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Rockpoet mit Stil und Eigenwillen

Bob Dylan Konzert in der Saarlandhalle

7. April 2009

Er rockt noch immer. Energiegeladen startete der Rocker aus Duluth, Minnesota, am vergangenen Sonntag in alter Bob Dylan-Manier das von seinen Fans sehnsüchtig erwartete Saarlandkonzert in Saarbrücken. Mit viel Gitarre und rauer Stimme begann der zwischen Paris und München eingeschwebte Weltstar in der ausverkauften Saarlandhalle das letzte in Deutschland stattfindende Konzert seiner “Never ending Tour 2009″, wobei für viele der über 5000 Konzertbesucher in Saarbrücken das stimmliche Genuschel Dylans zuerst eine sichtliche Entäuschung war. Eines vorweg: Natürlich ist es Geschmackssache, ob man die eigenwillige Stimme von Bob Dylan mag oder ob man sich gleich beim ersten Ton abwendet.

Trotzdem führt kein Weg daran vorbei, dass man ihn auch dann noch als einen der wichtigsten Rockkünstler der letzten Jahrzehnte betrachten muss, dessen Stil bis heute ganze Generationen von Rock- und Popmusikern nachhaltig geprägt hat. Die Zeichen sind unverkennbar – Dylan ist der wohl wichtigste, einflussreichste und meistdiskutierte Künstler der letzten fünfzig Jahre. Anders als bei vielen seiner Nachahmer hat sich Bob Dylan nie vereinahmen lassen und ist stattdessen lieber manchen Irrweg gegangen, als sich in einen Strudel aus unkontrolllierbarer Geldanhäufung und gnadenloser Produktvermarktung einzulassen. Wie sehr sich die 68er Generation auch an ihm rieb, Dylan blieb über all die Jahrzehnte sich und seinem eigenwilligen Musikstil treu, obwohl seine weltweiten, als auch seine saarländischen Fans, auf seiner Tournee 2009 bisher nur musikalisch total neuinterpretierte Versionen seiner Welthits zu hören bekamen, die von ihm selbst noch fast bis zur Unkenntlichkeit verfremdet wurden. Doch die zeitlose Faszination seiner Konzerte lässt sich auch von seinen schärfsten Kritikern nicht leugnen, fräsen sich seine Ohrwürmer wie “Blowing in the wind” doch unwiderruflich in jedes Gedächtnis ein.

Dylan begann seine Karriere Ende der 50er Jahre als Folkmusiker, wandte sich aber Mitte der 60er Jahre der Rockmusik zu. Neben seiner unnachahmlichen Musik sind auch seine Texte, die unter anderem für den Nobelpreis vorgeschlagen wurden, von musikalisch-eindringlicher Selbsthingabe. Die zu Beginn seines Schaffens von den Inhalten der Folkbewegung, aber auch von der Bibel beeinflussten Rockbaladen, faszinieren immer noch Millionen seiner Fans. Sein Leben, das von zahlreichen Brüchen und Wendungen durchzogen ist, blieb trotz einiger Krisen musikalisch immer konstant und geradlinig, ebenso ist seine Musik für ihn über die Jahre hinweg stets eine Quelle der persönlichen Inspirierung gewesen. Von seinen Eltern wurde sein musikalisches Talent gefördert und unter Anleitung seines Cousins lernte er zunächst Klavier spielen, bevor er zu akustischen und auch elektrischen Gitarren wechselte. Dylan spielte in dieser Zeit häufig Blues-Standarts nach, die er im Radio hörte. Besonders beeindruckte ihn die frühe Rock-Musik von Elvis Presley, was ihn zu einer eigenen Interpretation des Elvis-Songs “Blue Moon of Kentuky” auf der Gitarre anspornte. Dieses Stück spielte Dylan noch bis 1999 mit großem Erfolg auf seinen Konzerten. Mitte der 60er Jahre begann Dylan seine bis dahin fast ausschließlich auf Soul und auf akustische Gitarre gespielte Musik elektrisch zu verstärken und sich dabei von seiner Band begleiten zu lassen. Dylan wurde dadurch zum Rockstar, der im Laufe seiner Karriere Millionen von Tonträgern verkaufte, ohne sich dabei sowohl musikalisch als auch politisch selbst in Frage stellen zu müssen.

Er begann jedoch zunehmend selbst unter dem Druck seines eigenen Erfolgs zu leiden, gerade weil viele seiner Fans damals ihm die Hinwendung zur Rockmusik übel nahmen und geradezu feindselig auf ihn reagierten. Der Begriff von der “Never ending Tour” wurde in dieser Zeit von einem Kritiker geprägt. Sie begann im Jahre 1988 und läuft seitdem immer noch mit großem Erfolg. Bob Dylan ist heute 67 Jahre alt und längst eine lebende Legende der amerikanischen Popmusik, der wie kaum ein anderer zuvor die Aufbruchstimmung einer ganzen Generation verkörpert, die es in den USA zuvor nur im Zuge der Kennedy-Ära und den folgenden Anti-Vietnam-Protestdemonstrationen gegeben hat und deren Wirkung auch durch Bob Dylan bis heute anhält.

Die Redaktion Saar Report dankt Prof. Leonardy und seinem Team der Musikfestspiele Saar für die freundliche Unterstützung.

Quelle:
Dieter J. Maier

Foto: Henryk Kotowski  some rights reserved

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