Home > Regionen, Saarland, Wirtschaft, Zeitgeschichte > Rückblick: Interview mit Wendelin von Boch vom 21.09.2007

"Unternehmer sein bedeutet Verantwortung tragen."

Rückblick: Interview mit Wendelin von Boch vom 21.09.2007

28. Januar 2009

wendelin-von-boch1Von seinen Tellern speist die ganze Welt und er hat aus Villeroy & Boch den Weltkonzern gemacht, der er heute ist. Wendelin von Boch, der in Unternehmerkreisen schon so etwas wie eine lebende Legende ist, hat Ende Mai diesen Jahres seinen Abschied von der unternehmerischen Weltbühne genommen. Vierzig Jahre lang war von Boch in dem von seinen Vorfahren gegründeten Unternehmen tätig. In dieser Zeit hat von Boch entscheidend dazu beigetragen, das Konzept einer Wohnwelt aus einem Guss perfekt umzusetzen. Ebenso hat er die soziale Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern mit Leben stets mit Leben erfüllt und seine Managertätigkeit als Berufung mit hohem Verantwortungsgrad begriffen.

Wendelin von Boch ist es als weitblickender Unternehmer mit verantwortungsbewusstem und von hohem Gemeinsinn getragenen Handeln gelungen, ein traditionsreiches Familienunternehmen in einen modernen, europäischen Lifestyleanbieter auszubauen und die Marke Villeroy& Boch auf dem internationalen Sektor hervorzuheben.

Wendelin von Boch gab nun ein ausführliches Interview über seinen Abschied, seinen Werdegang und seine privaten Ziele.

D.J.Maier:

Herr von Boch, vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen habe. Wie war Ihr persönlicher, beruflicher Werdegang?

W.v.Boch:

Nach meinem Studium in der Schweiz ging ich 1966 als Diplomkaufmann in unser Familienunternehmen V&B unter anderem nach Luxemburg, Frankreich und in die USA. 1969 wurde ich Verkaufsleiter der Faiencerie bei V&B , ein Jahr später Werksleiter. 1987 wurde ich Vorstandsmitglied der Gesellschaft und 1988 Vorstandsvorsitzender, der das Familienunternehmen nun schon in der achten Generation leitete.

D.J. Maier:

Was würden Sie jungen Unternehmergründern heute raten?

W.v. Boch:

Zunächst ist es heute von Vorteil, wenn ein Unternehmer, der auf dem internationalen Markt erfolgreich sein will, auch eine gute Aus- und Weiterbildung im Ausland genossen hat. Ferner sollte er sich in Finanzfragen hervorragend auskennen und mit Banken verhandeln können. Außerdem wäre eine kaufmännische Weiterbildung von Vorteil. Auch würde ich persönlich raten mit Unternehmern Kontakt aufzunehmen, die schon über eine gewisse Geschäftserfahrung verfügen. Unabdingbar ist heute die Beherrschung einer oder besser mehrerer Fremdsprachen in Wort und Schrift, um auf dem internationalen Markt erfolgreich zu sein.

D.J. Maier:

In welchem Umfang ist Ihr Unternehmen in den letzten Jahren angewachsen?

W.v. Boch:

Unsere Keramik-Manufakturen sind heute in 125 Ländern mit 11.000 Mitarbeitern vertreten. Somit ist Villeroy & Boch das älteste deutsche Familienunternehmen mit Weltgeltung. Bekannt wurden wir unter anderem durch unsere Fliesen, die in die ganze Welt geliefert werden. Man findet sie im Vatikan ebenso wie in der Hamburger U- Bahn oder beim spanischen König.

D.J. Maier:

Herr von Boch, was sind Ihre weiteren Lebensziele?

W.v. Boch:

Ich werde meine Frau in ihrem Lifestyle-Geschäft beraten, ausserdem werde ich mir mehr Zeit für meine Familie nehmen und mit meiner Frau ausgedehnte Reisen unternehmen.

D.J. Maier:

Halten Sie es für richtig, wenn in Unternehmen eine Familiengeneration die andere ablöst? `

W.v. Boch:

Ich halte dies nur für richtig, wenn die übernehmende Person die persönliche und berufliche Eignung dazu besitzt. Unternehmer sein bedeutet schließlich Verantwortung tragen. Wenn Familienmitglieder in höhere Positionen kommen, ohne den Anforderungen zu genügen ist die Kriese vorherbestimmt. Man muss sich doch einmal vor Augen halten, dass nur 15% der gegründeten Familienunternehmen die 3 Generation erreichen.

D.J.Maier:

Herr von Boch, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:
Dieter J. Maier / Foto: Dieter J. Maier

Druckansicht
Kommentare sind geschlossen