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Interview mit Dr. Norbert Blüm

14. Februar 2008

Am Dienstag, den 12.Februar 2008 wurde in der alten Feuerwache in Saarbrücken wieder heiß diskutiert. Diese Diskussionsreihe, eine Kooperation des Saarbrücker Staatstheaters und SR2-Kulturradio ging in ihre nächste Runde.

Für den ersten Abend in dieser Spielzeit konnten unter der Leitung von Dr. Jürgen Albers wieder zwei prominente Gäste gewonnen werden:

Dr. Norbert Blüm, Bundesarbeitsminister a.D. und Dr. Walter Koch, Präsident der Vereinigung saarländischer Unternehmensverbände.

Im Anschluss an die Diskussionsrunde, die unter dem Motto: “Zerfällt die Welt in arm und reich?” stand, gab Dr. Norbert Blüm unserem Magazin gegenüber ein exklusives Interview zu den Themen Rentenversicherung, Altwerden in der heutigen Zeit und seinen persönlichen Wünschen im Alter.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Blüm, wie sehen Sie aus heutiger Sicht die deutsche Rentenpolitik im internationalen Vergleich.

Dr. Norbert Blüm:

Es gibt viele Länder, beispielsweise Skandinavien, die sich unserem Rentenmodell annähern, während wir gerade dabei sind dieses erfolgreiche Modell zu ruinieren. Mit anderen Worten: Die anderen machen uns nach und wir nehmen Abschied davon.

Dieter J. Maier:

Ihr Schlagwort in Ihrer aktiven Zeit als Bundesarbeitsminister war immer ” Die Renten sind sicher”. Wie sicher sind die Renten heute?

Dr. Norbert Blüm:

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Ungefähr tausendmal sicherer als jede Privatversicherung. Die viel gepriesene Privatversicherung hat eine Geschichte von nicht gehaltenen Versprechen. In den Kriegs- und Inflationszeiten war das Geld weg, ebenso in der Zeit der Währungsreform. Die Rentenversicherung hat dagegen immer gezahlt – das ist der elementare Unterschied daran.Von 112.000 Pensionsfonds in den Vereinigten Staaten haben nur 36.0000 überlebt, dabei höre ich immer, dass die Privatversicherung sozusagen die Quelle der Zuversicht ist. Vielleicht sollten sich die Kunden von Lebensversicherungen erkundigen, was ihnen an Lebensversicherungen zugesagt wurde und was am Schluss tatsächlich ausgezahlt wir. Die Lebensversicherung in Deutschland hat mehrfach ihre Mindestverzinsung zurückgeschraubt. Was die Aktien anbelangt, wenn dass die bessere Altersversicherung sein soll, dann sollten Sie sich bei amerikanischen Hypothekenbanken erkundigen, wie das ist mit der Altersversicherung auf Grund von Aktien ist. Dazu kann ich nur sagen: ” Gute Nacht”. Ich habe nichts dagegen, dass jemand privat ergänzend vorsorgt, aber die Rentenversicherung kann niemand ersetzen.

Dieter J. Maier:

Haben wir es also aus Ihrer Sicht mit einem großen Maß an Volksverdummung zu tun ?

Dr. Norbert Blüm:

Ja sicher. Auch die Riesterrente hat keine Antwort für Arbeitslose und Erwerbsunfähige. Die Arbeitslosen der Rentenversicherung bekommen auch für die Zeit der Arbeitslosigkeit eine Rente angerechnet. Die Erwerbsunfähigen erhalten eine Rente als wenn sie bis zur Pensionierung Beitrag gezahlt haben. Das kann keine Privatversicherung. Also glaube ich tatsächlich, dass wir es hier mit einer großen Portion Volksverdummung zu tun haben in der öffentlichen Meinung. Das führende Volksverdummungsblatt ist die Bildzeitung. Das ist nicht die Zeitung des kleinen Mannes sondern des großen Geldes. Die liegt mit der Allianz bildlich gesprochen in einem Bett und so sind auch ihre Beiträge zur Madigmachung der Rente. Man konnte vor einiger Zeit beispielsweise in der Bildzeitung lesen: “In 30 Jahren steigen die Löhne Jahr für Jahr um ein Prozent und die Preise um zwei Prozent”. Wenn das passiert gibt es in 30 Jahren nicht nur keine Rente mehr sondern auch keine Bildzeitung, weil niemand mehr sie kaufen kann. Aber man höre und staune, drei Tage später hat sie das selbe Exempel für die Privatversicherungen gemacht. Und dies halte ich für eine klassische Form von Volksverdummung.

Dieter J. Maier:

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Saarland?

Dr. Norbert Blüm:

Ich empfand das Saarland immer als ein besonders schönes Land. Einer meiner Lieblingsplätze ist die Saarschleife, die ist nun wirklich schön. Und die Saarländer sind Gemütsmenschen, die sich das Motto “Leben und Leben lassen” angeeignet haben. Ich bin ja selbst Hesse und habe gemerkt, dass die Saarländer genau wie die Hessen zum Fanatismus völlig unfähig sind. Sie sind im besten Sinne Europäer. So einen Satz, den die Berliner als ihr Erkennungszeichen sich angeeignet haben:
“Uns kann keener”, so etwas käme dem Saarländer sicher niemals über die Lippen. Der Saarländer würde dazu eher sagen: ” Uns kann jeder”. Also auf dem hohen Ross sitzen, das ist nicht der Platz der Saarländer und das macht sie so symphatisch.

Dieter J. Maier:

Welche persönlichen Wünsche haben Sie jetzt im Ruhestand?

Dr. Norbert Blüm:

Da hätte ich den größten Wunsch, dass das Leben meiner Enkel mal nicht im Chaos endet. Ich bin sechsmal Großvater und wünsche mir für meine Familie und für alle Menschen, dass die Welt friedlich bleibt. Ich habe den zweiten Weltkrieg als Kind miterlebt und auch die schrecklichen Bombenangriffe auf Rüsselsheim miterleben müssen. Also etwas schlimmeres gibt es nicht mehr. Ich habe nie mehr in meinem Leben so viel Angst gehabt wie zu diesem Zeitpunkt und ich hoffe, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt. Man darf ja nicht vergessen, dass wir heute die längste Friedenszeit haben und ich möchte, wenn es nach meinem Wunsch geht, dass es so bleibt.

Dieter J. Maier:

Herr Dr. Blüm, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:
Dieter J. Maier

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