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"Der Fußball ist immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft"

Interview mit DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger

7. November 2008

Anlässlich der Fritz-Walter-Gala in Worms sprach der Präsident des deutschen Fußballbundes, Dr. Theo Zwanziger, mit Saar-Report über seine Begegnungen mit Fußball-Legende Fritz Walter, über die Bedeutung des deutschen Fußballs nach der WM 2006 und über seinen beruflichen und privaten Lebensweg.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Zwanziger, wir feiern heute Abend die Fritz-Walter-Gala. Welche persönlichen Erinnerungen haben Sie an Fritz Walter?

Dr. Theo Zwanziger:

Eine meiner ersten Erinnerungen an Fritz Walter ist für mich das Endspiel der WM 1954 in Bern, dass ich damals wie viele andere deutsche Fußballfans am Fernsehgerät verfolgt habe. Fast 40 Jahre später lernte ich Fritz Walter persönlich als einen bescheidenen und liebenswerten Menschen kennen, der sich auch über seine aktive Zeit hinaus noch sehr für den deutschen Fußball einsetzte. Fritz Walter besuchte öfter die ungarische Mannschaft von 1954, mit denen er auch Jahrzehnte später noch eine enge Freundschaft pflegte. Ich war selbst bei einigen Treffen mit dabei und kann mich an viele, schöne Abende erinnern. Bei einem dieser Treffen besuchten wir am Tag der Abfahrt noch einen nahe gelegenen Markt, wo ich für seine Frau Italia eine kleine, gehäkelte Tischdecke erstand. Fritz sah mich darauf hin verwundert an und sagte: “Das wäre nicht nötig gewesen, ihr habt mir doch schon die Fahrt bezahlt”. In diesem Moment spürte ich wieder seine große Bescheidenheit und ich bin heute für diese Begegnungen mit Fritz Walter sehr dankbar.

Dieter J. Maier:

Der WM-Sieg 1954 in Bern hat das deutsche Selbstbewußtsein nach dem verlorenen zweiten Weltkrieg wieder sehr gestärkt. Hat sich der deutsche Fußball in den darauf folgenden Jahrzehnten Ihrer Meinung nach stark verändert?

Dr. Theo Zwanziger:

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Foto: Wikipedia

Der Fußball ist immer ein Spiegel der aktuellen wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Situation. 1954 war Deutschland ein Land, dass sich auch 9 Jahre nach dem Krieg immer noch im Aufbau befand. Ebenso wusste man damals noch nicht, ob Deutschland in der europäischen Weltgemeinschaft wieder angenommen wird. Der Weltmeistertitel von 1954 hat natürlich enorm dazu beigetragen, dass Deutschland international wieder anerkannt wurde und sich auch wirtschaftlich erholen konnte. Heute leben wir in einer Medien-Gesellschaft, in der die Präsenz der Medien auch für das wirtschaftliche Wachstum mit verantwortlich ist. Das zeigt sich vor allem in Vermarktung von Stars in der Werbung. Trotz dieser kommerziellen Vermarktung sind diese Stars Vorbilder für die Jugend von heute. Daran sieht man, dass sich das ganze wirtschaftliche Umfeld und auch die wirtschaftlichen Bedingungen in Deutschland heute total verändert haben. Von daher war die Weltmeisterschaft 2006 für Deutschland von entscheidender Bedeutung, weil durch die Präsentation der deutschen Mannschaft und der deutschen Fußballfans die weltweite Anerkennung unseres Landes wieder sehr stark gestiegen ist. An diesem Beispiel kann man erkennen, dass der Fußball viel verändern kann, wenn er richtig eingesetzt wird. Heute wird die Gewalt, die zum Teil in den Familien und in den Schulen ausgeübt wird, auch im Fußball eingesetzt. Hierbei geht ein großes Stück Respekt gegenüber dem Mitmenschen verloren und die Hemmschwelle von der verbalen zur körperlichen Gewalt nimmt immer mehr ab. In diesem Fall kann man nur versuchen auch über den Fußball wieder ein Stück Sinn-Orientierung zu geben und durch Vorbilder die Jugendlichen auf den richtigen Weg zu bringen. Der Fußball könnte in diesen Fällen bei richtiger Anleitung von Lehrern und Erziehern durchaus viele soziale Missstände verbessern und zum Guten wenden.

Dieter J. Maier:

Sie stehen als DFB-Präsident nicht nur an der obersten Spitze des deutschen Fußballs sondern auch an der Spitze des deutschen Sports. Haben Sie für sich bis jetzt alle Ziele erreicht, die Sie sich in Ihrem Leben gesetzt haben?

Dr. Theo Zwanziger:

Ich bin persönlich mit meinem Lebensweg sehr glücklich und zufrieden und habe mir zu keinem Zeitpunkt in meinem Leben Ziele vorgenommen, die für mich nicht zu erreichen waren. Ich bin in einer Familie nach dem Krieg aufgewachsen, in der der Vater sehr gefehlt hat. Nachdem mein leiblicher Vater im zweiten Weltkrieg gefallen war, heiratete meine Mutter in den fünfziger Jahren noch einmal. Mit meinem Stiefvater hatte ich ein gutes Verhältnis und ich habe später mit meiner eigenen Familie dieses gefestigte Familienleben fortgeführt, das ich von Zuhause mitbekommen habe. Meine berufliche Entwicklung vollzog sich auch dank meiner Familie positiv und dass ich heute an der Spitze des DFB- Verbandes stehen darf empfinde ich als ein großes Glück. Für mich persönlich wünsche ich mir für die Zukunft, dass meine Familie und ich weiter gesund bleiben und dass ich in meiner Position als DFB-Präsident weiterhin in der Lage bin, gesellschaftliche Verantwortung mit zu tragen. Der DFB-Verband hat in Deutschland weit über sechs Millionen Mitglieder und ich bin mir meiner Verantwortung in dieser Position durchaus bewusst. Ich versuche jeden Tag mich dieser Verantwortung zu stellen und wenn mal etwas nicht ganz so klappt wie ich es mir vorstelle, so werde ich schon manchmal etwas ungeduldig, aber ich bin mit dem bisher Erreichten sehr zufrieden.

Dieter J. Maier:

Wie wichtig ist Ihnen Ihre Familie?

Dr. Theo Zwanziger:

Meine Familie ist der Mittelpunkt in meinem Leben. Ohne meine Frau und meine Kinder hätte ich meinen Lebensweg nicht so gestalten können, wie ich es bisher getan habe. Obwohl ich beruflich sehr viel unterwegs bin nehme ich mir trotzdem immer Zeit, mit meiner Frau und meinen Kinder ein gutes Familienleben zu führen. Ich habe in meinem Leben gelernt, dass Erfolg und Geld kein Garant für ein glückliches Leben sind. Daher habe ich meine Kinder auch immer in ihren persönlichen Talenten gefördert und ihnen nie das Gefühl vermittelt, dass nur Erfolg im Mittelpunkt des Lebens stehen darf.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Zwanziger, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:
Dieter J. Maier

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