Wohn- und Lebensqualität so gut wie möglich vorantreibt. Ich glaube, dass eine Stadt oder eine Region nur dann erfolgreich ist, wenn das gesamte Potential an Bildung und Weiterbildung vollkommen ausgeschöpft wird. Bildung ist unsere Zukunft und vor allem junge Menschen sollten sich hiervor nicht verschließen, damit sie später auf dem deutschen und internationalen Arbeitsmarkt eine bessere berufliche Chance erhalten, denn der weltweite Wettbewerb ist erheblich härter geworden. Die jungen Berufsbewerber stehen heute im Wettbewerb mit Schülerinnen und Schülern aus aller Welt und nur die Besten von ihnen werden die Möglichkeit auf einen guten Arbeitsplatz haben. Ich finde es hierzu vor allem wichtig, dass die jungen Berufsbewerber hervorragend ausgebildet sein müssen, um heute auf dem regionalen und überregionalen Arbeitsmarkt bestehen zu können. Es ist für uns Christdemokraten eine besondere Aufgabe, die Bildungsmöglichkeiten so zu gestalten, dass jeder die gleichen Berufschancen hat, um sich persönlich weiter zu entwickeln. Wir müssen aber auch dafür Sorge tragen, dass Jugendliche, die aus schwierigen Elternhäusern stammen, in unserer Gesellschaft auch einen Platz und eine Chance erhalten, ihr Leben nach ihren Wünschen und Neigungen gestalten zu können.
Dieter J. Maier:
Welche politischen Ziele möchten Sie in nächster Zeit in Hamburg verwirklichen?
Ole von Beust:
Wir investieren jetzt sehr stark in die Projekte des Klimaschutzes, der Integration und vor allen Dingen massiv in Bildung. Aus diesem Grund wollen wir demnächst auch große Beträge in die Universität investieren, damit durch Integration jedem Bürger eine Chance gegeben wird, sein Leben selbst in positive Bahnen zu lenken. Dies ist allerdings nur möglich, wenn eine gute, wirtschaftliche Grundlage vorhanden ist und diese mit der Wirtschaftspolitik im Einklang steht.
Dieter J. Maier:
Wie weit hat die weltweite Finanzkrise auch Hamburg erreicht?
Ole von Beust:
Ich fürchte, sehr stark. Wir bekommen jetzt im Mai neue Steuerschätzungen und die Erwartungen diesbezüglich sind nicht gerade rosig. Wir haben insbesondere im Hamburger Hafen enorme wirtschaftliche Rückgänge, von daher wird es leider ein schwieriges Jahr für uns werden. Ich bin aber trotzdem sicher, dass wir 2009 gut durchstehen. Wir werden, um diese Finanzkrise zu überbrücken, nicht umhin kommen, in den nächsten beiden Jahren Schulden zu machen, die wir aber extra ausweisen werden und diese sobald als möglich wieder zurückzahlen.
Dieter J. Maier:
Herr von Beust, vielen Dank für dieses Gespräch
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